Kinderfotos haben im Netz nichts verloren

Auch unsere Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre!

16. August 2019 - 9:45 Uhr

von Ingo Jacobs

Ich habe es getan, ich gebe es zu: Ich habe ein Foto von meinem 2-jährigen Sohn und mir bei RTL.de veröffentlicht. Dabei hätte ich das nicht tun dürfen. Warum? Weil ich es so mit meiner Frau abgemacht habe. Wir waren uns einig: Wir veröffentlichen keine Fotos, auf denen er deutlich zu erkennen ist, auf Social Media oder sonstwo im öffentlichen Netz.

Kinder können Eltern das Bilder-Posten verbieten

Erlaubt sind bei uns nur Bilder von der Seite oder von hinten - oder halb verdeckt. Und das auch nur selten. Denn: Was einmal im Netz ist, verschwindet dort so schnell nicht wieder. Auch ein Kind hat ein Recht auf Privatsphäre und am eigenen Bild. Es kann Ihnen sogar verbieten, Bilder zu veröffentlichen, wie ein Medienrecht-Experte in unserem Video erklärt!

Wir "liken" uns damit ja bloß selbst

Aber viele Eltern tun es ständig, nicht nur im Urlaub: All die tollen Fortschritte und putzigen Momente wollen mit Freunden und Familie geteilt werden. Dafür gibt es ja auch viele Herzchen und Likes - und darüber freuen sich ja zuerst einmal die Mama und der Papa. Wir wissen ja alle, dass soziale Netzwerke hauptsächlich über Belohnungshormone funktionieren: Endorphine fluten unser Hirn, wenn wir positive Rückmeldung bekommen. Das tut richtig gut! Und wieso auch nicht? Auch die moderne Psychologie sagt: Ein Mensch muss sich auch selbst lieben, um glücklich zu sein. Bilder von den süßen Kleinen bringen natürlich besonders viel positives Feedback. Aha, erwischt! Mal ganz ehrlich: Es geht also gar nicht darum, die Kleinen glücklich zu machen - sondern nur uns selbst!

Ab wann soll ein Kind selbst entscheiden?

Ein verpixeltes Kind mit Redakteur
So und nicht anders soll es sein: Nur Fotos, wo mein Sohn nicht deutlich zu erkennen ist, dürfen öffentlich im Netz zu finden sein. Deswegen habe ich dieses Bild jetzt verpixelt!
© Ingo Jacobs, keine

Aber natürlich nutze ich das Netz, um Bilder mit Freunden und Familie zu teilen: Über Whatsapp oder den Messenger, auch bei Google Fotos gibt es ein fortlaufendes Album - aber das sind Medien, bei denen eben nur ein ausgewählter Kreis die Bilder zu sehen bekommt. Da darf der kleine Mann dann auch nackig im Sand oder im Planschbecken gezeigt werden. Denn ich weiß sicher, dass im Adressatenkreis auch keine perversen Spanner dabei sind.

Die nächste Frage, die sich irgendwann stellen wird, ist dann: Ab wann darf ein Kind selbst entscheiden, ob und welche Bilder es öffentlich ins Netz posten will? Bis dahin ist Gott sei Dank noch Zeit, sich darüber Gedanken zu machen!