Diese Snacks bedeuten Erstickungsgefahr!

Was auf keinen Fall in die Kinder-Lunchbox gehört

Der Inhalt der Brotdose sollte nicht nur gesund und ausgewogen sein. Eltern sollten zusätzlich darauf achten, dass die Kinder sich nicht daran verschlucken können.
Der Inhalt der Brotdose sollte nicht nur gesund und ausgewogen sein. Eltern sollten zusätzlich darauf achten, dass die Kinder sich nicht daran verschlucken können.
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01. Oktober 2021 - 9:51 Uhr

Bei kleinen Kindern ist gut gemeint nicht immer gut gemacht

von RTL-Ernährungsexpertin Nora Rieder

Viele Eltern packen ihren Kindern auch gesunde Snacks wie Obst, Nüsse oder Gemüsesticks in die Brotdose für Kita oder Schule. Doch gerade bei kleinen Kindern ist gut gemeint nicht immer gut gemacht. Diese Erfahrung musste auch Australierin Tamika machen: Als sie ein Bild der Brotdose für ihr Kleinkind auf Facebook teilt, schlägt ihr eine Welle der Empörung anderer Mütter entgegen. Was dahinter steckt und worauf Eltern achten sollten.

Inhalt der Brotdose sorgt für Entrüstung

"Das ist das Mittagessen und die Snacks für mein wählerisches Kleinkind (13 Monate alt), das morgen in die Kita kommt." So der Wortlaut von Tamikas Facebook-Post, darunter ist das Foto der von ihr befüllten Brotbox zu sehen, die Popcorn, geschnittene Karotten, Nüsse, Rosinen und Käsestreifen enthält.

Es dauerte nicht lange, bis sich Dutzende anderer Mütter zu Wort meldeten und schrieben, es sei "gefährlich", einem so jungen Kind Popcorn und rohe Karotten zu geben, und sie dürfe keine Nüsse in die Kita mitbringen. "Popcorn ist für Kinder unter fünf Jahren nicht zu empfehlen, und erst recht nicht für ein 13 Monate altes Kind", schrieb ein Kommentator.

Ein anderer fügte hinzu: "Popcorn, ganze Nüsse und rohe Karotten sind wirklich das Dreigestirn an Lebensmitteln mit hohem Erstickungsrisiko für ein Kleinkind". Und tatsächlich, von vielen dieser an sich gesunden Snacks geht eine hohe Gefahr für kleine Kinder aus.

Kleinkinder haben ein erhöhtes Risiko für Erstickungsunfälle

Bei Kindern unter fünf Jahren sind die Atemwege noch nicht vollständig entwickelt, das heißt, sie sind noch recht klein und eng. Auch der Schluckreflex ist bei Kleinkindern noch unterentwickelt. Zudem besitzen Kleinkinder noch nicht alle Zähne, um richtig kauen zu können. Das alles erklärt, warum es in diesem Alter leichter zu Erstickungsunfällen kommen kann.

Das passiert besonders leicht beim Verschlucken von kleinen harten und glatten Lebensmitteln oder sonstigen Gegenständen. Legt sich dieser vor die Luftröhre oder gelangt er in die Lunge, besteht die akute Gefahr des Erstickens.

Besonders riskant – neben Trauben, Bonbons und Nüssen – ist Popcorn. Denn: Die Maiskörner können sich durch den Speichel weiter ausdehnen. Gelangen die Körner durch Verschlucken in die Luftröhre, dehnen sie sich dort aus und das Abhusten ist nahezu unmöglich.

Lese-Tipp: Erste Hilfe bei Verschlucken – diese Handgriffe retten Leben!

