Ein paar Cent mehr für ein besseres Leben

Das verdienen Bäuerinnen und Bauern am anderen Ende der Welt an unseren Lebensmitteln

20. Oktober 2021 - 23:44 Uhr

Wird der Kakaobauer ausgebeutet, wenn die Tafel Schokolade 59 Cent kostet?

Oft denkt man, fair gehandelte Produkte müssten viel teurer sein, als konventionelle. Doch das stimmt nicht: Es sind oft nur ein paar Cent mehr pro Paket Kaffee oder Tafel Schokolade, die die Bauern am anderen Ende der Welt mehr verdienen müssten, damit sie ihr Leben absichern können. Diese Mehrkosten müsste noch nicht einmal der Verbraucher tragen.

Was Aldi und Shell damit zu tun haben, erfahren Sie im Video.

Elf Cent mehr für das Paket Kaffee und die Bauern könnten gut leben

Zwei Erntehelfer pflücken die roten Kaffeekirschen
Kaffeeernte in Kolumbien: Kaffeepflücker
© picture-alliance / dpa, Roland Scheidemann

Die Initiative Fairtrade, die auch das entsprechende Siegel, für fair gehandelte Lebensmittel vergibt, hat RTL.de vorgerechnet, wie viel Geld Bäuerinnen und Bauern in Kolumbien an ihrem Kaffee verdienen.

  • Für 500 Gramm konventionellen Kaffee, der KEIN Bio- oder Fairtrade-Siegel hat, bekommt der Bauer 2,19 Euro.
  • Für 500 Gramm Fairtrade-zertifizierten Kaffee bekommt der Bauer 2,43 Euro.
  • Für 500 Gramm Fairtrade-zertifizierten Bio-Kaffee gibt´s zusätzlich 19 Cent.

Fairtrade hat berechnet, dass die Bäuerinnen und Bauern in Kolumbien 2,30 Euro pro 500 Gramm Kaffee benötigten, damit sie ihre Existenz sichern können – also 11 Cent mehr, als sie derzeit für den konventionellen Kaffee erhalten. Allerdings gilt diese Rechnung nur für die derzeitige Situation, denn der Kaffeepreis schwankt –zur Zeit ist er hoch.

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Das verdienen Kakaobauern an einer Tafel Schokolade

9 bis 10 Cent für die Kakao-Bauern pro Tafel statt 4 bis 5 Cent
5 Cent mehr für die Kakao-Bauern pro Tafel Schokolade würde ihr Leben verbessern. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
© deutsche presse agentur

Die Organisation Brot für die Welt hat am Beispiel einer Tafel Schokolade ausgerechnet, wie viel Kakao-Bauern und -Bäuerinnen verdienen müssten, damit sie mit dem Kakao-Anbau ihre Existenz absichern können.

  • Von einer Tafel Schokolade für 89 Cent, gehen 4 bis 5 Cent an die Kakao-Bauern.
  • Würden die Bäuerinnen und Bauern 5 Cent mehr pro Tafel verdienen, könnten sie das Geld für Wohnen, Schule und Arztversorgung ohne größere Probleme aufbringen.

Wer zahlt die Mehrkosten?

Es sind oft nur wenige paar Cent mehr, die einzelne Lebensmittel mehr kosten müssten, damit sich das Leben der Bäuerinnen und Bauern am anderen Ende der Welt verbessert. Doch viele können auch die Centbeträge nicht aufbringen – gerade jetzt, wo die Kosten für Lebensmittel massiv gestiegen sind.

Auf dem Kongress für sozialen Konsum, der gerade in Berlin stattgefunden hat, wurde auch darüber gesprochen, wie man diese Mehrkosten NICHT an die Kunden weitergeben kann. Eine Möglichkeit: Konzerne verzichten auf Bruchteile ihrer Umsätze. Laut einer EU-Studie müssten große Konzerne auf 0,005% ihres Umsätze verzichten, wenn sie die Bauern, Näherinnen oder Erntehelfer am anderen Ende der Welt fair entlohnen würden.

"Wirtschaft muss Verantwortung tragen"

Doch ist es realistisch, dass Unternehmen auf Einnahmen verzichten? Ja, sagt Sebastian Stricker, Gründer des Unternehmens Share, das fair produzierte Lebensmittel, Hygieneartikel und Schreibwaren vertreibt. Die Wirtschaft müsse Verantwortung tragen. "Es gibt immer mehr Unternehmen – viele davon Sozialunternehmen, viele davon Start-Ups, deren Anspruch es ist, gesellschaftlich verantwortliche Produkte anzubieten und dafür in Kauf nehmen, dass sie weniger Gewinn machen", sagt Stricker im RTL-Interview. Sein Unternehmen verzichte zum Beispiel auf das Marketing. Mit dem gesparten Geld könne man sozial wirtschaften. "Es müssen Unternehmen gesellschaftlich verantwortlich sein und mithelfen, die Welt besser zu machen", so Stricker.