Mieten, nein danke!

Alternatives Wohnen: Sozial verträglich und kostengünstig

10. September 2019 - 11:56 Uhr

Bezahlbare Wohnungen und Grundstücke Mangelware

Überfüllte Großstädte, Wohnungsknappheit, explodierende Mieten, Fantasiepreise für Immobilien, Anonymität und Leben auf engem Raum sprechen für alternatives Wohnen. Welche Möglichkeiten aber gibt es für Studenten, junge Paare, Familien und Senioren, die kostengünstig, umweltbewusst und sozial verträglich wohnen möchten?

Das Hausboot

Ein modernes Hausboot kann heutzutage gerne mal die Größe eines Einfamilienhauses annehmen und auch in Sachen Komfort steht es einem konventionellen Haus in nichts nach. Gefahren wird mit der Wohnlandschaft auf schwimmenden Beton- oder Stahlpontons eher selten – meist werden diese an ihren Bestimmungsort geschleppt und verbleiben dort.

Vorteile

  • Besonders die Nähe zur Natur und zum Wasser machen ein Hausboot für Bauherren heute so attraktiv
  • Selbst stadtnah ist ein solches Leben auf dem Wasser möglich
  • Für jeden Geschmack ist das passende schwimmende Zuhause auf dem Markt – von topmodern bis retro
  • Ein altes Boot kann umgebaut werden und so den Wünschen des neuen Besitzers entsprechen
  • Bei einem neuen Hausboot verhält es sich nicht anders, wie bei einem "normalen" Neubau: Form, Größe, Anzahl der Stockwerke, aber auch Farben und Materialien sind frei wählbar
  • Auch die Raumaufteilung im Hausboot ist individuell planbar, da nur die Außenwände tragend sind

Nachteile

  • Einen Garten sucht man auf einem Hausboot meist vergebens
  • Auch das Wohnen mit Kindern birgt Gefahren – sie können leicht über Bord gehen
  • Ebenso könnte die Privatsphäre leiden, denn ein Hausboot ist immer noch eine architektonische Besonderheit und zieht automatisch Neugierige an
  • Internet, Wasser- und Stromleitungen müssen verlegt werden, es sei denn, es gibt bereits für andere Hausboote die entsprechenden Zuleitungen
  • Alle zehn Jahre muss außerdem der Ponton vom Hausboot überprüft und gegebenenfalls in Stand gesetzt werden

Tiny Houses und Minihäuser

Wohnraum wird knapper und Mietraum teurer, zwei der Faktoren die den Trend "Tiny House" Aufwind verleihen
Tiny House: Der Trend zum Wohnen auf engstem Raum kommt aus Amerika
© Beitrag: _Tiny House", MG RTL D

Der Trend zum Wohnen auf wenigen Quadratmetern kommt aus Amerika. Der Vorteil: Die Tiny Houses (engl. winzige Häuser) sind meist preiswert, umweltverträglich und lassen sich teilweise sogar versetzen. Die Idee dahinter: weniger besitzen, mehr teilen, sich auf das Wesentliche besinnen. Tiny Houses sind zwischen zehn und 55 Quadratmeter groß, haben ursprünglich eine konventionelle Form mit einem Satteldach.

Vorteile

  • Mini-Häuser sind oftmals auf einem entsprechenden Anhänger montiert. Dadurch werden sie mobil
  • In einem Tiny House fallen weniger Energie- und Reparaturkosten an als in einem konventionellen Haus
  • Es ist günstig in der Anschaffung - und Steuern und Versicherungskosten fallen geringer aus
  • Zwangsläufig verschwendet man weniger Lebensmittel, verbraucht weniger Wasser und produziert weniger Müll
  • Mit einem eigenen kleinen Ofen/Infrarotheizung, einer Regenaufbereitungsanlage und einer Solar- oder Photovoltaikanlage kann man in einem Tiny House autark leben

Nachteile

  • Komplizierte Bauvorschriften, Genehmigungspflichten und Straßenverkehrsverordnungen verhindern die Ausbreitung der Tiny Houses
  • So ein kleines Haus irgendwo hinzubauen, erlauben die deutschen Gesetze nicht. Das geltende Baurecht müsste erst auf die neue Wohnform angewendet werden
  • Sich einfach auf eine Wiese, an den Waldrand oder an einen See zu stellen, ist verboten
  • Die Campingplatzverordnung schließt Gebäudehöhen über 3,50 Meter aus. Dennoch lassen manche Betreiber Tiny Houses auf ihren Plätzen zu, denn grundsätzlich gehören die kleinen Häuser nicht zu den Mobilheimen, sondern zu den Wohnwagen

Bauwagen und Wohncontainer

Wohnen im Container wird in Deutschland immer beliebter
Wohnen im Container wird immer beliebter
© iStockphoto

Auch das Leben in einem Bauwagen oder einem Container findet immer mehr Anhänger. Es ist ebenfalls nachhaltig, flexibel und günstig. Gerade mobile Häuser passen in die heutige Zeit, in der häufige Wohnungswechsel keine Seltenheit sind. Bauwagen und Wohncontainer gehören zur Gruppe der Tiny Houses.

Ökodorf und Ecovillages

Zusammen wohnen und arbeiten auf nachhaltige Art und Weise: So sieht das Leben in Ökodörfern aus. Und diese Form des alternativen Wohnens wächst. Denn während "draußen" die Globalisierung voranschreitet, scheinen die Ökodörfer und Ecovillages einen kleinen, schützenden Raum zu bieten, um neue Lebensformen zu erproben.

