Der Nachfolger von "Sie hat Bock"

"Bock. Männer und Sex" von Katja Lewina: Was Sie schon immer über männlichen Sex wissen wollten...

Katja Lewina "Bock. Männer und Sex".
Katja Lewina "Bock. Männer und Sex".
© RTL (Kommunikation)

28. September 2021 - 16:42 Uhr

... aber bisher nicht zu fragen wagten

Die Kolumnistin und Autorin Katja Lewina hat kurz vor Beginn der Coronakrise ihr erstes Buch "Sie hat Bock"* im Dumont-Verlag herausgebracht und mit ihren intimen Beobachtungen und Bekenntnissen zur weiblichen Lust im Allgemeinen und ihre eigenen im Speziellen für Aufmerksamkeit gesorgt. Jüngst ist ihr Nachfolger "Männer. Bock und Sex"* erschienen, in dem sie sich – der Titel sagt es schon – mit der männlichen Lust auseinandergesetzt hat. Dabei geht es ihr vor allem darum männliche Rollenvorstellungen zu entmystifizieren und darzulegen, warum das den Sex für Männer UND Frauen besser macht.

von Timo Weber

Wie denken und reden Männer über Sex?

Lewina hat in "Sie hat Bock" ohne Tabus über Körperbehaarung bei Frauen, offene Beziehungen und weibliche Lust geschrieben. Sie schilderte darin anhand ihrer eigenen Biografie, wie viel Sexismus in unserem Sex steckt und wie vor allem (aber nicht nur) Frauen unter dem Patriarchat leiden, und wie sich dieses Machtgefüge unter anderem auch im Bett bemerkbar macht. Doch nicht nur im Bett, sondern in ganz vielen alltäglichen Situationen werden Frauen subjektiviert, beschimpft und sexuell belästigt. Das ist nicht neu, hat aber spätestens mit #MeToo eine neue, nämlich viel lautere Dynamik bekommen.

Aber was ist eigentlich mit den Männern? Da setzt Lewina mit dem jüngst erschienenen Nachfolger "Bock. Männer und Sex" an. Und da sie als Frau darüber nur eine Außenperspektive einnehmen kann, hat sie sich diesmal Männer als Gesprächspartner ("Typen, die Klartext reden") gesucht, die offen über ihre Sexualität sprechen können und auch möchten.

Garniert mit den aktuellen Erkenntnissen aus der Geschlechterforschung und wiederholter Kritik an den patriarchalischen Gegebenheiten, zeigt sie auf, wie auch Männer unter den vorgestellten Geschlechterrollen und "toxischer Maskulinität" leiden - beziehungsweise das Sexleben mit ihnen. Lewinas Mitleid mit den Männern hält sich dabei in Grenzen und wer "Sie hat Bock" gelesen hat, kann das absolut nachvollziehen. Trotzdem ist "Männer. Bock und Sex" keine Abrechnung mit dem angeblich starkem Geschlecht, vielmehr sucht Lewina den Dialog.

Warum männliche Sex-Prahlereien gefährlich sind

Autorin Katja Lewina hat nach "Sie hat Bock" den Nachfolger "Männer. Bock und Sex" veröffentlicht
Autorin Katja Lewina setzt sich in "Männer. Bock und Sex" kritisch mit der männlichen Sexualität auseinander.
© Lucas Hasselmann 2020, Lucas Hasselmann

Mit Männern über Sex reden, also. Im Vorwort erwähnt Lewina zugleich, dass das, was viele Männer im Bett als normal und erstrebenswert erachteten, sie einfach nur ratlos mache. Zu oft handelten Männergeschichten davon möglichst viele Frauen rumzukriegen, "seinen Mann zu stehen" oder "es ihr besorgen zu müssen" - also wenig authentische und ziemlich einseitige Prahlereien. Und diese bildeten das Fundament für sexistische Grenzüberschreitungen gegenüber Frauen, die für diese alles anderes als harmlos sind, schreibt Lewina. Daher sei es für Männer jetzt langsam an der Zeit, ihr Verhalten zu reflektieren.

Da sie wiederum kein Buch finden konnte, welches die Klischees und Narrative männlicher Sexualität auseinanderpflückt, "das Stereotype zerschießt" und "Alternativen aufzeigt", hat sie einfach selbst eins geschrieben – mit Hilfe von Männern, die schonungslos über ihre intimsten Erlebnisse, ihre Vorlieben und ihre Probleme gesprochen haben. Und diese sind vielfältig, wie man sich vorstellen kann.

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Porno, Patriarchat und Potenzdruck

So skizziert die Kolumnistin auf gut 200 Seiten, wie anerzogene Rollenbilder, Sexdarstellungen im Porno sowie Prahlerei und Potenzdruck Männern - und ihren Geschlechtspartner*innen - Schaden zufügen und sie davon abhalten ihre Sexualität frei auszuleben. Sie schreibt von der Scham noch Jungfrau zu sein, der Angst zu früh zu kommen oder keinen (mehr) hoch zu bekommen. Während Lewina sich bei "Sie hat Bock" unter anderem bei ihren Kolumnen für den Playboy, die Zeit und jetzt.de bediente, ist in ihrem neuen Sachbuch der "Lebensweg eines Mannes von der Wiege zur Bahre" klar strukturiert.

Die aus den Interviews gesammelten Anekdoten über unerwünscht verschickte Dickpics, die ewigen Schwanzvergleiche und unerwartete Erektionsprobleme verdeutlichen: zu viel Druck ist oft das grundlegende Problem, dass Männer ins Sexleben mitbringen. Dank ihrer direkten Sprache bietet "Bock. Männer und Sex" unverkrampft einen guten und überschaubaren Einstieg in ein Thema, das tatsächlich in der Sachbuch-Literatur noch erstaunlich unterrepräsentiert ist. Für Männer kann Lewinas Buch nicht zuletzt auch wegen seiner Literaturhinweise ein Anfang sein, sich kritisch mit der eigenen Sexualität auseinanderzusetzen.

Katja Lewina wagt den Annäherungsversuch

Dass "Bock. Männer und Sex" dabei nicht so aufwühlt wie sein Vorgänger, ist der Autorin dabei kaum anzukreiden, sondern verdeutlicht vielmehr, dass im Bereich der männlichen Sexualität noch viele Fragen und Leerstellen gibt, die nur Männer selbst beantworten und füllen müssen. Insofern liest sich "Bock. Männer und Sex" wie ein aktueller Lagebericht oder wie es Lewina in ihrem Fazit selber nennt, wie ein Annäherungsversuch.

Das Patriarchat zu hinterfragen und alte Rollenvorstellungen hinter sich zu lassen, ist dabei nur der erste Schritt, sich vom Leistungsdruck zu befreien. Kontrollverluste und Verletzlichkeit zuzulassen, offen und ehrlich über Sex zu sprechen, das ist der Ratschlag von Lewina und sie stellt dabei in beiden Büchern die naheliegende These auf, dass eine gute Kommunikation auch den Sex für alle Geschlechter angenehmer und besser macht. Das sollte Mann mal ausprobieren.

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