Geschlechterrollen

Studienergebnis: Männer fühlen sich männlicher, wenn sie Fleisch essen

Eine US-Studie hat gezeigt: Männer fühlen sich durch Fleisch männlich
Eine US-Studie hat gezeigt: Männer fühlen sich durch Fleisch männlich
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09. Juli 2021 - 15:38 Uhr

Studie zu Fleischkonsum: Du bist, was du isst

Mehr gefühlte Männlichkeit durch Fleischkonsum: Dieses Ergebnis hat eine neue Studie aus den USA Männern attestiert. Im Gegensatz zu Frauen scheinen sie sich über den Verzehr von Fleisch stärker mit ihrem Geschlecht zu identifizieren.

Der althergebrachte Spruch "Du bist, was du isst" scheint laut neusten Studienergebnissen für die meisten Männer mit dem Grundsatz "Ein echter Mann isst Fleisch" einherzugehen. So fanden die Forscher:innen Daniel L. Rosenfeld und A. Janet Tomiyama von der University of California, Los Angeles (UCLA), in ihrer Studie heraus, dass sich Männer, je mehr Fleisch sie essen, umso stärker mit ihrer männlichen Geschlechterrolle identifizieren.

Verzehr von Fleisch bedeutungsvoller für Männer

Das Ziel der im "Appetite-Journal" veröffentlichten Studie war es zu ergründen, welche psychologischen Faktoren den Speiseplan, das Essverhalten sowie die Einstellung zu einem vegetarischen Lebensstil beeinflussen – in Abhängigkeit zum jeweiligen Geschlecht. Dass eine nachhaltige Lebensweise in Anbetracht von Klimawandel und Umweltschutz eine zunehmend wichtigere Rolle einnimmt und ein reduzierter Fleischkonsum zu einem gesünderen Lebenswandel beitragen kann, nahmen die Forscher:innen zum Anlass für eine Untersuchung von 1706 amerikanischen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 88 Jahren. "Das Verständnis der geschlechtsspezifischen Unterschiede im Fleischkonsum kann dazu beitragen, die Bemühungen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit von Essgewohnheiten zu verstärken", heißt es dazu in ihrer Studie. Dabei unterteilten sie den Oberbegriff Fleisch in die vier Subkategorien Rind-, Schweine-, Hühnerfleisch und Fisch – wobei die letzteren beiden als grundsätzlich weniger umweltschädlich bewertet wurden.

Fleischessen und Veganismus: Tierwohl für Frauen wichtiger als für Männer

Ihrer Untersuchung führte dabei zu mehreren Erkenntnissen: Männer essen häufiger Rind, Schwein, Huhn und Fisch als Frauen. Je mehr sich Männer dabei mit ihrer Geschlechterrolle identifizierten, desto häufiger verzehren sie Rind- und Hühnerfleisch und zeigen sich weniger offen, eine vegetarische Ernährung auszuprobieren. Eine ähnliche Aussage für Frauen, die sich sehr weiblich fühlen, konnte nicht getroffen werden. In Hinblick auf eine vegetarische oder gar vegane Ernährung gaben die meisten Befragten an, dass sie aus gesundheitlichen Gründen bereit wären, sich fleischlos oder vegan zu ernähren. Für Frauen spielte dabei auch das Tierwohl eine wichtigere Rolle als für Männer. Zudem ließ sich ein weiterer Unterschied zwischen Männern und Frauen erkennen: Je weiblicher Frauen sich empfinden, desto größer ist ihre Offenheit, sich aus gesundheitlichen Gründen vegetarisch oder vegan zu ernähren. Je weniger männlich Männer sich fühlen, desto größer ist ihre Bereitschaft, aus ökologischen Motiven Fleisch und tierische Produkte von ihrem Speiseplan zu streichen.

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Man(n) muss sich beweisen

Laut den Forscher:innen Rosenfeld und Tomiyama stimmen ihre Erkenntnisse mit der Theorie einer "prekären Männlichkeit" überein, die 2008 von einem Forscherteam um Joseph A. Vandello aufgestellt wurde: Diese besagt, "dass der authentische Status als Mann – aber nicht als Frau – fragil ist und durch das Verhalten bewiesen werden muss". Für Rosenfeld und Tomiyama erscheint es daher plausibel, dass Männer Fleisch gegenüber einer vegetarischen Ernährung bevorzugen, da "sie sich im Sinne traditioneller Geschlechterrollen durch den Verzehr von Fleisch wie 'echte' Männer fühlen". Ein besseres Verständnis dieser Geschlechterrollen kann laut den Forscher:innen in Zukunft dazu beitragen, den allgemeinen Fleischkonsum weiter zu reduzieren und eine gesündere und ökologisch-nachhaltigere Lebensweise der Menschen zu etablieren. (stern.de/as)

Quelle: Science Direct "Appetite 2021: Gender differences in meat consumption and openness to vegetarianism"

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de.

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