Vergrößerung einzelner Körperteile

Gesundheitslexikon: Akromegalie

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1. April 2019 - 12:10 Uhr

Wenn Ringe oder Schuhe nicht mehr passen - Akromegalie lässt Körperteile wachsen

Wer im Erwachsenenalter am eigenen Körper plötzlich vermeintlich vergrößerte Hände, Füße oder Ohren feststellt, tut diese Beobachtung zumeist als Irrtum ab. Dass es eine ernst zu nehmende Krankheit gibt, die mit einer langsamen, aber kontinuierlichen Vergrößerung einzelner Gliedmaßen einhergeht, ist kaum bekannt.

Was ist Akromegalie?

Als Akromegalie bezeichnet man die unvorhergesehene Vergrößerung einzelner Körperteile. Betroffen sind beispielsweise Finger, Hände, Füße, Ohren, die Nase, der Kiefer oder die äußeren Geschlechtsorgane. Eine ausgeprägte Form der Erkrankung ist der Gigantismus. Hier verändern sich nicht nur einzelne Körperbereiche, sondern der gesamte Mensch wächst in die Höhe (Großwuchs). Alleine in Deutschland leiden rund 5.000 Menschen an einer Akromegalie. Weitere Bezeichnungen der Krankheit sind Marie-Syndrom oder Pachyakrie. Die Anzeichen der Krankheit sind irreversibel. Das bedeutet, dass sich vergrößerte Bereiche nicht wieder verkleinern werden.

Ursachen einer Akromegalie

Nahezu alle Fälle gehen auf einen gutartigen Hirntumor zurück, welcher sich unbemerkt an der Hirnanhangdrüse im vorderen Kopfbereich entwickeln konnte. Eine dort ansässige Geschwulst ist hormonell sehr aktiv und produziert übermäßig viel Somatropin, ein Wachstumshormon. Dieses Hormon ist dafür verantwortlich, dass sich plötzlich bestimmte Körperbereiche vergrößern. Da der Tumor selbst schmerzfrei und unauffällig heranwächst, wird er von den Betroffenen zumeist nicht wahrgenommen. Erst die Symptome veranlassen den Patienten, einen Arzt aufzusuchen. In sehr seltenen Fällen geht die Akromegalie auf eine erbliche Disposition zurück.

Symptome einer Akromegalie

Die Erkrankung verläuft zumeist sehr langsam. Erste Vorboten der Akromegalie wie Veränderungen der Gelenke (Knorpelwachstum), ein erhöhter Blutdruck oder ein vermindertes sexuelles Interesse werden allzu oft übersehen und nicht mit einer Tumorerkrankung in Verbindung gebracht. Auffälligste Anzeichen sind die veränderten Körperteile. Wenn die Schuhe im Erwachsenenalter plötzlich nicht mehr passen oder das Kinn stark nach vorne wächst, ist die Diagnose für den Arzt einfach. Als weitere Symptome stellen Betroffene häufig Knochenschmerzen oder Kopfschmerzen an sich fest. Je nach Lage des Tumors kann es auch zu Gesichtsfeldausfällen oder Hirnnervenausfällen kommen.

Diagnose einer Akromegalie

Besteht der Verdacht einer Akromegalie, gibt das Blutbild verlässlich Aufschluss. Darin kann nämlich ein insulinähnlicher Wachstumsfaktor bestimmt werden, der eine erste Richtung vorgibt. Bestätigt sich der Verdacht, wird in einer zweiten Blutuntersuchung nach Verabreichung von Traubenzucker an den Patienten ein weiteres Wachstumshormon im Blut gesucht. Wenn auch dieses nachgewiesen wird, gilt die Diagnose als sicher. Zusätzlich erfolgt anschließend eine Untersuchung mittels Magnetresonanztomographie oder Computertomographie. Zeigt der Patient bereits die auffälligen Vergrößerungen einzelner Körperareale, kann die Diagnose schneller gestellt werden.

Akromegalie behandeln

Sehr große Hirntumoren werden zunächst mittels Strahlentherapie behandelt, um sie schrumpfen zu lassen. Je schneller der krankheitsauslösende Tumor entfernt wird, desto besser sehen die Heilungschancen für den Patienten aus. Die befallene Hirnanhangdrüse ist für den Operateur entweder über die Nase bzw. Nasennebenhöhlen oder durch eine Öffnung der Schädeldecke erreichbar. Meist wird nach dem Eingriff eine medikamentöse Behandlung angeschlossen, welche auf einer hormonellen Drosselung der endokrinen Drüsen fußt. Weitere operative Eingriffe können unter Berücksichtigung von kosmetischen Aspekten die vergrößerten Körperareale gegebenenfalls korrigieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.