Ein kleines deutsches WM-Märchen

"Bayern-Kniff" rettet die Nationalmannschaft: Warum Niclas Füllkrug nicht mehr wegzudenken ist

DFB-Elf darf aufs Weiterkommen hoffen DFB-Elf darf aufs Weiterkommen hoffen
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DFB-Elf darf aufs Weiterkommen hoffen
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Nein, Deutschlands neuer Fußball-Held Niclas Füllkrug ist auch an diesem Montagvormittag noch kein Harry Kane, kein Cristiano Ronaldo und auch kein Neymar. Aber Eric Maxim Choupo-Moting ist eben auch kein Robert Lewandowski! Was das miteinander zu tun hat? So einiges. Denn das Deutschland bei der WM in Katar noch eine aktive Rolle spielt, sprich ums Achtelfinale kämpft ( wie Sie hier nachlesen können), das hängt unmittelbar mit dem „Choupo-Moting“-Effekt zusammen.

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Nagelsmann wurde zum Glück "gezwungen"

Kurzes Impulsreferat dazu aus der Fußball-Wissenschaft: Der FC Bayern suchte nach dem Abgang von Lewandowski in diesem Sommer nach einer flexiblen Lösung für das eigene Tor-Glück. Viele kleine, schnelle Spieler sollten die Aufgabe des erfolgreichen Abschlusses schultern. Das gelang zunächst gut, dann immer schlechter. Und die Münchner stolperten in einer massive (Ergebnis)-Krise. Trainer Julian Nagelsmann bekam so viel Gegenwind wie selten zuvor. Er solle endlich über seinen Taktik-Schatten springen und auf einen Stürmer setzen! Auf einen „echten“ Neuner, also probierte er den ewigen Ersatzmann „Choupo“ aus – und es lief.

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So, und nun zurück zur tristen Realität im Wüsten-Emirat Katar, die aus deutscher Sicht indes nicht mehr ganz so trist ist, wie noch bis Sonntagmittag befürchtet worden war. Weil Costa Rica völlig überraschend Japan geschlagen hatte und Deutschland gegen Spanien einen Punkt holte, hat sich die Ausgangslage mit Blick auf die K.o.-Runde klar verbessert. Sie ist nun ordentlich. Entscheidend dafür: die Einwechselung und das Tor von Füllkrug. Mit ihm kam Präsenz, Wucht und Kopfballstärke, auch wenn der Treffer humorlos mit dem rechten Fuß erzielt worden war.

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"Lückes" Effizienz: Drittes Länderspiel, zweites Tor. 

Dieses kleine Märchen in der Wüste könnte nun große Folgen haben. Denn Füllkrug drängt mit seinen Qualitäten in die Startelf. Und er bringt etwas mit, was seinen überwiegend vom FC Bayern abgestellten Teamkollegen (die sich am Choupo-Moting-Effekt erfreuen) seit Monaten im DFB-Trikot abgeht: Effizienz nämlich. Drittes Länderspiel, zweites Tor.

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Klar, das erste erzielte er „nur“ im Vor-WM-Test gegen den Oman, aber wie er den Ball in einer Bewegung mitgenommen und verwandelt hatte, das reihte sich in die erfolgreiche Erzählung der großen deutschen Stürmer ein. Und tatsächlich war die Nationalmannschaft ja immer dann am besten, wenn vorne ein durchsetzungsstarker Mann stand: Helmut Rahn, Gerd Müller, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, Oliver Bierhoff oder zuletzt Miroslav Klose.

Das denkt der Matchwinner über seinen Treffer

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Füllkrug, das "Biest eines Mannes".

Ja, tatsächlich, seit Klose sucht Deutschland einen „echten Neuner“. Nicht alle Experimente gingen seither schief, aber die goldene Formel fanden weder Joachim Löw noch Flick. Das könnte sich nun ändern. Füllkrug, das bekannte der Bundestrainer schon vor der Nominierung im RTL-Interview, habe ein Paket, dass es sonst im deutschen Fußball nicht gebe. Nun hat der Mann, den sie „Lücke“ rufen (wegen seiner markanten Zahnlücke) es auf der großen Bühne vorgezeigt. Und wohl kaum jemand im Land wünscht sich, dass er schnell wieder einpacken soll. Gerade gegen die sehr defensiven Costa Ricaner könnte Füllkrug der Schlüsselspieler sein.

Für ihn müsste dann vermutlich Thomas Müller weichen. Die bayrische Ikone kämpft nach seiner Verletzung sichtbar um seine Form. Er ist zwar sehr umtriebig und als Kommunikator eigentlich unverzichtbar für die Mannschaft. Aber in vorderster Linie strahlte er keine Gefahr aus. Und auf dem Flügel hatte der ebenfalls eingewechselte Leroy Sané reichlich Werbung für sich betrieben – vor allem im Zusammenspiel mit Füllkrug. Und an Supertalent Jamal Musiala geht eh kein Weg mehr vorbei. Flick hat plötzlich offensive Luxus-Probleme.

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Und dieser Junge hat ja einfach einen Lauf. Auf dem englischen Twitterkanal feiert der DFB den Mittelstürmer als "Biest eines Mannes". Das trifft es bei diesem Gewaltstrahl gegen Spanien in den Winkel ganz gut. Ohne Rücksicht auf Freund und Feind, nur einen Gedanken im Kopf: Der Ball muss ins Tor. Genau diese simple Phrase, in der Realität jedoch oft so schwer umsetzbar, setzt er bei Werder Bremen seit anderthalb in mittlerweile beängstigender Beständigkeit um. Zunächst in der 2. Liga mit seinem kongenialen Sturmpartner Marvin Ducksch. Anschließend seit dem Sommer in der höchsten deutschen Spielklasse, wo er der treffsicherste deutsche Torschütze (10 Treffer) ist. Und nun bei der WM. Er hat die „Lücke“ geschlossen. (tno)