Untersuchung enthüllt

EM-Finale wurde fast zur tödlichen Katastrophe

Viel zu viele Fans tummelten sich beim EM-Finale vor dem Wembley-Stadion.
Viel zu viele Fans tummelten sich beim EM-Finale vor dem Wembley-Stadion.
© dpa

03. Dezember 2021 - 20:05 Uhr

Zum Glück kam es nicht so weit!

Das Chaos, das tausende Fans ohne Tickets beim Finale der Fußball-Europameisterschaft im vergangenen Sommer am Londoner Wembley-Stadium verursachten, hätte tödlich enden können. Zu diesem Ergebnis ist eine unabhängige Untersuchung im Auftrag des englischen Fußballverbands FA gekommen. Regierung, die Polizei und Organisatoren müssen sich schwere Vorwürfe gefallen lassen.

Betrunkene Fans stürmten Stadiongelände

Demnach gab es eine Serie von Ereignissen vor und während des Spiels zwischen England und Italien am 11. Juli (2:3 nach Elfmeterschießen), die zu "erheblichen Verletzungen oder Tod" hätten führen können. So hätte das Verhalten von alkoholisierten und teils unter Drogen stehenden Fans, die das Stadiongelände stürmten, beispielsweise den massenhaften Sturz auf Treppen, das Niedertrampeln von Menschen und das Zusammenbrechen von Hindernissen herbeiführen können, hieß es im Bericht.

Der Untersuchung zufolge hatten etwa 2.000 Menschen ohne Tickets an dem Finaltag unrechtmäßig Zugang zum Stadiongelände erlangt. Teilweise sprangen sie dabei über Drehkreuze oder öffneten Brandschutztüren oder Eingänge für Rollstuhlfahrer. Nur rund 400 konnten wieder entfernt werden.

Insgesamt waren etwa 100.000 Menschen zum Stadion gereist, die den Zugangsweg zum Stadion in eine inoffizielle Fan-Zone verwandelten. Nur etwa 60.000 Menschen waren zugelassen.

Schwere Vorwürfe gegen Regierung und Polizei

Der Druck auf das Stadion hätte nach Ansicht des Untersuchungskomitees durch offizielle Fan-Zonen gemindert werden können. Das habe die Regierung trotz Bitten der Polizei wegen der Corona-Auflagen aber abgelehnt. Gleichzeitig habe aber die Ankündigung eines "Freedom-Days" mit Aufhebung aller Corona-Maßnahmen für den 19. Juli im Zusammenspiel mit der ersten Final-Teilnahme bei einem großen Turnier seit 55 Jahren zu einem "perfekten Sturm" von Euphorie bei den Fans geführt.

Der Polizei wird vorgeworfen, Anzeichen für das Gewaltpotenzial der Fans nicht richtig gedeutet zu haben. Mangelhafte Voraussicht habe zu einem "kollektiven Versagen" der Beteiligten bei der Durchführung des Großevents geführt. (sfu/dpa)