"Wir wollen uns auch zu später Stunde an Problemecken auf die Lauer legen"

Berlin: Ungeimpftes Amtspersonal soll Müllsünder aufspüren

Berliner Bezirksamt-Mitarbeiter auf der Suche nach Umweltverschmutzern.
Berliner Bezirksamt-Mitarbeiter auf der Suche nach Umweltverschmutzern.
© Bezirksamt Pankow

07. Dezember 2021 - 12:53 Uhr

Berlin-Neukölln: Letztes Jahr mussten 10.750 Tonnen Müll weggeschafft werden

Sperrmüll, alte Klamotten, Flaschen, und, und, und. Die Liste an Dingen, die auf Berlins Straßen illegal abgeladen wird, ist lang. Oft passiert das mitten in der Nacht, wenn es keiner mitbekommt. Allein in Berlin-Neukölln schaffte die Berliner Stadtreinigung letztes Jahr 10.750 Tonnen schweren Müll weg. Das Bezirksamt Pankow hat dieses Jahr eine neue Herangehensweise für sich gefunden: Sie wollen Müllsündern jetzt auf die Schliche kommen, gerade nachts.

Neue Rolle für ungeimpfte Bezirksmitarbeiter

Wie die "Berliner Morgenpost" berichtet, ist geimpftes und genesenes Personal aktuell stark in die Kontrolle von Zertifikaten in Bars und Restaurants eingebunden. Das heißt wiederum, dass diese Mitarbeiter an anderer Stelle fehlen und wichtige Aufgaben, wie die Suche nach Müllverursachern, hinten überfällt. Daher soll Pankows Bezirksmitarbeitern, die selbst nicht die 2G-Anforderungen erfüllen, diese wichtige Rolle zugeteilt werden. Die CDU-Ordnungsstadträtin Manuela Anders-Granitzki erklärt das Projekt so: "Wir wollen uns dabei auch zu später Stunde an Problemecken auf die Lauer legen". Auf diesem Wege sollen Umweltverschmutzer auf frischer Tat ertappt oder Hinweise zur Nachverfolgung gesucht werden.

Wichtig ist, dass das Thema Impfung im Bezirksamt Pankow dennoch diskret behandelt wird. Es gibt zwar die Überlegung, dass ungeimpfte Mitarbeiter für diese "Detektivarbeit" eingesetzt werden, aber der Impfstatus des Personals wird nicht öffentlich kommuniziert.

Müllsünder sollen Strafen erhalten

Weil sie ihren Müll illegal abladen, muss der Steuerzahler dafür aufkommen: Rund 4,6 Millionen Euro pro Jahr kostet die Beseitigung des Abfalls. Das Bezirksamt Pankow möchte die Müllverursacher dafür in die Pflicht nehmen. Deshalb sollen die "Müllkontrolleure" gezielt nach Dokumenten mit Adressen oder Namen suchen, um die Müllverursacher zu überführen.

In vielen Fällen findet man leider keine Hinweise auf die Umweltverschmutzer, so wie in einem krassen Fall der laufenden "Weihnachtsschön"-Aktion. "Vergangene Woche mussten wir Asbestplatten an der Wiltbergstraße in Buch beseitigen", erzählt Anders-Granitzki von einem Einsatz, "Und wir mussten sogar einen Kran holen, um die Asbestplatten abzutransportieren [...] leider wird es kaum möglich sein, die Verursacher zu stellen."

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Kein „Behörden-Pingpong“, sondern einfach ein "Sauberes Berlin"

Um die Sonderaktion "Pankow macht sich weihnachtsschön" möglichst unbürokratisch zu halten, kann jeder Bürger eine Mail an die Ordnungsstadträtin schreiben und der Abfallhaufen wird von einer Fachfirma umgehend entsorgt. Gezahlt wird das Ganze mit den rund 67.000 Euro, die kurz vor Jahresende noch im Fördertopf "Sauberes Berlin" sind. Mit diesem Geld sollen Berlins nordöstlichen Kieze "weihnachtsschön" gemacht werden. Das Bezirksamt Pankow erhofft sich durch das neue Prozedere einige der Müllsünder zu überführen und den Kampagnentopf wieder etwas zu füllen. (mmü)