RTL trifft den Seelsorger

Pfarrer aus Chemnitz wegen Drogenhandels zu 2,5 Jahren Haft verurteilt

22. Oktober 2019 - 15:05 Uhr

Video: Pfarrer aus Chemnitz erzählt, wie er zum Drogendealer wurde

Von der Kanzel in den Knast: Vor dem Landgericht Chemnitz ist ein Pfarrer wegen achtfachen Drogenhandels zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Im Video erzählt der Geistliche, wie er zum Drogendealer wurde. 

Chemnitz: Pfarrer handelte aus Hilfsbereitschaft mit Drogen

Wie kommt ein evangelischer Pfarrer dazu, quasi aus dem Nichts heraus plötzlich Drogen zu verkaufen? Die kuriose Antwort von Rudolf B. (Name von der Redaktion geändert): Hilfsbereitschaft. Der Pfarrer aus Chemnitz ist 2018 in der Flüchtlingshilfe aktiv. Briefe, Gänge zum Amt oder Arztbesuche erledigt er für oder mit den Flüchtlingen. 

Unter den Flüchtlingen ist auch ein Mann namens Assad. Der Pfarrer hilft ihm auch mal mit Geld aus. Zuerst kleine Beträge, später sehr viel mehr. Damit Assad seine Familie nach Deutschland holen kann, leiht der Geistliche ihm Geld. 12.000 Euro. 

Geistlicher aus Chemnitz wird zum Drogenkurier

Doch Assad kann seine Schulden nicht zurückzahlen. Der Pastor fühlt sich betrogen, will sein Geld nicht abschreiben. Für ihn dann nach eigener Aussage das "Naheliegendste": Das fehlende Geld zusammen mit Assad bei Drogengeschäften wieder reinholen. Der Pfarrer spielt den Kurier, fährt kiloweise Marihuana durch die Gegend und verkauft die Droge teilweise sogar selbst. Bis er schließlich erwischt wird. 

Pastor aus Chemnitz will selbst nie Drogen konsumiert haben

"Es war das Naheliegendste, aber eindeutig das falsche Mittel, der größte Fehler", erzählt der Pfarrer jetzt, knapp anderthalb Jahr später, im Interview mit RTL. Am Montag wurde er vom Landgericht Chemnitz wegen Drogenhandels zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Selbst Drogen konsumiert habe er nie. "Ich bin überhaupt nicht drogenaffin. Und wenn sie mich vor drei Jahren gefragt hätten: 'Können Sie sich das vorstellen?' - Niemals", sagt der Pfarrer.

Pfarrer will das Urteil nicht hinnehmen

Pfarrer aus Chemnitz im RTL-Interview
Der Pfarrer aus Chemnitz soll wegen Drogenhandels 2,5 Jahre in den Knast. Im Interview mit RTL bereut er seine Tat: "Es war ein großer Fehler".
© RTL

Jetzt wartet statt der Gemeinde die Gefängniszelle auf ihn. Weil er bei seiner Festnahme mehrere Kilo Marihuana bei sich hatte, blieb die Strafe nicht im Zwei-Jahres-Rahmen für Bewährungen. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich sogar vier Jahre gefordert. Zum Schluss rechnete das Gericht dem Pfarrer aber an, dass er ein vollständiges Geständnis ablegte und sogar noch Aussagen zu weiteren Dealern machen konnte. Zudem habe er aufgrund seines Berufs weitere Konsequenzen zu fürchten. Der Pfarrer will das Urteil nicht hinnehmen und in Berufung gehen. 

B. wird wohl nie mehr als Pfarrer predigen können

Doch auch falls das Urteil aufgehoben werden sollte – als Pfarrer kann er wohl nie wieder arbeiten. Auf ihn wartet ein Disziplinarverfahren, seit Juni 2018 ist er bereits von seiner Gemeinde beurlaubt. Wie es jetzt weitergeht, wisse er nicht, sagt er. "Es bleiben viele Fragezeichen."

Das ganze Interview mit dem Pfarrer - am Dienstag, den 22. Oktober um 18:00 Uhr bei Explosiv auf RTL.