Dutzende Scheinfirmen aufgeflogen

Dreiste Familie aus Sachsen soll den Staat um mehr als 800.000 Euro betrogen haben

13. Februar 2019 - 22:10 Uhr

Das ist vermutlich Deutschlands dreistester Familien-Clan

Das hat es in Chemnitz noch nie gegeben: Sieben Männer und drei Frauen aus Sachsen - alle miteinander verwandt oder verschwägert - stehen vor Gericht. Sie sollen unser Sozialsystem schamlos ausgenutzt haben. Über Jahre hinweg sollen sie gemeinsam mehr als 800.000 Euro von Sozialamt und Krankenkassen abkassiert haben. Jetzt wird ihnen der Prozess gemacht: Wegen bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Betrugs in 177 Fällen! Mit welcher dreisten Masche sie das geschafft haben sollen, erfahren Sie im Video.

Niemand hat je in den Firmen wirklich gearbeitet

Zwischen 2002 und 2007 soll die betrügerische Familien-Bande - deren Mitglieder zwischen 43 und 79 Jahre alt sind - gemeinsam 800.000 Euro von verschiedenen Sozialleistungsträgern abkassiert haben. Strippenzieher war laut Staatsanwaltschaft Hermann H. Der 51-Jährige aus dem sächsischen Crottendorf soll der Kopf der Bande gewesen sein und den Betrug systematisch geplant haben.

Die Anwälte werfen dem Sachsen vor, mehrere Scheinfirmen gegründet und seine Familienangehörigen dort beschäftigt zu haben. Allesamt erhielten laut Anklage regelmäßig immens hohe Gehälter, ohne jemals in den Firmen wirklich gearbeitet zu haben.

Es war ein gut ausgetüfftelter Plan

Unter der Leitung von Hermann H. sollen die mutmaßlichen Sozialbetrüger gleich mehrere Firmen gegründet haben, unter anderem ein Pflege- und Hausmeisterdienst, eine Arbeitsvermittlung, eine Unternehmensberatung und ein Hotelbetrieb. Laut der Staatsanwaltschaft schlossen sie untereinander Arbeitsverträge ab. "Einmal war der eine Arbeitgeber, der andere Arbeitnehmer, dann gab es wieder die umgekehrte Konstellation. Die Verwandten sind untereinander ausgetauscht worden", sagt Marika Lang, Sprecherin des Landgerichts Chemnitz.

Die Firmen sollten dabei nur einem Zweck dienen: So viel Geld wie nur möglich von den Ämtern und Krankenkassen abzuzocken. H. soll den Betrug bis ins Detail und Jahre im Voraus geplant haben. So bestimmte er, wer wann und in welcher Funktion in einem Betrieb gemeldet wird und welche Sozialleistungsansprüche er beantragen soll. Das abkassierte Geld soll schließlich unter den Familienangehörigen aufgeteilt worden sein.

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Hermann H. zahlte seinen Verwandten bis zu 4.600 Euro brutto

Seinen Angehörigen zahlte Hermann H. Gehälter, die weit über dem ortsüblichen Durchschnitt lagen. So bekam eine Verwandte für die Leitung eines Hotels einen monatlichen Lohn in Höhe von 4.600 Euro brutto. Aus der Anklageschrift geht allerdings hervor, dass das Hotel aufgrund von Wasserschäden nie richtig in Betrieb war. Andere Verwandte stellte er als Bauleiter oder Manager in diversen Betrieben ein, die nur auf dem Papier existierten. Dennoch überwies er ihnen 4.500 Euro brutto im Monat. Wieso die Löhne so hoch waren, erfahren sie im Video.

Wegen der besonderen Schwere des Betrugs droht den Angeklagten laut Staatsanwaltschaft eine mehrjährige Haftstrafe.