Stark gefäßverengend

Gesundheitslexikon: ADH (Antidiuretisches Hormon)

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27. März 2019 - 15:49 Uhr

Das Hormon ADH steuert den Wasserhaushalt im Körper

Im Körper sorgen Hormone für die Steuerung wichtiger Funktionen. Sensoren melden Veränderungen, auf die reagiert werden muss - ähnlich wie ein Thermostat in der Wohnung die Heizung anschaltet, sobald eine Temperatur unterschritten wird. Hormone werden meist in Drüsen produziert, ins Blut abgegeben und wirken dann im Zielorgan. Ein wichtiger Regelkreis ist der Wasserhaushalt des Körpers. Relevant ist Wasser für den Transport und für lebensnotwendige biochemische Vorgänge in allen Körperzellen. Um die richtige Flüssigkeitsmenge im Körper sicherzustellen, bedient sich der Körper des Hormons ADH.

Was ist ADH?

Das ADH (Antidiuretisches Hormon, auch Adiuretin oder Vasopressin) ist ein Hormon, welches im Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns, produziert wird. Über die Hirnanhangdrüse gelangt es bei Bedarf in den Blutkreislauf. Sein Name kommt aus dem Griechischen: "diuretikos" für "den Harn fördernd", das "Anti" zeigt die Funktion des Hormons an. Sein Alternativname "Vasopressin" bezieht sich auf eine Funktionsweise: Vaso" für "Blutgefäße" und "Pressin" für "Pressen". Chemisch gesehen ist es ein Peptid, eine organische Verbindung aus neun Aminosäuren. ADH wird als "Effekthormon" bezeichnet, da es direkt in dem Organ wirkt, welches es steuern soll, ohne Umwege über Drüsen.

Wann wird ADH ausgeschüttet und was bewirkt es im Körper?

ADH wird ausgeschüttet, wenn der Körper eine Verringerung des Blutvolumens feststellt. Das Blutvolumen und die Konzentration der im Blut gelösten Teilchen werden ständig an der Halsschlagader und im Herzen beziehungsweise im Gehirn gemessen. In den Nieren bewirkt das Hormon einen Rückfluss von Flüssigkeit aus dem Harn, wodurch dieser konzentrierter wird. Bei gesunden Menschen wird ADH vermehrt nachts ausgeschüttet, sodass die Nacht ungestört und ohne Wasserlassen verbracht werden kann. Eine zweite Wirkung von ADH ist das Zusammenziehen von Blutgefäßen in der glatten Muskulatur, was eine Blutdruckerhöhung auslöst und somit der Verringerung des Flüssigkeitshaushaltes entgegenwirkt.

ADH-Mangel, ADH-Überschuss und mögliche Krankheiten

Der ADH-Spiegel ist im Blut messbar. Beeinflussende Substanzen des Alltags müssen dazu ausgesetzt werden: Alkohol und Koffein vermindern das Hormon, wirken harntreibend und führen zu Flüssigkeitsmangel, Nikotin wirkt ADH-steigernd. Bei krankhaftem ADH-Mangel kommt es zu starkem Wasserverlust und extremem Durstgefühl. Ursachen können Schäden an Hypothalamus, Hypophyse oder der Niere sein. Es entsteht das Krankheitsbild Diabetes insipidus (aus dem lateinischen "geschmackloser Durchfluss"). Ein pathologischer Überschuss an ADH bewirkt eine Erhöhung der Wasserkonzentration im Körper, was verschiedene Ursachen haben kann. Das sogenannte "Schwartz-Bartter-Syndrom" wird oft durch ein Lungenkarzinom ausgelöst.

Bedeutung in der Medizin

Da das natürliche Antidiuretische Hormon nur eine Halbwertszeit im Minutenbereich hat, seine aktive Zeitspanne also sehr gering ist, wird es in der Medizin kaum eingesetzt. Der Forschung ist es allerdings gelungen, ähnliche Substanzen herzustellen, die deutlich länger wirken. Zudem ist die oft unerwünschte Blutdruckerhöhung vermindert. Das Medikament Desmopressin wird bei Diabetes insipidus und nächtlichem Einnässen eingesetzt. Des Weiteren gibt es Einsatzgebiete, die sich die zusammenziehende Wirkung der Blutgefäße zunutze machen. Die Verwendung von ADH zur Reanimation bei Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand anstatt des üblichen Adrenalins ist in der Medizin umstritten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.