Problematische Anzeige in Corona-Warn-App und CovPass

Booster-Wirbel um Erstimpfungen mit "Johnson & Johnson"

Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson, Symbolfoto.
Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson, Symbolfoto.
© imago images/Christian Ohde, Christian Ohde via www.imago-images.de, www.imago-images.de

18. Januar 2022 - 8:34 Uhr

von Frauke Holzmeier und Aristotelis Zervos

In vielen Bundesländern häufen sich die Klagen von Bürgern, die sich mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson gegen Corona haben impfen lassen. Der Grund: Nach erfolgter Boosterung mit einem mRNA-Impfstoff von Moderna oder Biontech wird in den Corona-Apps die Boosterung nicht korrekt angezeigt. Und es könnte bald noch chaotischer werden.

Vollständige Immunisierung muss sofort erkennbar sein

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat bereits die Bundesregierung aufgefordert, die Corona-Warn-App zügig weiterzuentwickeln. Es müsse eine Lösung geben, die auf einen Blick Aufschluss darüber gebe, ob jemand vollständig immunisiert sei oder nicht, sagte Laumann.

Das müsse auch für kompliziertere Fälle gelten, also etwa, wenn Menschen geimpft und genesen seien oder nach einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geboostert worden seien. Viele Bürger klagen nach seinen Worten, dass solche Fälle in der Corona-App des Bundes nicht abgebildet würden. "Das kann ich mit Landesrecht nicht lösen", sagte Laumann. Die Gesundheitsminister seien sich aber einig, dass es eine Lösung geben sollte, die das berücksichtige, die in allen Bundesländern gelte und den Bürgern möglichst auch europaweit Handlungsfreiheit gebe.

Das für die Corona-Warn-App zuständige Bundesgesundheitsministerium kennt das Problem und erklärt gegenüber RTL: "Laut Beschluss der EU-Kommission müssen bis zum 1. Februar die Nachweise für J&J-Geimpfte und -Genesene geändert werden. Das setzt das Bundesministerium für Gesundheit gerade um." Dabei werde geprüft, wie die Zertifikate von betroffenen Personen, die mit einem einmal anzuwendenden Vektorimpfstoff oder im Falle einer Genesenenimpfung möglichst schnell und einfach ein Zertifikat erhalten können, welches den neuen Darstellungsanforderungen entsprechen. Ein Sprecher des Ministeriums weist aber auch darauf hin, dass bereits jetzt der Status mit dem Genesenennachweis (digital oder analog) und dem Nachweis des vollständigen Impfschutzes erfolgen könne.

RKI und Stiko empfehlen zusätzliche zweite Impfung für Johnson & Johnson

Doch für Johnson & Johnson-Erstgeimpfte könnte es einfacher sein, gleich den nächsten Impftermin anzumelden. Denn eigentlich genügte beim Impfstoff von Johnson & Johnson (Janssen-Cilag) erstmal die einmalige Impfung, um gegen das Coronavirus geschützt zu sein. Allerdings empfehlen inzwischen das Robert Koch-Institut (RKI) und die Ständige Impfkommission (Stiko) ein weitere Impfung. "Die in Deutschland beobachtete Häufigkeitsverteilung der Impfdurchbrüche nach Abstand zwischen Impfung und Erkrankung deutet auf einen mangelhaften primären Impfschutz durch eine einmalige Janssen-Impfung hin", erklärt hierzu das Bundesgesundheitsministerium gegenüber RTL.

Aus medizinischer Sicht sei laut der Ständigen Impfkommission die empfohlene Impfung mit einem mRNA-Impfstoff vier Wochen nach der Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson als Komplettierung der Grundimmunisierung anzusehen. Das bedeutet: Erst nach einer zweiten Impfung mit Moderna oder Biontech habe der Patient einen Impfschutz – aber noch keine Boosterung.

Bayern prescht daher als erstes Bundesland vor und orientiert sich an der Stiko-Empfehlung: Johnson & Johnson-Geimpfte sollen zwei weitere mRNA-Impfstoffe erhalten, um den "Booster"- Eintrag zu erhalten. Erst ab dem 15. Tag nach der dritten Impfung gelten Erstgeimpfte mit Johnson & Johnson in Bayern dann auch als geboostert.

Laut Bundesgesundheitsministerium steht noch die konkrete Entscheidung aus, wann eine vollständige Impfung und Boosterung erfolgt sei. Bis dahin ist sicher auch ein Update der Corona-Warn-App erfolgt – auch wenn es für Johnson & Johnson-Geimpfte zu spät kommen sollte.