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Diese Lebensmittel sind für Kleinkinder besonders gefährlich

Ein hohes Erstickungsrisiko bergen vor allem die folgenden Lebensmittel:

  • Nüsse (besonders Erdnüsse), Mandeln und sonstige Samen
  • Rosinen
  • Weintrauben
  • Kirschtomaten
  • kleine Beeren (Blaubeeren, Johannisbeeren)
  • Hülsenfrüchte (wie Erbsen, Kichererbsen oder Bohnen)
  • Trockenfrüchte
  • Wurzelgemüse (wie Möhren, Sellerie oder Radieschen) als Rohkost
  • Popcorn
  • Fisch mit Gräten
  • harte Lutschbonbons
  • Kaugummi

Gerade die genannten Obst- und Gemüsesorten wie Beeren, Weintrauben, Nüsse, aber auch Kirschtomaten gelten zu Recht als gesunde Snacks: Sie enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Doch aufgrund ihrer glatten Oberfläche und Größe sind sie für Kleinkinder extrem gefährlich. So passen sich Trauben beispielsweise beim Verschlucken genau dem Gewebe der Atemwege an und können im schlimmsten Fall eine Art luftdichten Verschluss bilden. Zudem erschweren Konsistenz und Größe der Trauben - oder auch Kirschtomaten - im Fall der Fälle auch das Entfernen der Frucht aus der Speise- oder Luftröhre des Kindes.

Daher gilt: Kleinkinder sollten am besten komplett auf den Verzehr der aufgelisteten Lebensmittel verzichten. (Kernlose!) Trauben oder Kirschtomaten können Eltern alternativ – je nach Größe – halbieren oder vierteln.

So beugen Sie Erstickungsunfällen bei Kleinkindern vor

  • Schneiden Sie Obst und Gemüse immer in kleine, mundgerechte Stücke.
  • Wählen Sie weiches Obst wie Bananen, Aprikose und Pfirsiche. An Gemüse eignen sich beispielsweise Gurke und Paprika.
  • Hartes Gemüse sollten Sie Babys und Kleinkindern am besten gekocht anbieten.
  • Beim Essen sollten die Kleinen aufrecht sitzen.
  • Lassen Sie Ihre Kinder während des Essens und mit vollem Mund nicht herumtoben.
  • Lassen Sie Kinder während der Mahlzeiten nicht unbeaufsichtigt.

Gesunde Brotdose: Das sollte rein!

Und wenn Sie sich nun fragen, was in die Lunchbox für Kinder gehört, kommt hier die Antwort:

  • eine Portion Vollkornprodukte wie Vollkornbrot oder -brötchen oder (ungesüßtes) Müsli

Vollkornprodukte sorgen für einen konstanten Blutzuckerspiegel. Dieser beugt Konzentrationsproblemen vor.

  • eine Portion fettarmer Joghurt, Quark oder fettarme Milch
  • fettarmer Käse (Edamer, Mozzarella oder Tilsiter)

Milchprodukte wie Joghurt oder Käse liefern reichlich Calcium, das für das Knochenwachstum und gesunde Zähne wichtig ist.

  • Alternativ: fettarme Wurst (Putenschinken, gekochter Schinken, Kasseler, Braten)

oder

  • vegetarischer oder veganer Gemüseaufstrich (aus Tomate, Aubergine,...)

Fettarme Wurst liefert hochwertiges Eiweiß und Eisen, Gemüseaufstriche enthalten besonders viel der wertvollen B-Vitamine sowie Folsäure, das für die Zellteilung und Blutbildung wichtig ist.

  • Obst und Gemüse ( beispielsweise Banane, Pfirsich, Birne, Gurke und Paprika) – für kleiner Kinder in mundgerechte Stücke geschnitten)

Sie versorgen den Körper mit wertvollen Vitaminen und Mineralstoffen.

  • kalorienfreie oder -arme Getränke

Eine ausreichende Versorgung mit Getränken ist mindestens genauso wichtig wie gesunde Snacks. Optimal sind Wasser und ungesüßte Früchte- und Kräutertees. Auch Schorlen im Verhältnis 1:3 (ein Teil Saft, drei Teile Wasser) sind gute Durstlöscher. Auf Limonaden und Säfte sollte wegen des hohen Zuckergehaltes eher verzichtet werden.

Lese-Tipp: Diese Brotdosen werden Ihre Kinder sicher nicht zuhause vergessen!