Neue Studie aus London

Frauen in den Wechseljahren sollen schwerer an Corona erkranken

Frauen in den Wechseljahren haben höheres Risiko an Corona zu erkranken
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08. August 2020 - 9:32 Uhr

Frauen nach der Menopause haben niedrigeren Östrogen-Spiegel

Frauen nach der Menopause erkranken laut einer neuen Untersuchung möglicherweise häufiger schwer am Coronavirus. Grund dafür könne der sinkende Östrogen-Spiegel sein.

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Ergebnisse von mehr als 500.000 Frauen in Großbritannien ausgewertet

Forscher des King's College London untersuchten die Daten einer App von mehr als 500.000 Frauen in Großbritannien. Die Frauen konnten in der App berichten, wie sich ihre Erkrankung gerade anfühlt. Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen nach der Menopause häufiger von schwereren Covid-19-Symptomen berichteten als Frauen, die noch ihre Perioden hatten. Ebenfalls wurden sie häufiger ins Krankenhaus eingeliefert und benötigten Atemmasken.

Frauen, die die Pille zwischen 18 und 45 Jahren einnahmen, hatten weniger Symptome. Die Rate der Krankenhausaufenthalte war in dieser Gruppe ebenfalls signifikant niedriger. Ebenso wurden die Ergebnisse von Frauen untersucht, die nach der Menopause eine Hormonersatztherapie erhielten. Auch hier waren die Symptome nicht so schwer wie bei Frauen in den Wechseljahren.

Weitere Forschungen sind erforderlich

Die Forscher stellten also die Hypothese auf, das Östrogene gegen Corona schützen könnten. Mediziner Dr. Christoph Specht würde allerdings nicht so weit gehen. "Ja, weibliche Hormone können schon dafür sprechen, dass sie einen positiven Verlauf auf COVID-19-Erkrankungen haben, aber die Hypothese, dass Östrogen uns vor Corona schützt, würde ich nicht gleich unterschreiben." Um das bisher gewonnene Wissen zu kräftigen, seien aber, laut der Forscher aus Großbritannien, noch weitere Untersuchungen notwendig.

Östrogene nehmen positiven Einfluss auf das Immunsystem

Östrogen, das bei Frauen nach den Wechseljahren abnimmt, interagiert auf verschiedene Weise mit dem Immunsystem, einschließlich der Beeinflussung, wie viele Immunzellen produziert werden und wie sie auf Infektionen reagieren. "Östrogen war schon immer mit der Verbesserung des Immunsystems verbunden", so Mediziner Dr. Christoph Specht. 

Die Idee, das Östrogene eine Corona-Erkrankung positiv beeinflussen könnten, ist allerdings nicht neu. Bereits im April 2020 wurde Männern in New Yorker Krankhäusern, im Rahmen klinischer Tests, Östrogene verabreicht. Es sollte im Kampf gegen das Coronavirus ihr Immunsystem stärken.