Last-Minute-Remis gegen Abstiegskandidaten

Fast-Blamage und Mega-Fauxpas von Coach Ronald Koeman; Der FC Barcelona wankt in gigantische Krise

21. September 2021 - 10:47 Uhr

Das Remis gerade noch gerettet!

Eieiei, der finanziell schwer angeschlagene FC Barcelona rutscht nun auch immer mehr in eine sportliche Krise. Sechs Tage nach dem desaströsen 0:3 gegen den FC Bayern kommt das Team um Marc-André ter Stegen gegen Abstiegskandidat FC Granada gerade noch zu einem 1:1 (0:1) und findet sich mit acht Punkten nur im Tabellenmittelfeld wieder. Mit zunehmender Spieldauer häufen sich die Pfiffe von den Rängen.

Araújo rettet die Ehre und die Laune

Es sind die (ganz) kleinen Momente, die dem FC Barcelona in diesen Wochen das (ganz) große Glück schenken. Ein Tor in der letzten Spielminute gegen den Tabellen-17. FC Granada zum Beispiel. Erzielt hat das am Montagabend der wuchtige Innenverteidiger Ronald Federico Araújo da Silva. Er hatte all die Kraft seines Körpers in diesen entscheidenden Moment gepackt. Und das war durchaus kalkuliert von Trainer Ronald Koeman. Der Niederländer hatte den so kopfballstarken Uruguayer in den finalen Minuten des Ligaspiels im Sturmzentrum belassen. Ein Akt der Verzweiflung. Aber die Idee zahlte sich eben aus. Also alles richtig gemacht.

Araújo, der nach einem Kopfballduell kurz gestürzt war, rappelte sich schnell wieder auf, er witterte nämlich schon die nächste Chance. Und die kam, nur Sekunden später. Der gerade einmal 17-jährige Gavi spielte im Strafraum aus dem Stand einen herausragenden Lupfer ins Zentrum, Araújo rannte in diese Hereingabe als gäb's kein Morgen mehr und köpfte den Ball zum 1:1 in Granadas Gehäuse. Die Freude über dieses kleine Glück entlud sich mindestens so wuchtig wie der Ball zuvor eingeschlagen war. Araújo schrie, jubelte und hämmerte sich mit der Hand mehrfach auf das Wappen auf seiner Brust. Der FC Barcelona hatte den Punkt gerettet. In der Tabelle steht die Mannschaft auf Rang sieben. Sie hat aber ein Spiel weniger und könnte – einen Sieg vorausgesetzt – bis auf zwei Punkte an Real Madrid heranrücken. Die "Königlichen" stehen nach fünf Spieltagen an der Spitze.

Sie hatten zwar tolle Chancen, aber...

Paris Saint Germain v Olympique Lyonnais - Ligue 1 Uber Eats Paris Saint-Germain s Argentinian forward Lionel Messi during the French L1 football match between Paris-Saint Germain PSG and Olympique Lyonnais at The Parc des Princes Stadium in Paris on
Nicht glücklich: Lionel Messi.
© imago images/NurPhoto, Mehdi Taamallah via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Klingt also alles nicht sonderlich dramatisch aus Sicht von Barça, ist es aber. Denn dieses Team ist verzweifelt. Ohne Superstar Lionel Messi, der bei Paris St. Germain ebenfalls noch nach dem Glück sucht, fehlt dem FC Barcelona alles. Das Herz, das Hirn, die Kreativität. Wie verzwergt der Riese nach dem Abgang seiner Legende ist, das zeigte sich vergangene Woche in der Champions League. Gegen den FC Bayern ging das Gruppenspiel mit 0:3 verloren. Das ist zwar im Ergebnis deutlich milder als noch im vergangenen Jahr, als man beim Finalturnier der Königsklasse mit 2:8 gedemütigt worden war, aber die Hilflosigkeit, mit der die Fußballer von Koeman agierte, schreckte ein ganzes Land auf.

