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Surreale EM-Gala: Das beste Spiel der deutschen Basketball-Geschichte

Was ein Traum-Match: DBB-Stars zerlegen Griechenland Deutschland im Halbfinale
05:08 min
Deutschland im Halbfinale
Was ein Traum-Match: DBB-Stars zerlegen Griechenland

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Kann man sich in ein Basketballspiel verlieben? Ja, man kann. Kann ein Basketballspiel nahezu perfekt sein? Ja, kann es. Die deutsche Nationalmannschaft hat am Dienstagabend in Berlin ein Spiel aufs Parkett gezaubert, das womöglich auch in Jahrzehnten als das beeindruckendste der (deutschen) Geschichte eingehen wird. Um auch Menschen, die diesem Sport bislang eher distanziert gegenüberstanden, begreiflich zu machen, was da gegen Favorit Griechenland im Viertelfinale der Europameisterschaft passiert ist, sei ein Vergleich zum Fußball erlaubt. Dieses Spiel in der Mercedes-Benz-Arena hatte die Dimensionen des deutschen 7:1-Erfolgs gegen Brasilien im Halbfinale der WM 2014 oder aber des 8:2 des FC Bayern gegen den FC Barcelona in der Champions League vor gut zwei Jahren. Das Wort historisch ist groß und inflationär im Umgang. Aber nichts anderes ist in Berlin passiert.

Im Video: Wie zwei Stars das Spiel entscheiden

Halbfinale! HIER entscheiden 2 Stars das Spiel "Lecko mio" - ist das schön!
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Keine Zeit zum Durchatmen

Deutschlands Fußballer krönten sich nach der Demütigung des Gastgebers mit dem WM-Pokal, der FC Bayern schnappte sich den Henkelpott. Und Deutschlands Basketballer? Die stehen im Halbfinale - und können gegen Spanien 17 Jahre der sportlichen Dürre beenden. Bei der EM 2005 gab's zuletzt eine Medaille, Silber war's, im Finale kassierte die Mannschaft um Dirk Nowitzki eine deutliche Packung. Gegen Griechenland. Ausgerechnet.

War das nun eine Revanche? Egal. Es war ein Wahnsinn. Von der ersten bis zur 36. Minute. In der traf Dennis Schröder seinen letzten Dreier, stellte auf plus 21. Das Ding war endgültig entschieden. Durchatmen.

Lese-Tipp: Deutschland im Rausch - Griechenland entzaubert - jetzt Halbfinale!

Durchatmen. Endlich. Das Spiel hatte zuvor nichts dergleichen zugelassen. Es war ein absurdes Duell dauerhaft im anaeroben Bereich. Gnadenlos intensiv, brutal vom Tempo. Nach gut sechs Minuten waren schon über 50 Punkte gefallen. 28 für Deutschland, 23 für Griechenland. Ein Ergebnis kaum zu fassen. Das DBB-Spiel traf alles - und das ist fast wörtlich zu nehmen, hatte aber keine Idee Giannis Antetokounmpo zu verteidigen. Was indes kein Vorwurf ist. Denn einen Plan zu haben, den besten Basketballer der Welt aus dem Spiel zu nehmen, gehört zu den kompliziertesten Aufgaben dieser Sportart. Nicht zu den unlösbarsten, wie Deutschland nach der Pause auf beeindruckende Weise demonstrierte.

Aber bis zum Gang in die Kabine war noch reichlich Zeit - und reichlich Spektakel. Deutschland ließ die Dreier hageln, Antetokounmpo pflügte sich durch die Zone. Durchatmen? Nein!

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Knüppelharte Duelle zum Verlieben

Das DBB-Team funktionierte als überragendes Kollektiv, die Griechen stemmten sich mit ihrem Superstar und dem giftigen Energie-Monster Giannoulis Larentzakis dagegen. Der 28-Jährige ist so ein Typ, gegen den man nicht spielen will. Aggressiv und ständig provozierend. Nicht unbedingt unfair, aber nervtötend. Franz Wagner, Deutschlands derzeit größtes Basketball-Talent, erfuhr das leidvoll. Immer wieder rasselte er mit Larentzakis aneinander. Was für ein Duell. Was für eine Show. Beide verteidigten knüppelhart, hielten mit Punkten und Worten dagegen. Hätte der Grieche nicht früh sein drittes Foul gezogen, dieses Duell hätte das Potenzial zur Eskalation gehabt. Vielleicht gut, dass es nicht so gekommen ist.

Lese-Tipp: Furiose Basketball-Helden führen Griechenland gnadenlos vor

Es war eines von vielen faszinierenden Duellen. Die mehrheitlich an Deutschland gingen. Unfassbar, was dieses Team für eine mentale Stärke auf das Parkett brachte. Es haderte nicht eine Sekunde damit, dass die offensive Show nicht mit einem großen Vorsprung belohnt wurde.

Sogar das Gegenteil war der Fall. Zur Halbzeit führten die Griechen und hatten das Momentum voll auf ihrer Seite. In der letzten Sekunde von Viertel zwei trifft Kostas Sloukas einen Wahnsinnswurf von der Mittellinie. Eine Szene, die einen Gegner brechen kann. Nicht aber das deutsche Team. Das zog augenscheinlich eine Monster-Energie aus diesem Buzzerbeater - denn was nach der Pause passierte, das war noch aberwitziger als alles zuvor gesehene, nur auf ganz andere Weise.

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Antetokounmpo? Plötzlich ratlos und verzweifelt

Halbzeit zwei war kein offener Schlagabtausch mehr, kein "run and gun" mit immer wilderen Abschlüssen. Die Faszination des Spiels zog sich der deutschen Defensiv-Energie und der Kaltschnäuzigkeit beim Wurf. Giannis Antetokounmpo, dieser Mensch, der eigentlich nicht zu verteidigen ist, fand keinen Weg mehr in die deutsche Zone. Hatte er in den ersten beiden Vierteln noch jede kleinste Lücke gefunden und gewinnbringend attackiert, so war da nichts mehr. Nur noch eine Mauer. Der "Greek Freak" bekam nur noch Würfe, die er nicht mag. Seine Kollegen konnten das nicht kompensieren. Sie hatten keinen funktionierenden Plan B.

Deutschland dagegen setzte auf die Pläne O wie Obst, S wie Schröder, T wie Theis und W wie Wagner. Es hagelte weiter Dreier (Obst und Wagner), Schröder attackierte den Korb wie ein wilder Stier – manchmal mit etwas zu viel Show und Arroganz. Und Theis büffelte alles weg, was sich ihm in den Weg stellte. Mit einem 20:1-Lauf wurden die Griechen zermürbt, vorgeführt, besiegt.

Antetokounmpo flog nach seinem zweiten unsportlichen Foul aus der Halle, Schröder folgte wenig später mit zwei technischen Fouls. Kleine Makel in einem Spiel zum Verlieben, in einem Spiel, dass der Perfektion dieses Sports verdammt nahe kam. (tno)