Kehrtwenden, geplatzter Medizincheck und Computer-Pannen

Der kurioseste (Nicht-)Transfer des Sommers

Bamba Gieng
Bamba Gieng erlebte einen ziemlich verrückten Deadline Day
picture alliance

Der Deadline Day produziert immer wieder kuriose Geschichten. In diesem Jahr war wohl keine kurioser als die von Marseille-Profi Bamba Dieng, der sich innerhalb von 24 Stunden mit drei (!) Vereinen einig war, am Freitag aber immer noch Angestellter des französischen Erstligisten ist.

Der Inbegriff von "Hin und her"

Drei Kehrtwenden, ein geplatzter Medizincheck und zu allem Überfluss auch noch eine Computer-Panne: Die Verantwortlichen des französischen Erstligisten Olympique Marseille und "OM"-Profi Bamba Dieng erlebten am Donnerstag den vielleicht kuriosesten Deadline Day ihrer Karriere.

Was war passiert? Noch bevor es am letzten Tag des Transferfensters in die heiße Phase ging, signalisierte Marseille interessierten Klubs, dass der 22-jährige Dieng auf dem Markt sein würde. Einige Klubs wurden hellhörig und meldeten daraufhin ihr Interesse an.

Den Zuschlag schien sich zunächst der FC Lorient gesichert zu haben. Französischen Medienberichten zufolge stand Diengs Wechsel zum Liga-Konkurrenten von Marseille bereits kurz bevor. Doch dann klingelte plötzlich Premier-League-Klub Leeds United bei den Olympique-Bossen und den Beratern des senegalesischen Stürmers durch.

Leeds gab laut englischen Medien ein Angebot in Höhe von 11,5 Millionen Euro ab, das sowohl von "OM" als auch von Dieng akzeptiert wurde. Der Premier-League-Klub charterte daraufhin einen Privatflieger, der am Flughafen von Nizza auf Dieng wartete.

Ex-BVB-Coach Favre funkt Leeds dazwischen

Der Transfer, so schien es, war zu diesem Zeitpunkt nur noch Formsache. Leeds-Boss Andrea Radrizzani hieß den Stürmer sogar schon auf Twitter willkommen. Was dann geschah, beschrieb Radrizzani am späten Abend gegenüber "Sky Sports" schlicht als "Wahnsinn des Deadline Days".

Die Einschätzung trifft es ganz gut, denn während Dieng am Flughafen von Nizza auf grünes Licht vom Tower wartete, schaltete sich plötzlich der OGC Nizza in den Deal ein. Der Klub von Ex-BVB-Trainer Lucien Favre startete eine Last-Minute-Avance für Dieng - und hatte Erfolg. Der Senegalese warf den Plan mit Leeds United kurzerhand über den Haufen und sagte dem englischen Klub in letzter Minute ab.

Das Ende der Geschichte war das aber noch lange nicht.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Dieng rasselt durch den Medizincheck

Wenig später machte sich Dieng vom Flughafen in Nizza auf den Weg ins Krankenhaus, wo der obligatorische Medizincheck durchgeführt wurde. Nach den Untersuchungen teilte der Favre-Klub mit: Der Deal ist geplatzt. Dieng bestand den Medizincheck nicht. Zwar soll es sich laut "RMC Sport" nur um ein kleines Problem gehandelt haben, allerdings war dieses Problem immer noch groß genug, um den Deal abzublasen.

Immerhin: Ganz abschreiben muss Dieng seinen Wechsel nach Nizza noch nicht. Dank einer Ausnahmeregel dürfen französische Klubs auch nach dem Ende des Transferfensters noch einen Spieler von einem anderen französischen Verein unter Vertrag nehmen. Olympique Marseille hofft, dass genau das passieren wird.

Gegenüber französischen Medien teilte der Klub mit, er sei verwundert über die Einschätzung der Nizza-Ärzte und teile deren Einschätzung nicht. Dieng sei gesund und einsatzfähig. Die Hoffnung auf einen späteren Transfer lebt demnach noch. Schon am Freitag sollen "The Athletic" zufolge erneut medizinische Untersuchungen anstehen.

Computer-Panne als krönender Abschluss

Das Ende dieser Posse war das aber immer noch nicht. Nachdem Dieng dem FC Lorient als erstes absagte, wollten "Les Merlus" einen anderen Stürmer verpflichten. Die Wahl fiel auf den 21-Jährigen Lucas Da Cunha vom - man ahnt es - OGC Nizza, das mit Dieng eigentlich schon einen Nachfolger gefunden hatte. Ein Leihgeschäft inklusive Kaufoption wurde zwischen den Klubs vereinbart.

Doch auch dieser Deal scheiterte in letzter Sekunde. Der Grund: Die Papiere waren aufgrund einer Computer-Panne nicht rechtzeitig im Liga-Büro angekommen. Es war das unrühmliche Ende eines Deadline Days, den alle voran Olympique Marseille, Bamba Dieng, Leeds United und der OGC Nizza so schnell wohl nicht vergessen werden. (sport.de)