Gegen Granada war es in Summe nicht viel besser. Zwar agierte Barça vor allem in der zweiten Hälfte dominanter, aber das war immer noch weit weg von gut. Das war ganz weit weg von einer klaren und mitreißenden Spielidee. Auch wenn sich die Qualität der wenigen Chancen durchaus prima liest. Nach dem frühen Schock, Domingos Duarte hatte nach 90 Sekunden getroffen, klatschte ein Schuss von Sergi Roberto nach 17 Minuten an die Latte. Allerdings wirkte die Aktion im Strafraum nicht sehr geplant, sondern eher etwas zufällig. Möglich wäre der Ausgleich auch direkt vor der Pause gewesen. Zweimal scheiterte Araújo mit tollen Kopfbällen, einmal scheiterte Sergino Dest aus spitzem Winkel.

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Meine Güte, Luuk de Jong!

Es waren aber tatsächlich nur sehr wenige Momente, die Gefahr heraufbeschworen. So zwingend wie in der letzten Minute war es selten. Luuk de Jong, der eingewechselte Ex-Gladbacher, hatte Mitte des Durchgangs noch ein Riesending liegengelassen. Wie er einen Kopfball aus kürzester Entfernung über und nicht in das Tor setzen konnte, das kann er vermutlich selbst nicht erklären. Nun, was macht man jetzt mit diesem Ergebnis? Ein Remis ist immer besser als eine Niederlage. Aber sonst? Sonst stehen weiter alle Zeichen auf Krise. Die lauten Pfiffe im Camp Nou waren der hörbarste Beleg dafür.

"Nach so einem frühen Rückstand ist es schwer, ins Spiel zurückzukommen. Sie haben clevere Fouls eingesetzt und die Zeit gut runtergespielt. Abgesehen vom Tor hatten sie keine echte Chance", sagte Marc-André ter Stegen nach dem Spiel. Es sind bittere Wahrheiten aus der Sicht des FC Barcelona. Die Mannschaft ist nicht (mehr) in der Lage, eine Idee zu entwickeln, um einen sich einigelnden Gegner zu knacken. Flanken, Flanken, immer Flanken, das war nicht zielführend. 54 Versuche gab es gegen Granada. Erfolgreich war nur einer. Ein anderes Mal wollte Neuzugang Memphis Depay den Ball spektakulär per Seitfallzieher verwerten. Er hob zu früh ab, verpasste die Hereingabe deutlich und landete hart. Ein Symbolbild.

Jetzt steht sogar Coutinho wieder in der Startelf

Fast-Blamage und Mega-Fauxpas von Coach Ronald Koeman; Der FC Barcelona wankt in gigantische Krise
Blöder Fehler: Ronald Koeman.
© REUTERS, ALBERT GEA, cpg

Das einst gefürchtete Kurzpassspiel, es ist nur noch eine schöne und schmerzende Erinnerung. Aber immer noch ein Heiligtum im Verein. Und dass sich der schwer in der Kritik stehende Trainer, dessen denkbare Entlassung den finanziell bedrohlich wankenden Klub laut Medienberichten rund zwölf Millionen Euro kosten soll, nun nach dem Spiel einen sprachlichen Fauxpas leistete, das kam dann auch überhaupt nicht gut an. Das legendäre "Tiki Taka" nannte er "Tiki Taki". Die Zeitung "Marca" lästerte eilig: "Koeman erfindet Tiki-Taki... obwohl er komplett darauf verzichtet". Der FC Barcelona fasziniert nicht mehr, er wird belächelt.

Der Zauber der Vergangenheit ist brutal gewichen. Eine ideenlose Verzweiflung füllt das Vakuum der Post-Messi-Ära. Auch in der Aufstellung: Plötzlich steht Philippe Coutinho wieder in der Startelf. Den teuren Brasilianer wäre man im Sommer eigentlich lieber losgeworden. Stattdessen ging neben Messi noch Antoine Griezmann (ausgeliehen an Ex-Klub Atletico). Der war indes auch nie so richtig glücklich geworden beim FC Barcelona. Das Mittel der Wahl ist im Frühherbst 2021 nicht mehr die Genialität der argentinischen Legende, sondern die Brechstange. Was für eine bittere Erkenntnis. Der ohnehin angeknockte Trainer Koeman braucht dringend eine Lösung (und gesunde Spieler wie Top-Talent Ansu Fati), denn an dieses Mittel der Wahl will sich in Katalonien niemand gewöhnen müssen. (tno)