Viele halten es nicht länger als fünf Jahre aus

Auf Reimanns Spuren: Warum Deutsche auswandern

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der deutschen Auswanderer Stück für Stück gestiegen.
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4. Dezember 2019 - 16:05 Uhr

Die Reimanns sind nicht die typischen Auswanderer

Beim Thema Auswandern darf diese Familie nicht fehlen: die Reimanns. Das sympathische Gespann um den Hamburger Unternehmer Konny Reimann erfreute unzählige Zuschauer in der TV-Show "Goodbye Deutschland" und flackert nun regelmäßig in der Doku-Soap "Die Reimanns - ein außergewöhnliches Leben" über die deutschen Bildschirme. Dass die sympathische Familie als Gespann in die USA gezogen und dort dauerhaft sesshaft geworden ist, ist gar nicht so typisch. Das beweist eine neue Studie zum Thema deutsche Auswanderer und Rückkehrer.

Vier Millionen Deutsche wohnen im Ausland

Der deutschen Heimat den Rücken kehren und sein Glück im Ausland versuchen: Das wollen viele. Die aktuelle Untersuchung macht deutlich, wen es aus Deutschland weg zieht und warum. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der deutschen Auswanderer Stück für Stück gestiegen. Umfragen zeigen: Jeder Fünfte hat schon mindestens einmal für mehr als drei Monate im Ausland gewohnt. "Zurzeit leben rund vier Millionen Deutsche im Ausland", sagt der Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung Norbert F. Schneider.

Zusammen mit der Universität Duisburg-Essen hat das Bundesinstitut 10.000 Deutsche nach ihren Erfahrungen und Beweggründen für einen Umzug gefragt. Jeder dritte Befragte gibt an, dass er oder sie dauerhaft im Ausland leben wollen. Bei denjenigen, die wieder zurückgekehrt sind, zeigt sich jedoch: 60 Prozent hielten es maximal fünf Jahre fernab der deutschen Heimat aus.

Schweiz ist das beliebteste Ziel

Frauen und Männer zieht es dabei gleichermaßen in die weite Welt. Die Menschen, die tatsächlich Deutschland verlassen, sind allerdings überwiegend jung. Ihr Durchschnittsalter beträgt 36,6 Jahre. Das Durchschnittsalter in Deutschland liegt dagegen zehn Jahre darüber. Und entgegen möglicherweise anderslautender Vermutungen fanden die Wissenschaftler heraus: In den letzten zehn Jahren erkundeten die Deutschen vor allem in die nähere Umgebung, nämlich die Schweiz. Auf den Rängen danach folgten die von den Reimanns bevorzugten USA, Österreich und Großbritannien.

Rentner ziehen wegen des Klimas ans Mittelmeer

Auch in diesem Sommer wird es nicht langweilig bei den Reimanns (v.li.) Manuela, Konny und ihren Kindern Jason und Janina, denn Deutschlands beliebteste Auswandererfamilie geht auf einen abenteuerlichen Road Trip quer durch die USA.
Die Reimanns sind Deutschland wohl bekannteste Auswandererfamilie.

Für diejenigen, die den Schritt eines internationalen Umzugs wagen, lohnt sich das. Egal ob sie einen Bachelor, Master, Doktor oder keinen Hochschulabschluss haben: Im Durchschnitt verdienen sie im Ausland knapp 1.200 Euro netto mehr im Monat, wenn sie Vollzeit arbeiten. Darum ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Menschen vor allem aus beruflichen Gründen ins Ausland ziehen. Bei vielen besteht zudem der Wunsch, einen bestimmten Lebensstil zu verwirklichen. Darunter sind zum Beispiel auch Rentner, die es sich des Klimas wegen am Mittelmeer gemütlich machen, sagt Direktor Schneider. Nur eine Minderheit gibt an, unzufrieden in Deutschland zu sein und deswegen auszuwandern.

"Auswanderer folgen eher klassischen Rollenbildern"

Wenn es darum geht, seinem Partner ins Ausland zu folgen, entscheiden sich vor allem Frauen für diese Variante. "Auswanderer folgen eher klassischen Rollenbildern", sagt dazu der Soziologe Marcel Erlinghagen von der Universität Duisburg-Essen. Das bedeutet, die Karriere der Männer hat bei den Kosmopoliten mehr Bedeutung als die der Frauen.

Im Durchschnitt wandern 180.000 Menschen jedes Jahr aus. 129.000 Deutsche kehren dagegen wieder zurück. Warum? Das hat zum Teil familiäre Gründe. Kinderlose Paare bilden einen größeren Anteil bei denjenigen, die auswandern, als bei denjenigen, die zurückgekehrt sind. Das scheint einleuchtend: Gibt es keine Verpflichtungen etwa durch Sprösslinge, die noch zur Schule gehen, fällt es den Menschen leichter, ihr Leben in Deutschland aufzugeben. Zumindest für einen begrenzten Zeitraum. Wenn die Familienplanung dann ansteht und es Nachwuchs im schulpflichtigen Alter gibt, könnte eine Rückkehr nach Deutschland eine Option sein.

Freundschaften leiden unter Wegzug

Freundschaften im Ausland pflegen - gar nicht so leicht
Die sozialen Kontakte leiden unter dem Wegzug ins Ausland.
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Ein anderer Grund ist, dass die sozialen Kontakte im Ausland leiden. Für viele Menschen ist es schwer, regelmäßig mit ihren besten Freunden oder nahen Verwandten zu schreiben oder sie zu besuchen, wenn sie Tausende Kilometer entfernt leben. Für 36 Prozent der Befragten wirkt sich der Umzug ins Ausland negativ auf den Freundes- und Bekanntenkreis aus, schreiben die Studienautoren. Auf lange Sicht kann das natürlich zur Belastung werden.