Dortmund vs. Bayern

Die unglaublichsten Geschichten des Klassikers

Arjen Robben vs. Neven Subotic anno 2012
Arjen Robben vs. Neven Subotic anno 2012
© Imago Sportfotodienst

04. Dezember 2021 - 10:42 Uhr

FCB - BVB: Die kuriosesten Momente

Von Ben Redelings

Es sind die großen und kleinen Geschichten, die dieses Duell zwischen den beiden deutschen Spitzenteams so wertvoll machen. Gerd Müller, Lothar Emmerich, Oliver Kahn sind nur einige Akteure, die das Spiel des BVB gegen die Bayern zu einem Klassiker mit unglaublichen Storys haben werden lassen.

"Emma" nutzt die Chance

Es war das Finale furioso eines spannenden Duells. Deutschland feierte in der Spielzeit 1966/67 seinen neuen "Bomber der Nation" Gerd Müller. Und für den Bayern-Stürmer sah es bis zum 28. Spieltag auch so aus, als ob er die alleinige Nummer eins der Torjägerliste werden würde. Doch dann traf Müller geschlagene 467 Minuten nicht mehr in den gegnerischen Kasten. Das war die Chance für den Dortmunder Lothar "Emma" Emmerich - und er nutzte sie. Und wie! Denn am letzten Spieltag holte er ausgerechnet gegen die Bayern die zwei Tore auf, die ihm noch zu Gerd Müller gefehlt hatten. Und so teilten sich die beiden Ausnahme-Stürmer Emmerich ("Abschuss und Einschlag im gleichen Moment, das wollen die Leute sehen") und Müller die Torjäger-Kanone. Zum "Fußballer des Jahres" wurde anschließend allerdings nur das Jungtalent Gerd Müller gekürt.

Der "schwärzeste Tag in der Vereinsgeschichte"

Der 16. Spieltag der Saison 1971/72 ist für beide Teams in die Historie eingegangen. Denn das 11:1 der Bayern über den BVB wurde von der "Westfälischen Rundschau" nicht nur als "schwärzeste Tag in der Vereinsgeschichte" von Borussia Dortmund bezeichnet, sondern stellt auch immer noch den höchsten Sieg der Bayern in der Bundesliga-Geschichte dar. Damals hatte beim Gewinner des Europapokals der Pokalsieger von 1966, dem BVB, die finanzielle Krise des deutschen Fußballs erbarmungslos zugeschlagen. Der Notkader absolvierte eine katastrophale Saison und stieg folgerichtig am Ende der Spielzeit auch völlig verdient ab.

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Liebe statt "Kritik, Hohn oder gar Verachtung"

Mit Tränen in den Augen verfolgten die BVB-Anhänger die "Hinrichtung" wie das "jüngste Gericht" ("Rundschau") und sangen leiderfüllt: "Oh, tun mir die Augen weh, wenn ich die heutige Borussia seh'!" Augenzeugen berichteten hinterher, dass die Bayern um Gerd Müller, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Co. an diesem Tag locker auch 20 Tore hätten schießen können. Doch nach der Partie kam es zu einer besonderen Szene: Zwei Fans des BVB liefen auf den Rasen des Grünwalder Stadions und umarmten tröstend die Spieler. Die "Westfälische Rundschau" schrieb am folgenden Tag beeindruckt: "Eine rührende symbolische Geste. Denn was Borussia braucht, ist nicht Kritik, Hohn oder gar Verachtung, sondern Freunde, die ihrer Mannschaft in der bittersten Not beistehen."

Im Sommer 1986 war der BVB gerade noch einmal mit viel Dusel und dem Last-Minute-Tor von Jürgen "Kobra" Wegmann dem Gevatter Abstieg von der Schippe gesprungen - da ging die neue Saison gleich wieder richtig gut los für die Borussia. Denn nach nicht einmal einer Minute führten die Bayern bereits durch ein Tor von Roland Wohlfarth mit 1:0. Doch das war nicht die Geschichte des Tages. Die schrieb der Neu-Borusse Frank Mill mit einem legendären Ding. Der gebürtige Essener lieferte an diesem ersten Spieltag eine großartige Partie ab. Ihm gelang fast alles. Vielleicht war das auch der Grund, warum er in dieser Begegnung plötzlich etwas übermütig wurde. Die Szene kennen fast alle Fußballfans.

