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Bertelsmann-Studie: Mutter zu werden, kostet Frauen ein Vermögen

Unterschied zu kinderlosen Frauen immens

Bertelsmann-Studie: Mutter zu werden, kostet Frauen ein Vermögen

Young mother using laptop to work at home, horizontal
Aktuelle Zahlen der Bertelsmann-Stiftung zeigen: Kinder zu bekommen ist für Frauen nicht nur teuer, sondern auch mit großen finanziellen Einbußen im Job verbunden – vor allem im Vergleich zu Frauen, die kinderlos bleiben, sind die Unterschiede groß.

Von Laura Maria Weber

Es soll eigentlich das Schönste auf der Welt sein – eine eigene Familie zu gründen und ein Kind zu bekommen. Doch aktuelle Zahlen der Bertelsmann-Stiftung zeigen: Kinder zu bekommen ist für Frauen nicht nur teuer, sondern auch mit großen finanziellen Einbußen im Job verbunden – vor allem im Vergleich zu Frauen, die kinderlos bleiben, sind die Unterschiede groß.

Mutter oder Kinderlose: So groß sind die Einkommensunterschiede

Mother with baby boy (2-5 months) working from home, Frau arbeitet am Computer und hält dabei Baby im Arm Keine Weitergabe an Drittverwerter.
Mutter kümmert sich im Home Office um ihr Kind.
picture alliance / Bildagentur-o

Deutschland braucht ihn: den Nachwuchs. Entscheiden sich Frauen dazu, Kinder zu bekommen, arbeiten sie durch Eltern- und Betreuungszeit meist weniger oder während dieser Zeit gar nicht. Dass sich diese Familienzeiten auf das Einkommen und die Rente auswirken, ist lange klar. Wie groß die Einkommensunterschiede zu kinderlosen Frauen aber wirklich sind, das zeigt jetzt eine aktuelle Bertelsmann-Studie:

  • Im Laufe ihres Lebens verdienen Frauen rund 1,3 Millionen Euro in West- und 1,1 Millionen Euro in Ostdeutschland – eine Mutter mit einem Kind verdient durchschnittlich auf ihr Lebensarbeitszeit rund 40 Prozent weniger.
  • Bekommt eine Frau drei oder mehr Kinder verkleinert sich das sogenannte Lebenserwerbseinkommen sogar um rund 70 Prozent.
  • Das Einkommen von kinderlosen Frauen und Männern nähert sich im Laufe eines Lebens immer stärker an.

Corona-Krise verschärft finanzielle Ungleichheiten

Weniger Arbeitszeit, dafür mehr Fürsorgearbeit in der Familie und geringeres Einkommen durch Kurzarbeitergeld – Faktoren, die laut den Autorinnen der Bertelsmann-Studie dafür sorgen, dass sich die Situation von Müttern in der Corona-Krise verschärfe.

Rund 27 Prozent der befragten Frauen haben wegen der Schließung von Kitas und Schulen ihre Arbeitszeit in der Corona-Krise reduziert und betreuen jetzt zuhause ihre Kinder.

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Wie kommen wir aus dieser Spirale heraus?

Frau und Tochter sparen
Frauen kümmern sich während der Corona-Krise zuhause häufiger um ihre Kinder als Männer.
iStockphoto

Tijen Onaran, die sich mit ihrem Unternehmen für die Sichtbarkeit von Frauen in Unternehmen einsetzt, sagt im RTL-Interview: „Kinder und Karriere kann in unserer Gesellschaft in jedem Fall funktionieren, wenn wir das Kinder- und Familienthema nicht nur auf Frauen zu fokussieren.“

So gäbe es fast nie die Debatte darüber, dass auch Männer in Teilzeit oder in Elternzeit gehen können. „In der öffentlichen Debatte ist es oft so, dass wir Frauen in Führungsposition oder Unternehmen fragen ‚Wie machst du das denn mit Familie und Beruf?‘, aber Männer fragen wir nie.“ Sie fordert: „Wir müssen diese Rollenklischees durchbrechen, dann verändert sich auch was.“

Aber auch den Frauen selbst kommt in Sachen Finanzen eine wichtige Rolle zu. Positiv formuliert: Wir haben auch einiges selbst in der Hand. So müssten wir uns auch selber sichtbarer machen, uns mit anderen Frauen vernetzen und dadurch immer wieder hinterfragen ‚ Verdiene ich eigentlich genug oder muss ich noch mehr verlangen? ’, so Tijen Onaran. Das sei eine Zukunftsaufgabe für bessere Bezahlung: „Ich muss natürlich auch schauen, wenn ich Teilzeit arbeite, dass ich auch bei Teilzeit bleibe und nicht mehr Stunden arbeite und dafür weniger Geld bekomme“, sagt uns Onaran.

Schon in der Schule ansetzen: "Betreuung ist auch ein Papa-Thema"

Vater, Eltern, Familie and daughter (6-7) essen, essende, essender, essendes, isst, Ernaehrung, Lebensmittel breakfast Keine Weitergabe an Drittverwerter.
Väter können Mütter im Home Office langfristig entlasten.
picture alliance / Bildagentur-o, Tetra Images/Bildagentur-online

In systemrelevanten Berufen wie beispielsweise als Krankenschwester, Pflegerin und Co. arbeiten mehr Frauen als Männer, werden aber schlechter bezahlt. Das muss sich dringend ändern. Genauso wie die Betreuungssituation von Kindern. Nur so könne es auch eine Möglichkeit für Frauen geben, mehr zu verdienen, so Tijen Onaran im RTL-Interview. Hier sei die Politik gefordert.

Aber auch Unternehmen sind gefragt: Arbeitszeiten müssen flexibler werden, um Frauen mit Kindern mehr Karrieremöglichkeiten zu bieten. Langfristig können auch Home-Office-Lösungen nach der Corona-Krise dafür sorgen, dass auch mehr Männer sich um die Betreuung von Kindern kümmern können und damit Frauen entlasten, die in ihren Jobs anwesend sein müssen oder wegen Kinderbetreuung zurückstecken.

Aber um traditionelle Einstellungen zu verändern, gilt es schon in der Schule anzusetzen, sodass Schüler sehen „Betreuung ist nicht nur ein Mama-Thema, sondern ist auch ein Papa-Thema“, sagt Onaran.

Auch Manuela Barišić, Autorin der Studie hat klare Ideen, wie der Gehaltsgap von Müttern verhindert oder zumindest verbessert werden kann: "Gute Ganztagsschulen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind genauso wichtig wie eine Reform des Ehegattensplittings und der Minijob-Regelungen", sagt sie im RTL-Interview.