Der Ex-Präsident und die Justiz

"Nicht mal mit der Kneifzange anfassen": Donald Trump hat Probleme, Anwälte zu finden

Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump winkt in eine Kamera
Im Visier der Justiz: Donald Trump soll unter anderem Unterlagen aus dem Weißen Haus in seinem Wohnsitz Mar-a-Lago gelagert haben
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von Marc Drewello

Donald Trump hat jede Menge juristische Probleme am Hals und braucht dafür jede Menge Anwälte. Doch viele Kanzleien wollen nicht für den Ex-Präsidenten arbeiten — aus gutem Grund.

Kanzleien wollen keinen Trump-Fall - Angst vor Kunden-Flucht

Diebstahl geheimer Dokumente, Sturm auf das US-Kapitol, versuchte Manipulation von Wahlergebnissen, Steuerbetrug seiner Holding, Erbstreitigkeiten mit seiner Nichte Mary Trump, etc., etc., etc.: Donald Trump hat so viele Untersuchungen, Ermittlungen und Prozesse am Hals, dass seine Anwälte ihm eigentlich Mengenrabatt geben müssten. Doch tatsächlich scheint es für den 76-Jährigen schwierig zu sein, überhaupt Rechtsvertreter zu finden, die für ihn arbeiten wollen.

"Alle Anwälte der großen Kanzleien haben mir gesagt, dass ihre Kanzleien sie das nicht machen lassen", zitiert der "Business Insider" Alan Dershowitz, einen der bekanntesten Strafverteidiger der USA. "Die Kanzleien lassen sie nicht in die Nähe eines Falles mit Trump. Diese Kanzleien wollen weiterhin Kunden haben, und sie wissen, dass sie eine Menge Kunden verlieren, wenn sie Donald Trump vertreten."

Donald-Trump-Fälle "nicht mal mit der Kneifzange anfassen"

Dershowitz weiß, wovon er spricht. Der 83-Jährige hatte Trump in dessen Amtsenthebungsverfahren vor dem Senat vertreten und nach eigener Aussage daraufhin Arbeitsmöglichkeiten und zahlreiche Engagements für Vorträge verloren.

Nachdem Trump sein Mandant geworden sei, hätten ihn mindestens sechs Anwälte gefragt, wie es sei, für den ehemaligen Präsidenten zu arbeiten, und ob dies seine Karriere beeinflusst habe, sagte Dershowitz. Als er einem anderen Anwalt erzählt habe, dass er auf einer schwarzen Liste gelandet sei, habe dieser geantwortet: "Ich würde das nicht mal mit der Kneifzange anfassen."

"Jeder, der mich angerufen hat, gab sich widerwillig", berichtete der Strafverteidiger. "Sie sagen, ihre Anwaltskanzleien würden es nicht zulassen. Ihre Ehemänner oder Ehefrauen würden es nicht zulassen. Ihre Kinder erlauben es ihnen nicht. Ihre Freunde erlauben es ihnen nicht, obwohl sie es gerne tun würden."

Die "New York Times"-Reporterin und Pulitzerpreis-Trägerin Maggie Haberman bestätigt Trumps Anwaltsproblem und nennt dafür einen weiteren Grund: Angst vor ausbleibender Bezahlung. Denn Trump hat den Ruf, Rechnungen zu ignorieren oder anzufechten. So soll er Berichten zufolge seinem langjährigen persönlichen Anwalt Rudy Giuliani Zahlungen verweigert haben.

"Es gibt immer weniger Anwälte, die bereit sind, für ihn zu sprechen und/oder sich ihm anzuschließen und dafür vielleicht nicht bezahlt zu werden — was eine große Sache ist", sagte Haberman am Sonntag in der CNN-Sendung "Inside Politics".

"New York Times"-Reporterin: "Trump ist die Art von Klient, die Anwälte fürchten"

Problematisch sei auch, dass Trump ein schwieriger Mandant sei, erklärte Haberman. "Er hört nicht gerne auf seine Anwälte." Für seine Rechtsvertreter sei es enorm aufwändig, den Republikaner dazu zu bringen, ihren Ratschlägen zu folgen. Das sei auch schon lange vor Trumps Präsidentschaft so gewesen.

"Trump ist die Art von Klient, die Anwälte fürchten, denn man kann ihn nicht kontrollieren", sagte auch Esther Panitch, Strafverteidigerin aus Atlanta und Kandidatin der Demokraten für einen Sitz im Repräsentantenhaus, vor wenigen Tagen der "New York Times". Und im "Business Insider" berichtete ein Anwalt in der vergangenen Woche, dass Trump "gerne die Fäden in der Hand hält, und wie das alte Sprichwort besagt, wenn man sich selbst vertritt, hat man einen Narren als Klienten".

Kolumnistin verspottet Ex-Präsident Trump: Fiktive Stellenanzeige für Anwälte

Trumps Mangel an guten Anwälten könnte auch der Grund dafür sein, dass der eigentlich als extrem nachtragend bekannte Ex-Präsident kürzlich den Strafverteidiger Drew Findling angeheuert hat — obwohl dieser ihn während seiner Amtszeit mehrfach öffentlich beschimpft hatte. Der #BillionDollarLawyer, wie er sich selbst nennt, hatte Trump in Tweets als "rassistisch", "betrügerisch", krank und "erbärmlich" bezeichnet. Dennoch soll er den Republikaner im Bundesstaat Georgia gegen Anschuldigungen verteidigen, er habe versucht, die Ergebnisse der Präsidentenwahl 2020 zu seinen Gunsten zu manipulieren.

Vielleicht hat Trumps Suche nach Rechtsvertretern aber auch bald ein Ende. Dazu müsste nur die fiktive Stellenanzeige erfolgreich sein, die Alexandra Petri vergangene Woche in der "Washington Post" veröffentlichte. Darin schrieb die Kolumnistin vermeintlich im Namen von Trump:

"Rechtsbeistand gesucht!

Muss erfahrener Anwalt sein!! Kann sagen, ob etwas legal ist oder, wenn nicht, wie man es legal macht! Kennt alle Gesetze, ist aber nicht ZU sehr an sie gebunden! Wenn der Mandant eine aufregende neue Idee hat, die mit dem Gesetz übereinstimmen könnte oder auch nicht, sollte der Anwalt zumindest OFFEN dafür sein und nicht zu ablehnend rüberkommen! [...] Mag Geld nicht allzu sehr! Ist motiviert, gute Arbeit aus anderen Gründen als Geld oder pünktlicher Bezahlung zu leisten!"

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de