Pickel können verstärkt werden

Bis zu 800 Mal täglich! Wieso fassen wir uns ständig ins Gesicht?

Der unbewusste Griff ins Gesicht dient dazu, den Kurzzeitspeicher des Gehirns zu leeren und wieder aufnahmebereit zu machen.
Der unbewusste Griff ins Gesicht dient dazu, den Kurzzeitspeicher des Gehirns zu leeren und wieder aufnahmebereit zu machen.

23. Juli 2021 - 10:28 Uhr

Gesicht berühren ist typisch menschlich

Was hat es zu bedeuten, wenn wir uns - einfach so mal - im Gesicht berühren? Wissenschaftler haben den Grund herausgefunden. Sich selbst im Gesicht berühren, ist nämlich typisch menschlich. Es passiert unbemerkt und das sogar bis zu 800 Mal am Tag, weiß Haptikforscher Professor Martin Grundwald. Klar, dass die Haut darauf reagiert, zumindest wenn schon Vorbelastungen wie Pickel und Unreinheiten bestehen. Aber warum fassen wir uns ständig ins Gesicht und was hilft, um Hautirritationen nicht zusätzlich zu verstärken?

Griff ins Gesicht als „Reset-Taste“

Ein vierköpfiges Forscher-Team der Universitäten Leipzig und Jena liefert aber eine Antwort auf die Frage, wieso wir uns ständig ins Gesicht touchen: Die Berührung hilft uns dabei, kognitive Überforderungen und emotionalen Stress auszubalancieren. Auf Deutsch: Ich fasse mir an den Kopf, um einen übervollen Arbeitsspeicher im Hirn zu löschen.

Ähnlich einem Computer, der Neues zunächst im Arbeitsspeicher und erst nach dem Speichern auf der Festplatte unterbringt, ist auch unser Gehirn aufgebaut. Die kognitiven Reize - also alles das, was wir mit unseren Sinnen erleben - sowie unser emotionales Innenleben, landet zunächst in einer Vorform des Gedächtnisses.

Das hat den Vorteil, dass unser Gehirn nicht ständig alles abspeichern muss, was wir tagtäglich erleben. Dieser Speicher füllt sich jedoch recht rasch. Wenn viele Eindrücke gleichzeitig auf uns einstürmen und besonders, wenn auch unangenehme Sachen dabei sind, ist unsere Kapazität rasch erschöpft. Der Griff ins Gesicht ist also eine Art 'Reset-Taste', die uns wieder in eine psychische Balance bringt.

Unbewusstes Aufkratzen führt zu Entzündungen

Doch viele Berührungen oder unbewusstes Kibbeln an der Haut haben auch Nachteile. Die Haut ist zwar recht robust, wenn aber Vorbelastungen bestehen, sind ständige Handbewegungen ins Gesicht nicht gerade förderlich. "Die intakte Hautbarriere kommt mit Berührungen klar. Problematisch wird es, wenn man sich aufkratzt, etwa Rauigkeiten und Pickel. Dann kommt es schnell zu Entzündungen, Eintritt unerwünschter Bakterien, oft langsame Abheilung mit lange sichtbaren Flecken", erklärt Dermatologin Dr. Yael Adler. Wer zu Hautproblemen durch unbewusste Gesten neigt, sollte die Nägel kürzen, seine Hauterkrankungen behandeln lassen oder es selbst mit Entspannungstechniken oder Meditation versuchen, rät die Hautärztin.