Ärzte gaben Ungeborenen geringe Überlebenschance

Cousinen werden zeitgleich schwanger - beide Babys haben je nur ein halbes Herz

Schwangere Cousinen: Beide Baby haben Herzfehler und kaum eine Überlebenschance. Doch es gibt ein Happy End.
Schwangere Cousinen: Beide Baby haben Herzfehler und kaum eine Überlebenschance. Doch es gibt ein Happy End.
© action press

08. September 2021 - 9:06 Uhr

Schwangere Cousinen: Pures Glück verwandelt sich in Verzweiflung

Michelle Aslin und Kayley Clarke aus Grimsby in England sind Cousinen, sie haben ein enges Verhältnis. Deswegen ist ihre Freude riesig als sie erfahren, dass sie zeitgleich schwanger sind, berichtet die britische Zeitung "Mirror". Doch das Glück der Cousinen verwandelt sich schnell in Verzweiflung, als Ärzte die beiden Frauen warnen, dass ihre Babys womöglich nicht überleben werden. Denn beide Ungeborenen haben nur ein halbes Herz.

Michelle Aslin: "Wenn sie überleben, werden sie nicht laufen, sprechen oder auf eine normal Schule gehen können."

Die Diagnose: Hypoplastisches Linksherzsyndrom. Ein angeborener Herzfehler, bei dem die linke Herzhälfte und die Hauptschlagader unterentwickelt oder defekt sind. Die Folge ist eine Herzschwäche. Das Herz kann nicht genug Blut durch den Körper pumpen. Etwa ein bis drei von 10.000 Babys werden mit diesem Herzfehler geboren. Die Überlebenschancen sind schlecht. Betroffene brauchen viele schwere Operationen.

Reggies Mutter Michelle erinnert sich gegenüber dem "Mirror" an die Worte der Ärzte. "Uns wurde gesagt, dass wenn sie überleben, sie nicht laufen werden können, nicht sprechen oder auf eine normale Schule gehen können. Und sie werden immer erschöpft sein."

Reggie hatte mit vier Tagen seine erste schwere Herzoperation

Michelle hat die erschütternde Nachricht in der 20. Schwangerschaftswoche bekommen. Im September 2016 wurde Reggie dann per Kaiserschnitt auf die Welt geholt – und direkt von seiner Mama getrennt. Acht Stunden lang durfte Michelle ihr Söhnchen nicht sehen, nur auf Fotos, die ihre Familie während der Geburt gemacht hatte. "Als ich ihn dann endlich in die Arme schließen konnte, habe ich Rotz und Wasser geheult," erzählt Michelle dem Mirror.

Als er gerade mal vier Tage alt war, hatte Reggie seine erste schwere Operation. "Am Abend vorher hat die Krankenschwester mir erlaubt, ihn zu baden und ihm einen Strampler anzuziehen –damit ich das mal gemacht habe für den Fall, dass er nicht überlebt."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Kalyley brachte Honey Rose in ein Hospiz und wartete darauf, dass sie stirbt

Kalyley brachte ihre Tochter Honey Rose in ein Hospiz und wartete darauf, dass sie stirbt.
Kalyley brachte ihre Tochter Honey Rose in ein Hospiz und wartete darauf, dass sie stirbt.
© action press

Reggies Cousine Honey Rose wurde dreieinhalb Monate später geboren, Mitte Dezember 2016. Ihr ging es noch schlechter. "Als Honey Rose geboren wurde, sagten die Ärzte, dass alles noch viel schlimmer aussieht als erwartet", erinnert sich Honey Roses Mutter Kalyley. Sie würde eine Operation nicht überstehen – wir hätten nur 24 Stunden mit ihr. Ich war wie betäubt." Die Familie brachte ihr kleines Mädchen in ein Hospiz, schmückte ihr Zimmer mit Weihnachtsdekoration.

Anders als erwartet, verschlechterte sich Honey Roses Zustand aber nicht. Deswegen durfte sie an Heiligabend zurück ins Krankenhaus. Dort stellte sich heraus: Die kleine Kämpferin ist doch stark genug für eine Operation! "Wir haben den ganzen Tag mit ihr gekuschelt." Den 2. Weihnachtstag verbrachte die Kleine dann auf dem Operationstisch – ganze elf Stunden lang. "Es war unerträglich!"

Die Operation verlief gut, in der Nacht darauf aber verschlechterte sich Honey Roses Zustand wieder. Ärzte und Krankenschwestern wachten an ihrem Bett, niemand wusste, ob sie überleben würde. Doch die Kleine zeigte wieder mal, was für eine große Kämpferin in ihr steckt. Vier Wochen später durfte sie nach Hause.

Reggie und Honey Rose gehen jetzt zur Schule

Reggie (5) und Honey Rose (4) hatten beide noch eine zweite Operation am offenen Herzen – eine dritte steht noch an. Eine unfassbar schwere Zeit, die die Familien noch weiter zusammengeschweißt – und eine außergewöhnliche Bindung zwischen den Kindern geschaffen hat. Bei der erschütternden Diagnose hätte wohl niemand gedacht, dass für Reggie und Honey Rose jetzt tatsächlich der Schulstart bevorsteht. "Es ist ein emotionaler Meilenstein", so Michelle. "Sie freuen sich darauf. Aber sind am Boden zerstört, dass sie nicht dieselbe Schule besuchen werden." (sli)