Was. Für. Ein. Kampf!

Gegentor in der 111. Minute! Deutschland verliert körperlich aufreibendes Finale gegen England

July 31, 2022, London, England, United Kingdom: London, England, July 31st 2022: England celebrate as Ella Toone (20 England) scores during the UEFA Womens Euro 2022 Final football match between England and Germany at Wembley Stadium, England. (Credi
England jubelt über den Titel.
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Was für ein bitterer Abend aus deutscher Sicht! Das Team von Martina Voss-Tecklenburg hat wie wild gekämpft – und trotzdem verloren. England hat das Finale der Frauenfußball-EM im eigenen Land mit 2:1 (0:0) in der Verlängerung für sich entschieden. Das Siegtor fiel spät in der 111. Minute. Chloe Kelly ist die englische Heldin des Abends. Es war ein wahnsinnig intensives Duell zweier Fußball-Größen im legendären und ausverkauften Wembley-Stadion. Für Englands Fußball-Frauen ist es der erste große Titel.

Königliche Ehrung für England

Prinz William bejubelte im Tollhaus Wembley den ersten englischen Titel seit 1966.Torjägerin Popp konnte bei dem Spektakel nur mit trauriger Miene zuschauen. Die 31-jährige Wolfsburgerin hatte kurz vor dem Anpfiff wegen muskulärer Beschwerden passen müssen. Auch wenn es zum Titelgewinn am Ende nicht reichte, werden Deutschlands Fußballerinnen am Montag auf dem Frankfurter Römer geehrt.

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Rekord-Kulisse schüchterte ein

England feierte dagegen den ersten Titel seit dem WM-Triumph der Männer 1966 im legendären Finale gegen Deutschland und machte es besser als Harry Kane und Co., die im Vorjahr ihr EM-Finale gegen Italien verloren hatten.

Gänsehaut-Atmosphäre herrschte in Wembley, wo sich viel Prominenz - von Prinz William über Bundeskanzler Olaf Scholz bishin zu Bundestrainer Hansi Flick - versammelt hatte. Es war die größte Kulisse, die jemals bei einer EM - egal ob Männer oder Frauen - verzeichnet wurde. „Wir werden es genießen. Wir sehen es als Herausforderung an, aber auch als Privileg“, sagte Voss-Tecklenburg.

Zunächst hatte das DFB-Team aber einen Schock zu verdauen. Als die beiden Teams aus dem Spielertunnel kamen, führte überraschend Svenja Huth anstelle von Popp die deutsche Mannschaft an. Unmittelbar vor dem Anpfiff musste die sechsfache Torschützin passen, dafür kam Deutschlands Fußballerin des Jahres Lea Schüller in die Startelf. Wie bitter für Popp, die Matchwinnerin aus dem Frankreich-Spiel, die in ihrer Karriere so viele verletzungsbedingte Rückschläge einstecken musste und vor wenigen Wochen beim 4:0-Auftakt gegen Dänemark erst ihr EM-Debüt mit 31 Jahren gegeben hatte.

Womöglich war es die schlechte Nachricht vor dem Anpfiff, womöglich aber auch die beeindruckende Atmosphäre - das deutsche Team begann nervös und sah sich in einem intensiven Spiel gleich großem Druck der Engländerinnen ausgesetzt.

Lina Magull verteilt Küsschen nach dem 1:1.
Lina Magull verteilt Küsschen nach dem 1:1.
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Deutschland kämpfte aufoperungsvoll

Deutsche Nadelstiche gab es auch, wie etwa der abgeblockte Schuss von Sara Däbritz (10.). Und Mitte der ersten Halbzeit hatte Marina Hegering gar die Riesenchance zur Führung, als die Lionesses kurz vor der Ziellinie noch den Ball wegstochern konnten. Als bei dieser Szene aber der Video-Schiedsrichter einen möglichen Handelfmeter überprüfte, wurde es plötzlich ganz ruhig im großen Rund. Der Elfmeterpfiff blieb aber aus.

Mehr vom Spiel hatten in dieser Phase aber die Engländerinnen, die mit ihrem körperlichen Spiel der DFB-Auswahl große Probleme bereiteten. Auch das Pressing funktionierte beim Rekord-Europameister nicht wie gewünscht. Weil aber auch die Gastgeberinnen bei ihren Abschlüssen wie beim Schuss von White zu hastig und ungenau agierten, blieb es in den ersten 45 Minuten torlos.

Bundeskanzler Scholz zeigte sich zur Pause „begeistert“ von seiner Frauenfußball-Premiere. Und so dürfte es den deutschen Regierungschef gefreut haben, als die deutsche Mannschaft im zweiten Durchgang den Vorwärtsgang einlegte und durch die eingewechselte Tabea Waßmuth (48.) und die überragende Magull (49.) zu zwei großen Chancen kam. Kurz darauf kam Schüller bei einem langen Ball einen Tick zu spät (57.).

Kelly wird zur Heldin von Wembley

Das sollte sich rächen. Bei einem langen Ball war die deutsche Abwehr mal nicht auf der Höhe. Die sechs Minuten zuvor eingewechselte Toone setzte den Ball mit einem Lupfer ins deutsche Tor. Das Team von Voss-Tecklenburg wollte die schnelle Antwort. Doch Magull scheiterte mit einem Pfostenschuss, der Nachschuss von Schüller war zu harmlos (66.). Der Druck wurde aber immer größer, es spielte nur noch Deutschland. Und schließlich war Magull nach Vorlage von Waßmuth doch zur Stelle.

Es wurde immer leiser in Wembley, und das hatte seinen Grund. Deutschland drängte die Engländerinnen immer mehr in die eigene Hälfte zurück und hatte die deutlich größeren Spielanteile. Doch England gab nicht auf und hatte dank Kelly das bessere Ende für sich. Die 24-Jährige von Manchester City stocherte bei einer Unachtsamkeit den Ball ins Tor. Deutschland warf noch einmal alles nach vorne - ohne Erfolg.

England's Chloe Kelly, centre, celebrates after scoring her side's second goal during the Women's Euro 2022 final soccer match between England and Germany at Wembley stadium in London, Sunday, July 31, 2022. (AP Photo/Rui Vieira)
Chloe Kelly wird mit ihrem 2:1-Siegtreffer zur englischen Heldin.
PAG, AP, Rui Vieira

Zuschauerrekord erreicht

Das Traumfinale zwischen England und Deutschland in Wembley hat für einen EM-Endspiel-Zuschauerrekord gesorgt. 87.192 Fans besuchten die Begegnung am Sonntagabend in London, die Bestmarke bei einem Männer-Finale liegt bei 79.115 (Madrid 1964). Der Frauen-EM-Rekord lag vorher bei 41.301 (2013 in Solna/Schweden). Die Weltrekordkulisse im Frauenfußball bildeten 91.648 Fans im Champions-League-Halbfinale zwischen dem FC Barcelona und dem VfL Wolfsburg im April. (sid/lgr)