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Ein Hund ist kein verkalkter Wasserkocher! Was wir von Spaniens neuem Tierschutzgesetz lernen müssen

Hund und Katze gelten in Spanien nun als Familienmitglieder - in Deutschland zählen sie im Falle einer Scheidung zum Hausrat.
Hund und Katze gelten in Spanien nun als Familienmitglieder - in Deutschland zählen sie im Falle einer Scheidung zum Hausrat.
© Getty Images/iStockphoto, Mirko Pernjakovic

08. Januar 2022 - 22:40 Uhr

von Marius Olion

In Sachen Tierschutz ist Spanien jetzt offiziell weiter als Deutschland – zumindest bei Haustieren. Denn dort sind Haustiere gesetzlich als Familienmitglieder zu werten. Seit dem 5. Januar gelten sie nicht mehr als Objekte, sondern als fühlende Lebewesen. Das bedeutet auch, dass es im Falle einer Trennung der menschlichen Familienmitglieder ums Sorgerecht geht. Wird Gewalt gegen die Tiere ausgeübt, gilt ebenfalls die Einstufung als vollwertiges Lebewesen.Tierquäler müssen durch das neue Gesetz künftig mit härteren Strafen rechnen. Deutschland kann und muss von Spanien lernen.

Wie ist das Gesetz in Deutschland?

Für Tierbesitzer ist in Deutschland schon längst klar: Ihre Hunde, Katzen, Vögel und Co. sind ein Teil der Familie. Und an diesem Satz erkennt man, wo Deutschland in Sachen Tierschutz steht. Denn das Wort "Tierbesitzer" bedeutet ja, dass ein Tier eine Sache sein muss, denn Lebewesen kann man ja nicht besitzen, oder?! Laut Bürgerlichem Gesetzbuch sind Tiere tatsächlich auch in Deutschland keine Sache, aber "auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist", heißt es in § 90a des BGB. Darin heißt es auch, dass Haustiere "durch besondere Gesetze geschützt werden" müssen. Bedeutet: Der Mensch ist gegenüber den Tieren verpflichtet, für sie zu sorgen und sie zu schützen, weil sie in der Lage sind Schmerz und Leid zu empfinden. Das war's dann aber auch – eine weitere herausragende Rechtsstellung erhalten die Tiere nicht.

Bei Tierverletzung muss Mensch haften

Geht es um den Schadensersatz wird auch in Deutschland zwischen Sachen und Tieren unterschieden. Eine Person, die ein Tier verletzt, muss für dessen Behandlung aufkommen. Das ist auch dann der Fall, wenn diese mehr kostet als der tatsächliche materielle Wert des Tieres. "Materiell" – auch das Wort müsste in dem Zusammenhang eigentlich gestrichen werden.

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So weit, wie die Spanier nun mit ihrem neuen Gesetz sind, ist Deutschland aber noch lange nicht. Im Scheidungsfall beispielsweise zählen Haustiere zum Hausrat – grob gesagt: Sie sind ein Haushaltsgegenstand wie der verkalkte Wasserkocher, die Vase mit den verstaubten Plastikblumen und das durchgesessene Sofa – nur mit dem Unterschied, dass sie atmen und beide Menschen vielleicht sogar lieben – auch über die Liebe zwischen den beiden Menschen hinaus. All die Gegenstände werden also bei der Scheidung geteilt – oder sie landen auf dem Müll. Auch Hund, Katze, Hamster müssen nach dem deutschen Gesetz geteilt werden, wie Gegenstände eben. In Spanien wird so ein Fall bei Uneinigkeit künftig also gerichtlich geregelt – wie bei einem Kind. In Deutschland bleibt als letzter Weg weiterhin nur das Tierheim.