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Bürgermeister über "Cyberbunker" von Herman X.: Aggressive Hunde sicherten das Areal

Kinderpornos, Drogen, Waffen

Bürgermeister über "Cyberbunker" von Herman X.: Aggressive Hunde sicherten das Areal

Patrice Christian Roger Langer ist Bürgermeister von Traben-Trarbach. Er lernte Herman X. 2015 kennen.
Patrice Christian Roger Langer ist Bürgermeister von Traben-Trarbach. Er lernte Herman X. 2015 in seinem "Cyberbunker" kennen.
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Bürger nannten ihn BoBo

Drogenhandel, Kinderpornografie, illegale Geschäfte – all das möglich gemacht aus einem Bunker im beschaulichen Mosel-Städtchen Traben-Trarbach? Der Hauptbeschuldigte Herman X. und seine Söhne sollen hier 400 Server in ihrem „Cyberbunker“ bereitgestellt haben. Seit Montag muss sich X. wegen Beihilfe zu 249.000 Straftaten im Darknet vor dem Landgericht Trier verantworten. Wer ist der Mann, der es schaffte seine kriminellen Machenschaften vor allen verborgen zu halten? Patrice Christian Roger Langer, Bürgermeister der Stadt in Rheinland-Pfalz, hat den Mann in seinem Bunker besucht und kennengelernt. Im Interview mit RTL spricht er über den Angeklagten, den Bürger nur „BoBo mit dem weißen BMW“ nannten.

Der Angeklagte, Herman X., stand heute in Trier vor Gericht.
Der Angeklagte, Herman X., stand heute in Trier vor Gericht.
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2015 besuchte Bürgermeister den Bunker zum ersten Mal

Als Herman X. am Montag vor Gericht erscheint, wirkt er eher unscheinbar. Graues, brüchiges Haar. Dunkles Sakko. Er wirke wie ein älterer Herr, berichtet RTL-Reporterin Rebekka Kaiser aus dem Saal.

So hat Bürgermeister Patrice Langer den mutmaßlich Cyberkriminellen nicht kennengelernt. Als Chef des „Cyberbunkers“ sei der Mann auffällig gewesen, beinahe skurril, so heißt es. Seine Haare auffällig blond gefärbt – durch die Stadt sei er immer mit einem weißen BMW gedüst. Weil das Nummernschild die Buchstaben BO-BO beinhaltet habe, hätten Anwohner immer gesagt: „BoBo ist wieder unterwegs.“

Anfang 2015 sei Langer zum ersten Mal im Bunker bei Herman X. gewesen, erzählt der Bürgermeister. Zuvor habe er selbst dort gearbeitet – ganze elf Jahre lang. Später übernahm dann X. mit seinem Unternehmen. Der Bürgermeister stattete dem „Cyberbunker“ damals nur einen Besuch ab, weil sich Bewohner von Traben-Trarbach mit wilden Gerüchten an ihn gewandt hätten, sagte er. „Mit Amtsantritt 2014 waren immer die Gerüchte: Was macht der da oben überhaupt?“

Um Klarheit zu schaffen, hätte er sich dann zum Handeln entschlossen. „Man weiß nichts, man sieht nichts, man hört keinen, man sieht keinen – und dann sagte ich zu unserem Verbandsbürgermeister: ‘Weißt du was, Markus? Lass uns einfach mal hochfahren, wir machen mal einen Termin.’“

Das LKA durchsuchte den "Cyberbunker" und kam Herman X. so auf die Schliche.
Das LKA durchsuchte den "Cyberbunker" und kam Herman X. so auf die Schliche.
Polizei

Bevölkerung vermutete Giftmüll

Zuerst sei er positiv überrascht gewesen. Herman X. habe ihn herzlich willkommen geheißen – er habe lediglich um 15 Minuten Vorlauf gebeten, um seine Hunde einfangen zu können. Als er schließlich an seinem alten Arbeitsplatz gewesen sei, habe der Cyber-Chef ihm erlaubt, hinter jede Tür zu blicken. Langer würde sich ja schließlich dort auskennen. Damals sei dem Bürgermeister nichts Verdächtiges aufgefallen, auch wenn er nicht gewusst habe, was auf den Datenträgern gespeichert gewesen sei. Die Bevölkerung habe im Bunker eher Giftmüll vermutet – der sei dort aber nicht zu finden gewesen.

Doch woher kamen überhaupt die wilden Spekulationen? Patrice Langer führt das auf einige bauliche Maßnahmen zurück, die Herman X. zum Start seines Unternehmens ergriffen habe. „Er hat oben, rund um das Gelände, einen hohen Wall aufschütten lassen. Dann eben seine Hundemeute mit sechs bis sieben aggressiv agierenden Hunden – das gibt natürlich Anlass zur Spekulation.“

Dass dort Server stehen über die kriminelle Internet-Geschäfte stattfinden, das hätte allerdings niemand gedacht.

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Herman X. will von nichts gewusst haben

Herman X. behauptetet nun vor Gericht, er habe nichts von den kriminellen Geschäften seiner Kunden gewusst. Er will lediglich die Server zur Verfügung gestellt haben. Bürgermeister Langer glaubt dem Angeklagten kein Wort. Der Politiker wünscht sich jetzt Gerechtigkeit: „Ich hoffe, dass er verurteilt wird, dass die Strafe auch wirklich hoch ist, dass sie vielleicht auch abschreckt, damit das keine Nachahmer findet“.

Urteil gegen Cyber-Betreiber könnte wegweisend sein

Die Schaltstelle für millionenschwere kriminelle Geschäfte im Darknet ging über fünf Etagen. Unter der Erde verteilt standen mehr als 400 Server, über die Kriminelle aus aller Welt Drogen verkauften, Kinderpornos verschickten oder Cyberangriffe starteten. Ende September 2019 war der „Cyberbunker“ in Traben-Trarbach in einer großen Polizeiaktion ausgehoben worden. Herman X. habe man damals aus seinem Stammrestaurant, der „Historischen Stadt Mühle“ geholt und festgenommen, gab der Staatsanwalt heute vor Gericht bekannt.

Erstmals stehen nicht die Täter im Fokus, die im Darknet etwa Drogen oder Waffen verkaufen, sondern die, die diese Geschäfte möglich machen.