Tipps von Finanztest

So kann jeder vom Gold-Boom profitieren

Geldanlage in echtem Gold als Goldbarren und Gold
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19. Februar 2020 - 14:31 Uhr

Gold boomt. Nicht zuletzt, um sich gegen Unheil in der Finanzwelt zu schützen, greifen Verbraucher wieder verstärkt zum Edelmetall. Gerne wird der Goldkauf auch damit begründet, dass es ja ohnehin keine Zinsen mehr für das Ersparte gibt. Doch beim Kauf lauern Tücken. Finanztest erklärt, wie man sein Depot zum Glänzen bringt.

Deutsche horten Gold im Wert von 350 Milliarden Euro

Richtig ist, dass zu einer guten Geldanlage auch Rohstoffe wie Gold gehören. Neben Aktien, Immobilien und Festverzinslichem. Aus Sicht von Finanztest spricht demnach auch nichts dagegen, dem Depot etwas Gold beizumischen, doch nicht mehr als 5 bis 10 Prozent. Das investierte Kapital sollten Anleger für mindestens zehn Jahre entbehren können. Blind zugegriffen sollte aber bei keiner der genannten Anlageklassen. Auch beim Gold nicht. Hierzulande sind besonders Münzen und Barren gefragt. Insgesamt horten die Deutschen Gold im Wert von derzeit gut 350 Milliarden Euro.

Mit Standardmünzen wie dem Krügerrand oder Barren ab 100 Gramm können Anleger zu akzeptablen Bedingungen in echtes Gold investieren, zum Beispiel bei großen Onlinehänd­lern wie etwa Pro Aurum. Grundsätzlich gilt: Je kleiner, desto tiefer müssen Anleger für Barren und Münzen in die Tasche greifen. Wirt­schaftlich sinn­voll ist der Erwerb eines 1-Kilogramm-Barrens, da der Unterschied zum reinen­ Metallwert, wie er täglich an der Börse gehandelt und fest­gelegt wird, geringer ausfällt. Mit einem aktuellen Preis von fast 44.600 Euro bindet so ein Barren aber auch viel Geld, dafür fällt der Aufschlag mit wenig mehr als 1 Prozent auch relativ gering aus. Das andere Extrem, Gold­barren mit nur 1 Gramm Gewicht, eignet sich nicht als Geldanlage­­. Der Aufschlag auf den Material­wert liegt hier oft über 20 Prozent. Aber wenigstens ist der Kauf von der Mehrwertsteuer befreit.

Vorsicht vor Gold-Fakeshops

Finanztest warnt aber auch vor Schwindel­shops. Sie erschienen teil­weise unter den ersten drei Treffern einer Online-Such­anfrage zum Beispiel bei Google und sind für Laien auf Anhieb nicht einfach zu erkennen. Ihre Internet­adressen sind denen echter Gold­shops sehr ähnlich. Die Kriminellen setzen darauf, dass Interes­sierte nicht genau hinschauen und ihr Geld arglos über­weisen. In der Regel sehen sie es dann nie wieder. Genau wie die bestellten Barren oder Münzen. Die Vergleichs­platt­form Gold.de bietet eine fort­laufend aktualisierte Warn­liste mit solchen Betrug­sportalen.

Seit Anfang des Jahres müssen Liebhaber von physischem Gold zudem mit Einschränkungen beim Erwerb leben. Denn wer seine Bestände anonym weiter aufstocken möchte, kann dies seit Anfang des Jahres nur noch bis zu einer Höhe von 2.000 Euro. Denn seit Januar 2020 gilt eine neue Obergrenze für sogenannte Tafelgeschäfte, wozu unter anderem auch der Gold- und Silberkauf zählt. Zuvor war dies für bis zu 9.999 Euro möglich. Größere Käufe erfordern eine Dokumentation des Personalausweises. So sieht es ein Gesetz zur Umsetzung der 4. EU-Geldwäscherichtlinie vor.

Goldanlage mit Wertpapieren

Wer einfacher und günstiger investieren möchte, kann dies auch in Form von Wertpapieren tun - sogenannten ETCs (Exchange Traded Commodities - börsengehandelte Rohstoffe). Diese zeichnen den Goldpreis genau nach und sind auch in kleinen Einheiten handelbar. Allerdings fällt hier dann die Anonymität beim Kauf vollends weg.

Soll es trotzdem Gold in Papierform sein, sollte man beachten, dass viele Zertifikate den Goldpreis zwar nachbilden, aber nicht mit echtem Gold besichert sind. Rein rechtlich handelt es sich bei ETCs um Inhaberschuldverschreibungen - mit allen Risiken. Geht der Herausgeber des Wertpapiers Bankrott, ist das Kapital des Investors nicht geschützt. Ist das ETC hingegen eins zu eins mit Gold gedeckt, gibt dies dem Papier etwas mehr Sicherheit - theoretisch. Was im Falle einer Insolvenz tatsächlich passieren würde, ist unklar. Denn entsprechende Fallbeispiele sind bisher ausgeblieben.

Gold-ETCs, die mit echtem Gold hinterlegt sind, gibt es zum Beispiel von "Euwax Gold" (ISIN: DE000EWG0LD1) oder "Xetra Gold" (ISIN: DE000A0S9GB0). Zudem ist es bei beiden Papieren möglich, sich das so erworbene Edelmetall auch nach Hause liefern zu lassen. Wer mit dem "Xetra Gold" Kursgewinne erzielt, kann sich nach einem Jahr darüber freuen, dass diese abgeltungssteuerfrei sind. Dies hat der Bundesfinanzhof mit zwei Urteilen entschieden.

Gold als Sparplan

Doch egal, ob als ETC oder echt: Gold ist auch als Sparplan zu haben. Das kann den Vorteil haben, dass ähnlich wie beim regelmäßigen Aktiensparen der sogenannte Cost-Average-Effekt zum Tragen kommt. Allerdings warnt Finanztest davor, dass bei etlichen Sparplänen zwei­stel­lige Aufschläge auf den ­Preis fällig werden. Auch die Kosten für die Verwahrung und die Auslieferung des Goldes sind oft hoch.

Bei manchen Sparplänen zahlen Anleger sogar Abschluss­gebühren von mehreren Hundert Euro. Doch die Experten konnten auch ein paar günstige Anbieter ausmachen. So etwa die Sparkasse Pforzheim Calw oder die drei Sparplanvarianten von Degussa Goldhandel.