Vorteile

  • Erneuerbare Energiequellen und ein autofreies Leben in der Natur
  • Eine ökologische Bauweise, eine Arbeit, für die man sich berufen fühlt, eine soziale Absicherung und Bildung im ökologischen Bereich
  • Die Bewohner genießen Freiheit, Ruhe und Individualität
  • Ähnlich gesinnte Menschen um sich haben, mit ihnen zusammenarbeiten, teilen und feiern
  • Der ökologische Fußabdruck soll lediglich ein Drittel des Bundesdurchschnitts betragen

Nachteile

  • Ökodörfer liegen oft in strukturschwachen Regionen
  • Es gibt meist kein kulturelles Zentrum und keine Großstadt in der Nähe
  • Die Ressourcen müssen geteilt werden und auch die Abgrenzung von Privatem und Gemeinschaftlichem ist nicht immer leicht
  • Unterschiedliche Ansichten und Wertvorstellungen können zu Konflikten führen. Das Ringen um Lösungen ist dabei oft langwierig und aufreibend

Wohnen auf dem Campingplatz

Wohnen auf dem Campingplatz ist im Trend
Es gibt ein wachsendes Interesse am Wohnen auf dem Campingplatz
© iStockphoto

Schätzungen zufolge leben bereits über 300.000 Menschen in Deutschland dauerhaft auf einem Campingplatz. Dass die Tendenz steigend ist, ist dabei nicht verwunderlich. Akuter Wohnungsmangel in vielen Regionen Deutschlands und damit einhergehende Mieterhöhungen führen zu einer steigenden Nachfrage nach alternativen Wohnmöglichkeiten.

Vorteile

  • Je nach Vorliebe kann ein geeigneter Campingplatz auf dem Land, in Stadtnähe, am See oder auch am Meer liegen
  • Wichtig! Auf dem Campingplatz muss es Dauerstellplätze geben und die Anmeldung als Erst- oder Zweitwohnsitz muss möglich sein
  • Das Leben in einem Campingwagen ist viel kostengünstiger als eine entsprechende Wohnung
  • Für Familien mit Kindern ist das Leben auf dem Campingplatz ebenfalls eine finanziell attraktive Alternative

Nachteile

  • Die Rechtslage beim Wohnen auf dem Campingplatz in Deutschland nicht klar geregelt
  • Die Frage der Legalität oder Illegalität ist schwammig und von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich ausgelegt. Grundsätzlich aber ist es nicht verboten auf dem Campingplatz dauerhaft zu wohnen
  • Leben auf engem Raum und wenig Privatsphäre können zum Problem werden

Leben in einer Wohngemeinschaft

Mit anderen Menschen eine Wohnung oder ein Haus zu teilen ist nichts Neues. Die Wohnform einer WG gibt es heutzutage in verschiedenen Lebenssituationen. Die klassische Form ist die Studenten-WG, die meistens aus finanziellen Gründen bezogen wird. Senioren-WGs werden im Alter in den meisten Fällen als Einzelperson gesucht. Entweder von dem Überlebenden aus einer Partner- oder Lebensgemeinschaft oder von jemandem, der Zeit seines Lebens Single war.

Vorteile

  • Eine WG bietet und fordert - beides zum Vorteil der WG-Bewohner
  • Kommunikation, soziale Integration, Geselligkeit und Gemeinschaft sind einige der bedeutenden Vorteile
  • Auch finanziell stehen WG-Bewohner besser da, denn ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft ist meist günstiger als eine Wohnung

Nachteile

  • Die fehlende Privatsphäre kann zum Problem werden
  • Unterschiedliche Interessen und Ansichten können zu Konflikten führen
  • Wer in einer WG wohnt, muss sich an Regeln und Absprachen halten, auch das kann zu Streitigkeiten führen

Wohnen für Hilfe

Beim Projekt "Wohnen für Hilfe" leben Studenten mit hilfsbedürftigen Menschen in einer Wohngemeinschaft zusammen und helfen ihnen. Dafür zahlen sie weniger Miete. Auch hier steht günstig und komfortabel im Vordergrund. In der Regel gilt: Eine Stunde Arbeit im Monat pro Quadratmeter Wohnfläche. Die Aufgaben sind vielfältig und werden individuell festgelegt, etwa Einkaufen, Kochen, Staubsaugen, Gartenpflege oder Hausaufgabenhilfe. Ausgenommen sind Pflegeleistungen jeglicher Art.

Wichtig beim Projekt "Wohnen für Hilfe" ist: Das Leben in einer Wohngemeinschaft mit Senioren oder Familien unterscheidet sich von dem in einer klassischen Studenten-WG. Durchfeierte Nächte oder ausschweifende WG-Partys gibt es nicht. Daher sollte sich jeder vorher gut überlegen, ob er die eigenen Prioritäten auf niedrige Mietkosten oder ein ausgelassenes Studentenleben setzen möchte.

„Mietshäuser Syndikat“

Immer mehr Menschen können sich die Miete nicht mehr leisten und werden verdrängt. Hier kommt der Verein "Mietshäuser Syndikat" ins Spiel. Er kann ein Mittel gegen Immobilienspekulation sein, denn es entzieht Wohnungen und Häuser dauerhaft dem Immobilienmarkt. Denn in Wohnprojekten nach dem "Mietshäuser Syndikat"-Modell werden Mieter ihre eigenen Vermieter und können in ihren Häusern unbefristet, günstig und selbstbestimmt wohnen.

Jedes der Hausprojekte ist autonom und eine eigenständige GmbH mit zwei Gesellschaftern - auf der einen Seite die Hausgemeinschaft und auf der anderen das "Mietshäuser Syndikat". Die Hausgemeinschaft entscheidet frei über alle Belange des Hauses. Sollte die Gemeinschaft das Haus verkaufen wollen, darf das Syndikat ein Veto einlegen.

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