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Lukas Murajda diagnostizierte Corona-Patient Null in Berlin

Amtsarzt nach einem Jahr Corona: "Ohne meine Familie würde ich das nicht schaffen"

Dr. Lukas Murajda, Amtsarzt Berlin Mitte
Dr. Lukas Murajda, Amtsarzt Berlin Mitte
© RTL, ML

02. März 2021 - 18:37 Uhr

Tochter (3): „Papa rettet die Welt“

Lukas Murajda ist Amtsarzt in Berlin Mitte und hat in der Nacht zum 1. März 2020 den ersten Corona-Fall in der Hauptstadt diagnostiziert. Patient Null ist ein 22-jähriger Praktikant, der mit zwei Freunden in einer WG lebt. Dass dieser junge Mann bei seiner Diagnose ein Tigerkostüm trägt, verbucht der in der Slowakei geborene Amtsarzt als "typisch Berlin". Und dass diese Pandemie bis Ostern 2020 vorbei sein würde, davon war Dr. Murajda überzeugt. "Es hat sich schnell gezeigt, dass das nicht realistisch ist - trotz der Motivation und eines unglaublich fähigen Teams. Wir haben jetzt eine andere Realität." Im Interview mit RTL erzählt Lukas Murajdas, was es für ihn und seine Familie bedeutet, Amtsarzt in Berlin während der Corona-Krise zu sein.

"Ich glaube, ich bin gerade ein schlechter Vater und Ehemann"

Seit einem Jahr ist Lukas Murajda nun unermüdlich im Einsatz. Es gilt, Zahlen zu liefern, zu koordinieren, Strategien zu entwickeln, Kontakte zu ermitteln und zu isolieren. Anfangs braucht er dafür fünf Handys, jetzt sind es noch zwei. Er wirft sich in Arbeit, seine Familie bleibt oft auf der Strecke. Seine dreijährige Tochter geht davon aus, dass Papa "die Welt rettet". Das hat Dr. Murajdas Frau der Kleinen erklärt, als diese mal wieder fragt, wo der Papa bleibt.

"Ohne meine Familie würde ich das nicht schaffen. Es ist sehr belastend, was wir machen. Wir sind ständig im Einsatz. Es ist eine unglaubliche Unterstützung, die ich zu Hause habe." Murajda erzählt, wie er morgens um 6 Uhr aufsteht, Mails liest, den Tag vorbereitet. Mittlerweile bringt er seine Tochter manchmal morgens in die Kita: "Das ist sehr stressig, weil ich dann immer schon an meine Aufgaben und Telefon-Konferenzen denke." Wenn er abends nach Hause kommt, wird seine Tochter schon schlafen. Dann erzählt er seiner Frau kurz das Wichtigste vom Tag und geht schnell schlafen. "Ich glaube, ich bin gerade ein schlechter Vater und Ehemann.", befürchtet der Arzt. Aber "ich gebe mir Mühe".

Corona sei Teil seines Lebens geworden. "Es gibt kein anderes Thema bei uns außer Corona. Meine Frau schafft es immer noch, zuzuhören. Ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde." Er bewundere seine Frau für ihre Geduld und Unterstützung. Nur einmal habe sie angedeutet, dass er der Familie fehle: "Meine Frau hat gesagt, komm wenigstens zum Schlafen nach Hause, sonst sehe ich dich nur noch in den Medien. Das war ein Warnsignal."

Lukas Murajda: "Ich bin realistischer geworden"

Am Anfang der Pandemie ist sich Lukas Murajda noch sicher, dass er durch akribische Arbeit, das Virus in Berlin stoppen kann. "Zu der Zeit dachte ich, wir werden unglaublich schnell gewinnen." In detektivischer Detailarbeit wurde jeder Corona-Fall analysiert und mögliche Kontakte nachverfolgt und isoliert. "Ich hatte mir das so vorgestellt, dass wir die Infizierten komplett auffangen können und innerhalb von ein paar Monaten haben wir einen Impfstoff." Auch im engsten Familienkreis infizieren sich Angehörige. Seine Eltern in der Slowakei erkranken schwer an Covid-19. Er kann nicht bei ihnen sein, telefoniert aber täglich mit ihnen, macht sich große Sorgen. Nun geht es ihnen wieder gut. Aber die Pandemie ist immernoch da, auf der ganzen Welt. "Ich bin realistischer. Die Frage ist, ob es Ostern 2022 vorbei sein wird. Da habe ich große Hoffnungen."

Und dann will Lukas Murajda, Amtsarzt von Berlin Mitte und Arzt des ersten Corona-Patienten in Berlin, unbedingt Zeit mit seiner Familie verbringen. Nach Salzburg und an die Ostsee soll es gehen. Bis dahin sei man aber noch stark ausgelastet: "Im Amt sind wir noch immer voll im Einsatz. Nach wie Sorgen um Personal, Ausstattung, schnelle Kommunikation, strategische Entscheidungen." Er wird auch weiterhin versuchen, seinen Beruf und die Familie irgendwie unter einen Hut zu bekommen. "Die Motivation bei mir ist sehr groß. Aber man muss ehrlich sagen, wir haben nicht damit gerechnet, dass es so lange dauern wird. Aber die Welt muss gerettet werden. Ich kann jetzt nicht sagen, es ist Schluss."

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