Hochzeit gegen Geld

Ein Betrüger packt aus: So leicht kommt man an eine Scheinehe in Deutschland

04. Dezember 2018 - 15:43 Uhr

RTL-Reporter trifft Mann, der zum Schein verheiratet war

Sie stammen aus Pakistan, dem Libanon oder Serbien, doch sie möchten in Deutschland leben und arbeiten. Deshalb suchen sie übers Internet nach Deutschen, die bereit sind, gegen Geld eine Scheinehe mit ihnen einzugehen. RTL-Reporter Torsten Misler hat einen Libanesen getroffen, den eine Deutsche zum Schein geheiratet hat.

Gegen Geld sagen viele "Ja, ich will!"

Malik, der aus dem Libanon stammt, war mit der Frau jahrelang auf dem Papier verheiratet, obwohl die beiden sich kaum kannten. Im Video erzählt der 52-Jährige, wie einfach es für ihn war, die Behörden zu täuschen. Für Geld seien viele Deutsche bereit, zum Standesamt zu gehen und "Ja, ich will" zu sagen. Wenn man dort alle nötigen Dokumente vorlegen könnte, würde auch niemand genauer kontrollieren, ob das Paar auch wirklich zusammenlebt.

Weil an den Außengrenzen der Europäischen Union streng kontrolliert wird, blüht das Geschäft mit den falschen Ehen. "Ich muss mich über die Balkanroute in einen Lkw setzen und mich mit der Angst vor einem Unfall oder dem Erstickungstod nach Europa schleusen lassen", erklärt Markus Pfau von der Bundespolizei Halle.

Heiratswillige Ausländer bieten bis zu 20.000 Euro für eine Eheschließung

Statt einen Schleuser bezahlen viele lieber einen Deutschen, der bereit ist, das Spiel mitzuspielen. Viele bieten bis zu 20.000 Euro, um an die begehrten Papiere zu kommen. Und das Konzept funktioniert. Niemand kann genau sagen, wie viele Scheinehen es in Deutschland gibt, denn die meisten werden wahrscheinlich nie auffliegen.

Das angebliche Paar muss die Ehe nur ein paar Jahre aufrechterhalten. Denn wenn der Ehepartner über längere Zeit legal in Deutschland gelebt hat, kann er auch eigenständig einen Aufenthaltstitel beantragen. Dann wird die Ehe wieder geschieden. Der Eingeschleuste hat dann sogar Anspruch auf Hartz IV oder kann seine eigentliche Familie aus dem Ausland nachholen.

Die ausführliche Reportage sehen Sie unten im Video. Den zweiten Teil der Reportage sehen Sie am 5. Dezember bei "Punkt 12".