Corona-Chaos

Ohne Luca-App kein Eintritt mehr bei Ikea?

Warteschlange vor einem Ikea-Einrichtungshaus
Warteschlange vor einem Ikea-Einrichtungshaus
© picture alliance

15. April 2021 - 10:47 Uhr

Luca-App-Pflicht bei Ikea

Erste Handelsketten preschen vor und nutzen für den Eintritt in den Laden eine Registrierung über die Luca-App. Etwas missglückt dürfte man das Vorgehen von Ikea nennen. Denn hier wird die Nutzung der Luca-App zur Pflicht. Nach einem fulminanten Shitstorm rudert das Unternehmen etwas zurück. Und auch von anderer Seite melden sich Luca-App-Verweigerer zu Wort: Der Chaos Computer Club fordert wegen einer "nicht abreißende Serie von Sicherheitsproblemen", dass keine Steuermittel mehr für die Kontaktverfolgungs-App eingesetzt werden. Und auch Datenschützer fordern für einen Einsatz der Luca-App Nachbesserungen.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Für Ikea-Einkauf in Berlin Luca-App verpflichtend

"An einigen Standorten ist nun auch die Registrierung und Nutzung der luca App verpflichtend" heißt es auf der Ikea-Homepage. Das betrifft zum Beispiel alle Berliner Filialen. In der Hauptstadt kann man am 14. April ohne Termin einkaufen gehen. Laut Ikea sind für den Besuch erforderlich:

  • Covid-19-Test
  • FFP2-Maske
  • luca App

Die App-Pflicht für den Einkauf stößt bei einigen Usern auf heftige Kritik.

Dabei nutzt das Einrichtungshaus die App eigentlich nur als digitales Hilfsmittel zur vorgeschriebenen Kontaktnachverfolgung. Auch wenn sich das Vorgehen auf der Ikea-Homepage ohne Alternative liest, scheint das Unternehmen auch auf analoge Methoden zu setzen: "Sollte es Kund*innen nicht möglich sein, ihre Kontaktdaten digital über die Luca-App zu erfassen, so bieten wir entsprechend der lokalen Vorgaben alternative Registrierungsmöglichkeiten an, wie beispielsweise das Ausfüllen eines Kontaktdatenblattes vor Ort", äußert sich Ikea gegenüber dem Spiegel.

Datenschützer kritisieren zentrale Datenspeicherung der Luca-App

Datenschützer verlangen schon länger Nachbesserungen bei der Luca-App. Ein Kernpunkt der Kritik zielt vor allem auf die zentrale Speicherung der Daten im Luca-System ab. So begrüßt Niedersachsens Datenschutzbeauftragte Barbara Thiel den Einsatz digitaler Anwendungen zur Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten zwar grundsätzlich, hat bei der Luca-App aber noch einige datenschutzrechtliche Bedenken. "Die digitale Verarbeitung von Kontaktdaten kann im Vergleich zu Papierformularen grundsätzlich einen besseren Schutz vor unbefugter Kenntnisnahme und Missbrauch gewährleisten. Dafür ist aber eine entsprechende technische Ausgestaltung der digitalen Anwendungen nötig. Zu Luca sind in diesem Zusammenhang noch Fragen offen", erklärte Thiel gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Auch die europäische Hackervereinigung "Chaos Computer Club" (CCC) fordert ein "umgehendes Moratorium" beim Einsatz der Luca-App. Die Vergabepraktiken in den Bundesländern müssten durch den Bundesrechnungshof überprüft werden. Niemand dürfe gezwungen werden, die App zu verwenden, um am öffentlichen Leben teilzunehmen. "Für den Umgang mit hochsensiblen Gesundheits- und Bewegungsdaten verbietet sich der ländersubventionierte Roll-Out ungeprüfter Software von selbst."

Zuvor hatten Datenschutz-Aktivisten auf Schwachstellen bei den Luca-Schlüsselanhängern verwiesen, die für Menschen ohne Smartphone gedacht sind. "Wer den QR-Code (eines Schlüsselanhängers) scannt, kann nicht nur künftig unter Ihrem Namen einchecken, sondern auch einsehen, wo Sie bisher so waren", kritisiert CCC-Sprecher Linus Neumann. Er verweist auf Recherchen, die im Netz unter dem Titel "Lucatrack" veröffentlicht wurden. "Die Schwachstelle ist offensichtlich und unnötig. Sie zeugt von einem fundamentalen Unverständnis grundlegender Prinzipien der IT-Sicherheit."

Jan Böhmermann trickst Luca-App aus

Die Luca-App, für die unter anderem Hip-Hop-Sänger Smudo von den "Fantastischen Vier" geworben hatte, wird in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Saarland, Bayern, Sachsen-Anhalt und Hamburg aus Steuermittel finanziert. Die eingesetzten Mittel summieren sich nach Recherchen des Portals Netzpolitik.org auf insgesamt 20 Millionen Euro. Dieses Geld wird für die Entwicklung der App, die Anbindung der Gesundheitsämter sowie den SMS-Service zur Validierung der Telefonnummern der Anwender verwendet.

In die Schlagzeilen war die Luca-App zuletzt geraten, weil ZDF-Moderator Jan Böhmermann in der vergangenen Woche aufgezeigt hatte, wie leicht sich die App austricksen lässt: Mithilfe eines abfotografierten QR-Codes hatten er und Teile seiner Internet-Gefolgschaft dem Zoo Osnabrück und einem Modehaus in Bohmte (Kreis Osnabrück) einen Besuch aus der Ferne abgestattet - auch mit falschen Kontaktdaten.

Quelle: DPA / RTL.de

Auch interessant