Streit nach Biblis-Abriss

Büttelborn wehrt sich gegen Atommüll-Deponie

06. Oktober 2021 - 14:22 Uhr

Biblis-Abriss: Tonnen an Schutt brauchen ein neues Lager

Seit 2017 läuft der Abriss des Kernkraftwerks in Biblis (Bergstraße). Logisch, dass sich da die Frage stellt: Wohin mit dem ganzen Bauschutt? Denn davon fällt beim Rückbau der Anlage jede Menge an. "Bleibt mit dem Dreck weg" heißt es aus Büttelborn, wo sich die nächstgelegene Deponie befindet. Sogar eine Bürgerinitiative hat sich gegründet. Warum die Situation so verzwickt ist – im Video.

Bürgerinitiative „Büttelborn 21“ will Atommüll-Deponie verhindern

Für tausende Tonnen an Abbruchreste, darunter Gebäudeteile und Metallinventar, suchen die Verantwortlichen einen neuen Ort. Nach dem Willen der Landesregierung sollen diese sogenannten "freigemessenen und daher nicht gefährlichen Stoffe" auf hessischen Deponien entsorgt werden. Die Lösung liegt dabei so nah: Im 35 Kilometer entfernten Büttelborn im Kreis Groß-Gerau. Dort macht bereits die Bürgerinitiative "Büttelborn 21" mobil gegen die Pläne. Ihr Vorschlag: Der Müll solle dort bleiben, wo er ist. Aus dem Zwischenlager in Biblis würde dann ein Endlager werden.

ARCHIV - Das von dem Stromkonzern RWE betriebene Atomkraftwerk (AKW) Biblis in Südhessen, aufgenommen am 15.07.2010. Die Auseinandersetzung über die Atomlaufzeiten ist im Gange. Foto: Boris Roessler dpa/lhe (zu dpa-Serie "Die Energie der Zukunft" am
Das von dem Stromkonzern RWE betriebene Atomkraftwerk Biblis in Südhessen, aufgenommen 2010.
© dpa, Boris Roessler

"Wir respektieren den Willen der Bevölkerung"

Doch nicht nur Anwohner und Landwirte, auch der Büttelborner Deponiebetreiber sieht die Entscheidung, Atommüll auf einer "klassischen Hausmülldeponie" zu lagern, kritisch: "Wir haben nur noch knapp 10 Jahre Verfüllzeit, unsere Betriebszeit endet im Jahr 2030. Das heißt auch, die Überdeckung dieser Abfälle ist so nicht mehr gewährleistet. Und den Willen der Bevölkerung, keine Abfälle abzulagern, respektieren wir", sagt Stefan Metzger, Sprecher der Riedwerke Kreis Groß-Gerau.

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Kann das Land Hessen die Deponien zwingen?

Aber muss es denn unbedingt Büttelborn sein? Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz schickt RTL folgendes Statement: "Da alle Betreiber geeigneter Deponien, die seitens des Entsorgungspflichtigen angefragt wurde, eine Annahme der Abfälle verweigern, prüft das Regierungspräsidium Darmstadt einen vorliegenden Mitbenutzungsantrag. Das bedeutet die Verpflichtung eines Deponiebetreibers, den Abfall anzunehmen." Bedeutet: Das Land könnte Deponien zur Annahme von Müll zwingen. Das Ergebnis dieser Prüfung ist allerdings noch offen. (fge)