Bundesweit erstes Urteil

Beim Sex heimlich das Kondom abgezogen - Polizist in Berlin wegen "Stealthing" verurteilt

19. Dezember 2018 - 14:18 Uhr

Sex war einvernehmlich, daher war es keine Vergewaltigung

So einen Prozess gab es bei uns noch nie und jetzt diskutiert ganz Deutschland über das Urteil: Es geht um "Stealthing" - heimlich beim Geschlechtsverkehr das Kondom abziehen und ungeschützt weitermachen. Dafür ist jetzt ein Polizist aus Berlin zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, im vermutlich ersten Fall, der vor einem Richter landete, berichtet der "Spiegel".

Acht Monate auf Bewährung und 3.000 Euro an das Opfer

Der 37-jährige Angeklagte hatte sich mit einer 21-jährigen Internet-Bekanntschaft zum Sex verabredet. Auf den erklärten Wunsch der jungen Frau mit Kondom. Anfangs fand der Verkehr zwischen den beiden auch so wie verabredet statt, doch dann streifte der Mann bei einem Stellungswechsel das Gummi ab und machte ohne weiter - ohne ihr davon etwas zu sagen.

Er behauptet, geglaubt zu haben, das Kondom sei gerissen. Deswegen habe er es abgestreift. Diese Darstellung glaubte das Gericht nicht und verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten sowie der Zahlung von 3.095,59 Euro, so das Magazin weiter. 

Polizist darf Job behalten

Aufsehen hatte der Fall hervorgerufen, weil das Gericht auch klären musste, ob mit dem Weglassen des Kondoms auch der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt war. Dies sahen die Richter anders und werteten die Straftat des Polizisten als "sexuellen Übergriff", auch, weil der Sex an sich einvernehmlich war.

Für den Polizisten bedeutet das, dass er weiter seinem Beruf nachgehen kann. Bei einer Verurteilung als Vergewaltiger (Mindeststrafe zwei Jahre) hätte er nicht nur automatisch seinen Job, sondern auch seine Pensionsansprüche verloren.