Das soll die Todesursache sein

Das Ende einer Ära: Modezar Karl Lagerfeld ist tot!

19. Februar 2019 - 18:59 Uhr

Ein Nachruf von Victoria Konrad

Schockmeldung aus der Modewelt: Wie Chanel jetzt in Hamburg bestätigt hat, ist Karl Lagerfeld tot. Der Modedesigner soll Dienstagmorgen in einem amerikanischen Krankenhaus in Paris (L'Hôpital Américain) für immer eingeschlafen sein.

Die Todesursache

Noch am Montag soll er an seiner nächsten Kollektion für Chanel gearbeitet haben, dann ging alles ganz schnell. Noch in den Abendstunden sei er in die Klinik eingeliefert worden, in den Mittagstunden des Folgetages soll sein Herz für immer aufgehört haben zu schlagen. Laut französischen Medien litt Lagerfeld an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Eine Beerdigung hatte der Designer kategorisch ausgeschlossen. Was er sich stattdessen gewünscht hat, sehen Sie im Video.

Eine seiner letzten Shows: Eine Liebeserklärung als Abschied? Wenn ein Mode-Kapitän von Bord geht...

Zu den Orchesterklängen von 'La Paloma' lief er ein: Karl Lagerfeld, ganz in schwarz gekleidet, mit gewohnt hohem Vatermörder-Kragen - an seiner Hand Patensohn Hudson. Für eine seiner letzten Chanel-Modenschauen lud der 85-Jährige die halbe Modewelt in seine Geburtsstadt Hamburg ein. Und welchen Ort hätte er dafür besser wählen können, als die Elbphilharmonie. Internationale Topmodels, aber auch Nachwuchsmodels wie Cindy Crawford Tochter Kaia Gerber starteten im obersten Rang des Konzertsaals und stiegen dann die kreisrund, um die Bühne angeordneten Treppen, herab.

Spätestens da wurde klar, dass sich der von Lagerfeld persönlich ausgesuchte Veranstaltungsort ganz hervorragend für solch ein Event eignet. Ehrengast und Lagerfeld-Busenfreundin Tilda Swinton erklärte diesen Ort da bereits für magisch: "Dass die Show ausgerechnet hier stattfindet, bedeutet ihm so viel. Er wollte das schon lange, und mit diesem Gebäude gibt es endlich einen würdigen Platz. Es ist ein schönes Gefühl des Vollendens für ihn." Vollenden - sein Meisterwerk - da, wo alles anfing!

Wie alles begann: Vom kleinen Milch-Bubi zum Mode-Gott

Der kleine Karl Otto Lagerfeld wurde am 10. September 1933 in Hamburg geboren. Gemeinsam mit einer Schwester wuchs Karl wohlhabend bei seinen Eltern Otto und Elisabeth auf. Die Familie erwarb 1934 das 'Gut Bissenmoor' bei Bad Bramstedt, wo sie später Kondensmilch (Glücksklee-Milch GmbH) herstellten. Doch der kleine Karl wollte nichts mit Milch machen - nein, viel lieber was mit Stoffen. Ein Glück, dass seine Mutter 1953 mit ihm nach Paris zog. In die Stadt der Mode.

Von Balmain, über Chloé bis hin zu Chanel

Nachdem Karl Lagerfeld im Alter von 21 Jahren einen heute noch international anerkannten Mode-Wettbewerb gewann, gings karrieretechnisch steil bergauf. Bei Balmain machte er seine Schneiderlehrer, arbeitete drei Jahre später als künstlerischer Direktor für Patou und schließlich freiberuflich für Chloé. 1983 - mit 50 - wechselte Lagerfeld dann zu Chanel, wo es für den talentierten Meister nur noch steiler bergauf ging.

Das Erbe der Coco Chanel - jünger, hipper, alltagstauglicher

Karl Lagerfeld verhalf der damals etwas angestaubten Modemarke - hauptsächlich für ältere Damen - durch seine Ideen und Visionen zu einem ganz neuen Glanz: Die Modemarke Chanel ist mittlerweile wieder so cool und angesagt, dass sich selbst junge Hollywoodstars, Influencer und Blogger um It-Teile aus den Chanel-Kollektionen reißen. Karl Lagerfeld ist ebenfalls mit dafür verantwortlich, dass Chanel immer noch zu den Top-Marken der Haute-Couture gehört.

Karl Lagerfelds große Liebe

Ob seine 'Cloodia' Schiffer in den 90ern, Keira Knightley in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends oder zuletzt Cara Delevigne: Alle seine Musen wurden plötzlich Nebensache, als Katze Coupette ins Spiel kam. Lagerfeld reiste nie ohne sie, und auch in den sozialen Netzwerken avancierte sie schnell zum Star.

Eine wirkliche Beziehung hatte Karl Lagerfeld nach dem Tod seines 1983 an AIDS erkrankten Partners Jacques de Bascher im Jahr 1989 nicht mehr. Er lebte nach eigener Aussage bevorzugt allein. Allerdings erklärte er im Interview mit dem Magazin 'Vice' 2010: "Ich persönlich mag nur hochklassige Escorts. Ich schlafe nicht gern mit Leuten, die ich wirklich liebe. [...] Ich schlafe nicht mit ihnen, weil die sexuelle Anziehung nicht von Dauer ist, Zuneigung aber ein Leben lang anhalten kann. Ich denke, das ist eine gesunde Einstellung."

Nicht ohne meine Sonnenbrille! Nur eines von Karl Lagerfelds Markenzeichen

Neben seinem weiß gepuderten Haarzopf, den er gut 40 Jahre trug, waren seine dunkle Sonnenbrille, sein schwarzer Anzug und die Handschuhe nicht mehr wegzudenken. Von zwei Dingen hatte er sich allerdings 2000 getrennt: Seinem Handfächer und 42 Kilo Körpergewicht. Im stolzen Alter von 67 verpasste er sich einfach ein komplett neues Image. Eben ehrgeizig durch und durch - der Lagerfeld!

Aber Karl Lagerfeld liebte es auch in Fettnäpfchen zu baden

Unvergessen seine Äußerungen zu Heidi Klum. Auf das Topmodel angesprochen erklärte er 2009: "Ich kenne sie nicht. Claudia (Schiffer) kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht." Und Klums damaliger Gatte Seal kriegte direkt auch noch einen ab: "Ich bin kein Dermatologe, aber seine Haut möchte ich auch nicht haben. Da hat meine besser überlebt. Der hat so eine Kraterlandschaft." Selbst vor der Königin der Herzen machte seine Läster-Zunge nicht Halt: "Sie war hübsch und sie war süß, aber sie war dumm", und fügte hinzu: "Camilla ist immer die bessere Wahl."

Die letzte Kontroverse die er auslöste, war im November 2017. Da hagelte es Proteste wegen einer Aussage in einer französischen Talk-Show. Da kritisierte der 84-Jährige Angela Merkels Flüchtlingspolitik: "Selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, kann man nicht Millionen Juden töten und später dann Millionen ihrer schlimmsten Feinde holen."

Lagerfeld, der einsame König

Weitere Informationen über das Leben und Schaffen von Karl Lagerfeld gibt es in der Dokumentation "Lagerfeld, der einsame König" bei TV NOW