Angeborene anorektale Fehlbildung

Analatresie: Wenn bei der Geburt die Analöffnung fehlt

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3. April 2019 - 8:16 Uhr

Das ist eine Analatresie

Bei der Analatresie, auch anorektale Fehlbildung genannt, handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung des Enddarms. Neugeborenen fehlt in diesem Fall der Anus, aus dem der Darminhalt ausgeschieden wird.

Jungen häufiger als Mädchen betroffen

Eine Analatresie kommt relativ häufig vor, laut Studien ungefähr bei 1:3.000 bis 4.000 Geburten. Jungen sind mit 60 Prozent häufiger betroffen als Mädchen (40 Prozent). Unterschieden werden Formen der Analatresie mit oder ohne zusätzliche Fehlbildung. Bei einem Jungen kann zum Beispiel eine Fistel zwischen Enddarm und Harnröhre entstehen, bei einem Mädchen zwischen Enddarm und Vagina.

Eine Ursache der Fehlbildung konnte bislang in keinen Studien nachgewiesen werden. Wissenschaftler vermuten, dass genetische Faktoren entscheidend für eine Analatresie sind.

Diagnose und Therapie einer Analatresie

Eine Analatresie wird in der Regel direkt nach der Geburt durch die Hebamme oder den Kinderarzt bei der Erstuntersuchung festgestellt. Im Ultraschall während der Schwangerschaft wird sie kaum erkannt.

In den ersten Tagen nach der Geburt muss das Kind auf Begleitfehlbildungen untersucht werden. So können Fehlbildungen am Herz und Magen-Darm-Trakt oder am Harntrakt aufreten. 50 bis 60 Prozent der betroffenen Kinder haben Begleitfehlbildungen. Nach der gesamten Diagnose muss der Arzt entscheiden, ob Lebensgefahr besteht und eine sofortige OP notwendig ist. Ist das nicht der Fall, erfolgt die Hauptoperation zwischen dem dritten und neunten Monat.

Bei einer Analatresie muss die Analöffnung durch eine Operation rekonstruiert werden. Bei dem Eingriff wird die äußere oder innere Fistel verschlossen und die Analöffnung im Zentrum der Schließmuskulatur rekonstruiert. Je nach Fehlbildung muss ein künstlicher Dickdarm-Ausgang (Kolostomie) angelegt werden.

Spätfolgen einer Analatresie

Nach erfolgreichem Eingriff haben die meisten Kinder später keine Probleme mit dem Stuhlgang. Rund ein Viertel der Kinder leidet später an Stuhlinkontinenz und Verstopfung. Sie sind später auf Inkontinenz-Hilfsmittel angewiesen, um den Alltag zu bewältigen.