Gefährliche Erdnuss-Allergie: Schützt bald ein neues Medikament davor?

Ein neues Medikament verspricht Hoffnung für Millionen Menschen, die gegen Erdnüsse allergisch sind.
Ein neues Medikament verspricht Hoffnung für Millionen Menschen, die gegen Erdnüsse allergisch sind.
© picture alliance / PIXSELL, Davor Puklavec/PIXSELL, VM rh

23. November 2018 - 16:07 Uhr

Allergie gegen Erdnüsse kann tödliche Folgen haben

Ein leckerer Snack, doch für viele Menschen absolut tabu: Schon winzige Spuren von Erdnüssen können bei manchen Menschen lebensbedrohliche allergische Reaktionen auslösen. Das Problem: In der heutigen Lebensmittelherstellung sind die Nüsse allgegenwärtig. Ein neues Medikament verspricht nun Hoffnung für Millionen Allergiker weltweit.

Mit "AR101" sollen Allergiker angstfrei leben können

Herzrasen, Erbrechen und Durchfall, Atemnot und im schlimmsten Fall ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock: Mit einer Erdnussallergie ist nicht zu spaßen. Schon wenige Mikrogramm reichen, um schwere Reaktionen auszulösen. Ein internationales Team von Forschern will das nun ändern: Mit dem Medikament "AR101" soll bei Allergikern die Toleranz gegenüber Erdnüssen so weit gesteigert werden, dass sie angstfrei leben können.

Therapie vor allem bei Kindern erfolgreich

Getestet wurde das Präparat des Herstellers Aimmune Therapeutics in einer Langzeitstudie mit 551 Teilnehmern, darunter 496 Kinder und Teenager zwischen vier und 17 Jahren. Keiner von ihnen konnte vorher mehr als ein Zehntel einer Erdnuss essen, ohne schwere Symptome zu entwickeln. Sie wurden einer sogenannten Hyposensibilisierungstherapie unterworfen, bekamen also nach und nach immer mehr des Erdnuss-Allergens verabreicht – in Form des Präparats "AR101". Mit Erfolg: Vor allem bei Kindern erzielte die Behandlung Erfolge. Rund 67 Prozent von ihnen vertragen nun immerhin zwei ganze Erdnüsse.

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

Entscheidung über Zulassung von "AR101" erst 2019

Das klingt zunächst nicht viel, kann aber ein Leben komplett verändern. Denn viele Lebensmittel sind für die Allergiker deshalb so gefährlich, weil sie durch die Herstellung in Fabriken Spuren von Erdnüssen enthalten können, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Auch die kleine Studienteilnehmerin Emily Pratt (6) war gezwungen, etwa bei Kindergeburtstagen ihr eigenes abgepacktes Essen mitzubringen. "Als sie ganze sieben Erdnüsse essen konnte, ohne irgendwie darauf zu reagieren, waren wir überglücklich. Es hat unser Leben verändert, wir haben jetzt eine Freiheit, die wir nie kannten!" erzählt ihre Mutter Sophie dem britischen Sender BBC Radio 4.

Im August 2019 wird entschieden, ob "AR101" in den USA als Medikament zugelassen wird. Ob es dann auch in Deutschland eingeführt wird, ist noch nicht bekannt, wäre dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) zufolge aber denkbar. Laut der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS des Robert Koch Instituts reagieren in Deutschland 10 Prozent der Kinder sensibel auf Erdnüsse, jedes zweihundertste ist darauf allergisch.

Auch interessant