Umbau bei Aldi Süd und Aldi Nord

Hunderte Beschäftigte fürchten um ihre Jobs

Aldi Süd und Aldi Nord bauen die Regionalgesellschaften um.
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19. Februar 2021 - 12:16 Uhr

Hunderte Aldi-Mitarbeiter müssen trotz starker Umsatzzahlen um Jobs fürchten

Besser könnte es bei Aldi Süd und Aldi Nord derzeit eigentlich gar nicht laufen: Die Corona-Krise beschert allen Lebensmittelhändlern erhebliche Umsatzzuwächse. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) verbuchten die Discounter Aldi, Lidl und Co. ein Umsatzplus von 9,2 Prozent. Doch bei Aldi Süd und Aldi Nord müssen trotz der starken Geschäftszahlen hunderte Mitarbeiter um ihre Jobs fürchten.

Diese sieben Regionalgesellschaften schließt Aldi

Grund ist der Umbau der Regionalgesellschaften von Aldi Süd und Aldi Nord. Wie die "Lebensmittelzeitung" berichtet, sollen in den nächsten zwei Jahren vier Regionalgesellschaften bei Aldi Süd geschlossen werden und drei Regionalgesellschaften bei Aldi Nord.

Betroffen sind folgende vier Standorte bei Aldi Süd:

  • Altenstadt (Bayern),
  • Ketsch (Baden Württemberg)
  • Montabaur (Rheinland-Pfalz)
  • Wittlich (Rheinland-Pfalz)

Und folgende drei Standorte bei Aldi Nord:

  • Bad Laasphe (Nordrhein-Westfalen)
  • Horst (Schleswig-Holstein)
  • Wittstock (Brandenburg)

Erste Schließung von Aldi-Süd-Regionalgesellschaft bereits im Sommer

In Wittlich soll das Zentrallager samt Verwaltung bereits zum 30. Juni 2021 schließen, berichtet der SWR. Rund 130 Aldi-Mitarbeiter müssen um ihre Jobs fürchten.

Auch die Regionalgesellschaft in Altenstadt muss bereits im Jahr 2021 dichtmachen, konkret zum 31. Oktober 2021. 200 Arbeitsplätze seien betroffen berichtet die "Südwest Presse". Die Sanierung des alten Standorts in Altenstadt würde sich nicht mehr lohnen.

Der Betrieb der Regionalgesellschaft in Montabaur werde zum 28. Februar 2022 eingestellt, berichtet die "Westerwälder Zeitung". 150 Arbeitsplätze fallen dann weg.

Laut "Rhein-Neckar-Zeitung" (RNZ) wird der Betrieb der Regionalgesellschaft Ketsch zum 30. April 2022 eingestellt. Betroffen sind 180 Mitarbeiter. Um die älteste bestehende Regionalgesellschaft zukunftsfähig betreiben zu können, wäre aus Sicht des Unternehmens eine Erweiterung nötig gewesen, die aufgrund der angrenzenden Hochspannungsleitungen und Wohngebiete nahezu unmöglich sei, erklärt das Unternehmen gegenüber der RNZ die Schließung der Regionalgesellschaft.

Insgesamt sind in den vier Regionalgesellschaften von Aldi Süd rund 660 Stellen betroffen. Für die Filialen in den Gebieten gibt Aldi-Süd Entwarnung: Dies betreffe aber nicht "die zu der Gesellschaft gehörenden Filialen und die dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verkauf." Alle Filialen sollen von den umliegenden Gesellschaften übernommen und weiterbetrieben werden.

Regionalgesellschaften von Aldi Nord schließen Ende des Jahres 2021

Durch die Schließung des Aldi-Zentrallagers in Wittstock werden 120 Arbeitsplätze verloren gehen, berichtet die "Märkische Oderzeitung".

Auch das Aldi-Verteilzentrum in Bad Laasphe soll Ende 2021 geschlossen werden. Betroffen sind rund 170 Mitarbeiter, meldet der "WDR".

Laut der "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" wird ebenfalls Ende 2021 das Regionallager von Aldi Nord in Bad Laasphe mit 160 Arbeitsplätzen schließen.

Bei Aldi Nord sind damit insgesamt rund 450 Mitarbeiter von der Verschlankung der Strukturen betroffen. Auch hier betont Aldi Nord, dass keine Jobs in den Filialen abgebaut werden. Die Filialen werden wie bei Aldi Süd von anderen Regionalgesellschaften beliefert und betreut.

Regionalgesellschaften wichtiger Bestandteil bei Aldi und Lidl

Die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord sind in Deutschland über mehrere eigenständige Regionalgesellschaften organisiert, die jeweils von einem alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer geleitet werden. Jede Regionalgesellschaft ist für etwa 50 bis 100 Filialen verantwortlich, bei Aldi Nord sind es im Durchschnitt rund 70 Filialen.

Nach der Schließung hat Aldi Süd noch 24 Niederlassungen, das Schwester-Unternehmen Aldi Nord kommt auf 25. Konkurrenten Lidl betreibt bundesweit 39 Niederlassungen.

Offen ist, was mit den über 1.000 Beschäftigten passiert, die von den Schließungen betroffen sind. Von betriebsbedingten Kündigungen bis Weiterbeschäftigung in anderen Standorten scheint derzeit noch alles möglich.