Shitstorm statt Happy End#BoykottMulan - Menschenrechtsorganisationen erheben schwere Vorwürfe gegen Disney

Die Live-Action Verfilmung des Disney-Klassikers „Mulan“ hat bereits vor der Ausstrahlung für viel Aufsehen gesorgt und wurde offen kritisiert. Seit dem 04. September 2020 ist der Film auf der Streaming Plattform Disney Plus für Abonnenten mit einem VIP-Zugang abrufbar. Doch die letzten Minuten des neuen Streifens sorgen jetzt erneut für Kritik. Im Abspann danken die Produzenten den Sicherheitsbehörden in der westchinesischen Region Xinjiang: Dort wird die muslimische Minderheit der Uiguren in Umerziehungslagern festgehalten und menschenverachtenden Repressalien ausgesetzt.
Twittertrend: #BoykottMulan
Im Netz kursieren deshalb viele Screenshots vom Abspann des Films, viele mit offener und harscher Kritik verknüpft. Durch die Danksagung und die Kooperation mit der Stadt Xinjiang würden die Produzenten das Verhalten in der Stadt nicht nur akzeptieren, sondern durch ihre Arbeit vor Ort zusätzlich unterstützen, so der Tenor der Kritiker.
Es sei „kapitalistische Ausbeutung von ihrer besten Seite“, wenn ein Blockbuster in Teilen in der Nähe von Dörfern gedreht wird, wo die Polizei mit Masseninternierungen beschäftigt ist, schrieb der China-Forscher und Xinjiang-Experte Adrian Zenz auf Twitter.
Vorwurf: Hauptdarstellerin unterstütze Polizeigewalt
„Die Frau, für die ein Kampf sich lohnt“, heißt es in einem der wenigen Songs des Disneyzeichentrickfilms. Disney steht nun vor der Frage, ob es sich lohnt, sowohl für den neuen Film, als auch für Hauptdarstellerin Liu Yifei zu kämpfen. Diese fiel nach Angaben der britischen Zeitung „The Guardian“ bereits vor einiger Zeit negativ auf – denn die junge Schauspielerin soll sich positiv gegenüber der Polizeigewalt in Hong Kong geäußert haben. Mit diesen Aussagen löste sie bereits den ersten Shitstorm gegen den Film aus. Aktuell hat sich Disney noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Systematische Ausgrenzung der Uiguren
Die Uiguren gehören zur islamischen Minderheit in China. Weil sie nicht in das System Chinas passten, wird ihnen nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“, verboten ihre Religion zu praktizieren, ihre Sprache zu sprechen und sich frei zu bewegen. Stattdessen müssen sich Uriguren in sogenannte„Umerziehungslager“ begeben. Offiziell heißt es von Seiten der chinesischen Regierung, dies ermögliche den Menschen, sich besser in die Gesellschaft einzugliedern. Die Menschenrechtsorganisation hingegen äußert im April 2020 Bedenken, dass in China noch immer eine geheime Todesstrafe durchgeführt wird.
Aktivisten erheben die Stimme

„Es wird immer schlimmer!“, kommentierte auch der bekannte Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong unter dem Hashtag #BoykottMulan. Er hat die aktuellen Vorwürfe erneut zum Anlass genommen, den Film und das Unternehmen zu kritisieren. Disney beteilige sich mit seinem Vorgehen an der Masseneinkerkerung muslimischer Uiguren. Die Frage, ob sich die Realverfilmung des Disneyfilms wirklich lohnt, ist jetzt unter einem neuen Gesichtspunkt zu betrachten.