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Formel 1: Porpoising - Hoppel-Effekt stellt F1-Teams vor Probleme - McLaren noch im Vorteil

McLaren scheint den Dreh raus zu haben

Hoppel-Effekt stellt Formel-1-Teams vor Probleme

Die neuen Formel-1-Boliden stellen die Teams vor Herausforderungen. Bei den Testfahrten in Barcelona zeigt sich ein Effekt, den es in der Motorsport-Königsklasse so lange nicht mehr gab. Die ersten Runden machen deutlich, wie wichtig ein guter Kompromiss bei der Abstimmung ist. McLaren scheint den Dreh am besten raus zu haben – ihr Vorteil dürfte aber nicht von langer Dauer sein.

Porpoising macht Teams zu schaffen

George Russell hatte es im RTL-Interview (oben im Video) am Rande der ersten Barcelona-Testfahrten schon kurz angesprochen: Die Formel-1-Autos 2022 sind wieder sogenannte „Ground-Effect-Cars“.

Heißt vereinfacht: Die Boliden sind aerodynamisch weniger sensibel, werden bei zunehmender Geschwindigkeit immer stärker auf die Strecke gepresst. Reißt der Luftstrom aber ab, wird das Auto kurz wieder abgesaugt, ehe es sich wieder ansaugt. „Porpoising“, heißt dieses Hoppel-Phänomen, das den Teams in Barcelona zu schaffen machte.

Der Hoppel-Effekt im Video

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Problem leicht lösbar, aber ...

Für Red Bulls Aerodynamik-Guru Adrian Newey ist die Hoppelei prinzipiell kein großes Problem. "Das gab es schon in der ersten Groundeffect-Ära vor 40 Jahren. Es ist diesem Aerodynamik-Prinzip angeboren“, zitiert „auto motor und sport“ den Briten. Das „Bouncing“ abzustellen sei nicht schwer, so Newey. „Aber es ist schwer, dabei keine Rundenzeit zu verlieren."

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht das Ganze ähnlich und erläutert die Zwickmühle, in der viele Rennställe (noch) stecken. Man könne zwar „hinten mit der Bodenfreiheit raufgehen. Dann bist du aber langsam.“

Wichtig ist auch die Abstimmung des Fahrwerks. Mit einer harten Einstellung „erkauft“ man sich zwar etwas Stabilität auf der Geraden. Ist das Auto aber zu hart eingestellt, verlieren die Boliden in den langsamen Kurven Zeit. Auch die Flexibilität des Unterbodens spielt eine wichtige Rolle. Bei Top-Speed biegen sich die Kanten des Bodens zum Asphalt. "Da entsteht dann dieser Prozess des Ansaugens und Absaugens", erklärt Wolff.

Bodenfreiheit, Federung, Unterboden: Es zeigt sich, was Russell im RTL-Interview prophezeite: Ein guter Kompromiss, die richtige Fahrzeug-Balance, ist entscheidend.

Video: Newey verblüfft Konkurrenz mit neuem Red Bull

Ferrari in den langsamen Kurven stark

Tief fahren und dabei nicht hoppeln: McLaren schien in Barcelona diesen Kompromiss am besten getroffen zu haben. Der MCL36 raste am stabilsten über den Kurs in Katalonien.

Der Trick der Truppe von Teamchef Andreas Seidl ist offenbar im Unterboden verankert. Auf dem hinteren Teil der Bodenplatte gibt es parallel zum Rand eine lange Öffnung. Die Luft soll so einen Ausweg bekommen, wenn sich der Unterboden nach unten biegt, das Ansauge-Absauge-Spiel so verhindert werden.

Ferrari wählte einen anderen Ansatz: Die Roten fuhren im Heck mit viel Abstand zum Boden und mit viel Federweg. Der F1-75 hoppelte so zwar immer wieder auf den Geraden, war dafür aber in den langsamen Kurven schneller, wie die Sektoren-Zeiten zeigten.

McLaren-Lösung leicht zu kopieren

Sollte McLaren mit seinem Konzept den Nagel auf den Punkt getroffen haben, dürften die anderen Teams schon bei den nächsten Testfahrten in Bahrain nachziehen. Denn: Die Lösung ist nicht schwer zu kopieren, daher auch in Zeiten des Budgetdeckels machbar.

„Wir alle werden dieses Problem irgendwie lösen“, ist sich Ferrari-Teamchef Mattia Binotto sicher: „Wer das am schnellsten schafft, hat am Anfang einen Vorteil." (mar)