"Es war die Lachnummer schlechthin"

Alleine rannte Mill damals auf das Bayern-Tor zu, hatte Keeper Jean-Marie Pfaff schon ausgespielt und musste nur noch nach innen ziehen und das Leder im Kasten unterbringen. Doch dazu kam es nicht, wie sich Frank Mill erinnert: "Auf einmal lag der Ball genau zwischen meinen Beinen. Ich konnte ihn nicht mehr richtig kontrollieren. Pfaff kam wieder herangestürmt. Ich musste abschließen. Und so kam dieser Kunststoß zustande. Statt den Ball zu versenken, schoss ich ihn tatsächlich an den kurzen Pfosten. Unfassbar. Es war die Lachnummer schlechthin." Bis heute wurde die Szene unzählige Male im Fernsehen wiederholt. Die Reaktionen sind immer die gleichen. Weltweit - wie der damalige Dortmunder einmal zu berichten wusste: "In der Winterpause war ich mit meiner Frau im Urlaub in San Francisco. Da lief eine Fernsehsendung mit sportlichen Kuriositäten, wie einer einen Basketballkorb abreißt und solche Sachen. Und plötzlich läuft da mein Klopper. Ich dachte, ich gucke nicht richtig!"

Kahn gibt den Klassenclown

Bildnummer: 00115128  Datum: 03.04.1999  Copyright: imago/Team 2Torwart Oliver Kahn (Bayern) verliert die Beherrschung und gefährdet vorsätzlich mit gestrecktem Bein die Gesundheit von Stephane Chapuisat (BVB, li.); Keeper, Torhüter , Ball, Duell, Zw
Oliver Kahn in seinem Element.
© IMAGO

Ebenfalls für Unterhaltung - aber der völlig anderen Sorte - sorgte in der Saison 1998/99 der Bayern-Keeper Oliver Kahn. Beim 2:2 der beiden Teams im April in Dortmund sprang er zuerst völlig übermotiviert Stéphane Chapuisat in Kung-Fu-Manier fast ins Gesicht und versuchte später auch noch BVB-Stürmer Heiko Herrlich ins Ohr zu beißen. Hinterher gab Kahn den Klassenclown und sagte: "Ich habe einer meiner ruhigsten Partien gespielt, sehr sachlich." Und weiter: "Der Trainer hat von uns verlangt, wir sollen uns am Gegner festbeißen. Das habe ich getan."

Als er merkte, dass die umstehenden Reporter immer noch geschockt, ob seines Verhaltens waren, reagierte Kahn trotzig: "Der Chapuisat war doch einige Meter entfernt. Und wenn schon: dann hätte ich das Bein eben weggezogen!" Anschließend schüttelten die Fußball-Fans nur noch den Kopf. So war er eben, der "Titan" Oliver Kahn.

"Ich hab keinen Bock auf Schwalben"

Und dann war noch der 30. Spieltag der Saison 2011/12. Dortmund lag damals drei Punkte vor den Münchnern und führte mit 1:0 im heimischen Stadion, als die 86. Minute anbrach. Bayerns niederländischer Dribbler Arjen Robben erhielt einen umstrittenen Elfmeter und lief selbst an. BVB-Keeper Weidenfeller konnte parieren, und anschließend raste BVB-Spieler Neven Subotic auf Robben zu: "'Ich habe keinen Bock auf Schwalben!' Irgendwas in der Art habe ich gesagt. Ich hab's als Schwalbe empfunden und habe gehofft, dass Gott das sieht. Zu Recht hat Roman den gehalten." Robben war hinterher untröstlich: "Ich habe in den letzten drei Jahren zehn oder elf Elfmeter in Folge verwandelt. Heute war es der erste, den ich verschossen habe. In so einem Moment, das ist bitter. Ja, das ist peinlich."

Es war der Knackpunkt der Saison im Kampf um den Titel. Und auch Franz Beckenbauer war nach der Partie richtig sauer: "Bei mir als Trainer hätte Robben nicht geschossen. Es ist Gesetz im Fußball, dass der Gefoulte nicht schießt, aber vielleicht ist das Gesetz geändert worden oder noch nicht bis nach Holland durchgedrungen." Es war einer dieser legendären Momente in der Geschichte des Klassikers Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München. Mal schauen, welche kuriosen Aktionen am heutigen Samstagabend Fußball-Deutschland nachhaltig im Gedächtnis bleiben werden. (ntv.de)