Ist Muttermilch tatsächlich gratis?

Dieser Tweet übers Stillen geht viral - und das hat einen guten Grund

© Juan Garc?a Auni?

19. Januar 2019 - 15:39 Uhr

Wieviel ist Stillen wirklich wert?

Mütter, die ihr Baby stillen, machen sich vermutlich keine Gedanken darüber, wie viele Stunden ihres Lebens sie damit zubringen, ihrem Baby die Brust zu geben. Sollten sie aber, findet eine amerikanische Geschichtsprofessorin. Ihr Tweet über das Stillen geht gerade viral. Und öffnet vielen von uns die Augen für ein wichtiges Detail.

Es gibt viele Gründe, sein Baby zu stillen. Ein Argument, das häufig neben der emotionalen Bindung genannt wird, ist, dass Stillen die preisgünstigere Variante ist, weil es nichts kostet. Aber ist Stillen wirklich gratis? Genau das ist es nicht, sagt eine amerikanische Geschichtsprofessorin.
Mit einem einzigen Tweet zieht Professorin Kera Lovell das Bild von der kostengünstigen Variante des Stillens in Zweifel -  und bringt viele Frauen zum Nachdenken.

"Jemand hat mir gerade erzählt, dass sie etwa 4866 Stunden ihres Lebens mit Stillen verbracht hat, und dass Muttermilch nur dann gratis ist, wenn man die Zeit und die Körper von Frauen sowie ihre Erziehungsarbeit nicht wertschätzt", schreibt die amerikanische Professorin.

Würde man fürs Stillen Stundenlohn bekommen, wären viele Frauen reich

4866 Stunden - das ist eine unglaubliche Zahl. Würde man fürs Stillen einen Stundenlohn bekommen, käme da eine stattliche Summe heraus. Und das bei nur einem Baby. Die Reaktionen auf Kera Lovells Tweet zeigen, wie sehr dieses Thema andere Frauen beschäftigt. Über 14.000 Likes hat ihr Tweet bislang und über 140 Kommentare. Und genau in diesen Kommentaren wird deutlich, was für ein Herzensthema vieler Frauen Kera Lovell mit ihrem Tweet angesprochen hat. 

So schreibt Julia Morrissey:
"Ich habe über 52.000 Stunden damit verbracht, meine Kinder zu stillen... jede Minute des Tages zählt, da der Körper der Frau die Milch herstellt - mit intensiver Energie, um jeden einzelnen Tropfen zu machen - ich habe den Job gewechselt, nur um mein Baby zu füttern. Die Kosten sind unermesslich. Der Körper der Frau ist von unschätzbarem Wert." 

Und genau diese Wertschätztung ist es, die die Frauen zum Teil schmerzlich vermissen. Es ist nicht die Zeit, die sie mit dem Stillen verbringen, nicht die Stunden, die sie dasitzen, sondern die Anerkennung für das, was sie tun. Denn häufig fühlen sich Frauen schuldig und wertlos. Weil sie den ganzen Tag "nichts" tun. 

Wie Twitter-Userin Cecily Buell:
 "Ich fühlte mich schuldig, den ganzen Tag nichts geschafft zu haben, aber dann fiel mir ein, dass mein Job ja war, ein Baby zu füttern."

Und dass es bei der Diskussion um sehr viel mehr geht als nur das Stillen, zeigt der Tweet einer anderen Userin. ​Gareth Owen schreibt:

"Es ist genauso gratis wie Arbeit im Haushalt, Rasenmähen, Regale aufbauen. Die Währung hier ist Zeit und nicht Geld. Also ja, es ist gratis in dem üblichen Sinn, in dem wir das Wort 'gratis' benutzen, aber nicht, wenn man die Kosten ganzheitlicher betrachtet."

In Norwegen erhalten stillende Mütter Stillzeit

Andere Frauen weisen in den Tweets darauf hin, dass in Norwegen arbeitende Mütter täglich zwei Stunden frei bekommen, um zu Hause oder auch im Büro ihre Babys zu stillen oder für sie Milch abzupumpen.

Sicher ist es nicht unbedingt eine Frage des Geldes, ob eine Frau sich dazu entscheidet, ihr Kind zu stillen oder nicht. Aber der Gedanke, dass Stillen keine Grastis-Leistung ist, sondern wertgeschätzt und respektiert werden muss, ist ein wichtiger. Ob eine Frau stillt oder nicht, sollte ihr selbst überlassen werden. Stillen kann für Frauen eine wunderschöne befriedigende Erfahrung sein und die Stunden von unschätzbarem Wert. Aber dennoch sollte man sich immer darüber klar sein: Stillen ist vieles. Aber eins ist Stillen nicht: und das ist gratis.