Teil des Limbischen System

Gesundheitslexikon: Amygdala (Corpus amygdaloideum, Mandelkern)

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6. März 2019 - 14:02 Uhr

Amygdala - die Schaltzentrale emotionaler Impulse

Der Gehirnregion, die Amygdala genannt wird, schreibt man zu, dass sie bei allen erregenden Wahrnehmungen sowie bei der Einleitung entsprechender Impulsreaktionen beteiligt ist. Auch bei Sinneswahrnehmungen wie dem Geruchsinn landen viele verschiedene neuronale Reize in der Amygdala. Bekannt, aber sehr selten, ist das Urbach-Wiethe-Syndrom. Es handelt sich dabei um eine Verkalkung der Amygdala. Bei fortgeschrittener Verkalkung kann diese sogar gänzlich ausfallen.

Ein Mensch ohne funktionsfähige Amygdala kann weder Furcht empfinden noch diese in anderen Gesichtern deuten. Auch gefährliche Situationen erkennt man nicht bei einer solchen Erkrankung. Sie kann im Alltag zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen führen.

Was ist die Amygdala?

Offenbar werden unterschiedliche Emotionen an jeweils spezifischen Regionen der Amygdala verarbeitet. So konnten in wissenschaftlichen Studien mit elektrischen Stimulationen bei Primaten unterschiedliche Emotionen hervorgerufen werden, je nachdem, wo die Elektrode platziert wurde. Aggressive Reaktionen und Fluchtverhalten konnten im zentralen Kern der Amygdala lokalisiert werden. Reaktionen wie ein erhöhter Puls, Hunger oder sexuelle Reaktionen wurden an anderen Stellen entdeckt.

Ohne Amygdala, so fand man bei weiteren Versuchen heraus, waren die Primaten unfähig, emotionale Bedeutungen mit Gegenständen zu verknüpfen. Außerdem verloren diese Tiere die Fähigkeit zu aggressivem Verhalten.

Die Anatomie der Amygdala

Die Amygdala, auch Corpus amygdaloideum oder Mandelkern genannt, ist ein Bereich des menschlichen Gehirns und parallel sowohl im linken als auch im rechten Temporallappen enthalten. Da ihre Form jener eines Mandelkerns ähnelt, erhielt sie ihren Namen nach dem griechischen Wort amygdale, was Mandel bedeutet.

Anatomisch besteht die Amygdala, die im medizinischen Fachjargon als Corpus amygdaloideum bezeichnet wird, aus 13 unterschiedlichen Abschnitten und ist mit vielen anderen wichtigen Gehirnzentren vernetzt. Die meisten Impulse, sogenannte Afferenzen, kommen von der Großhirnrinde, wo Reize vorverarbeitet werden. Aus dem Mandelkern hinausgehende Impulse, Efferenzen genannt, landen meist im Hypothalamus, im retikulären Kern oder anderen Bereichen, die motorische Reflexe steuern.

Die Funktion der Amygdala

Die Amygdala gehört zum sogenannten limbischen System, welchem eine große Rolle für das Emotions- und Triebverhalten zugesprochen wird. Die Amygdala ist stets dann aktiv, wenn der Mensch gefährliche Situationen analysiert und bewertet. Auch die Lustempfindung gehört zu ihren Aufgaben, sie spielt also auch beim Sexualtrieb eine Rolle.

Neuronale Untersuchungen an autistischen Kinder haben ergeben, dass diese bereits im Kleinkindalter überproportional große Mandelkerne haben. Vermutlich wirkt sich dieser Umstand auf ihre emotionale Verarbeitung neuronaler Reize aus.

Erkrankungen der Amygdala

https://www.rtl.de/cms/gesundheitslexikon-panikattacke-4047537.htmlWenn die Amygdala nicht so funktioniert, wie sie soll, dann kann sich das in vielerlei Fehlleistungen des Gehirns äußern. Dazu zählen Gedächtnisstörungen, autistisches Verhalten, depressive Verstimmungen oder Probleme, Ereignisse emotional zu deuten. Diese Fehlfunktionen können durch Beschädigungen der Amygdala ausgelöst werden oder dadurch, dass die Zufuhr von Neurotransmittern durcheinanderkommt.

Aber auch, wenn die Amygdala dauererregt wird, können Symptome auftreten. Situationen, die im Normalfall Leid, Angst oder Schmerzen verursachen, werden dann mitunter gleichgültig erlebt. Wenn die Amygdala überbeansprucht ist, kann es auch vorkommen, dass auf solche Ereignisse Reaktionen somatischer Natur erfolgen, also Ohnmacht, Übelkeit oder Panik.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.