Tier wollte in Schule einbrechen

Alaska: Eisbär zerfleischt Mutter und Sohn (1) auf Schulweg

Summer Myomick (links), 24, und ihr einjähriger Sohn wurden in einem abgelegenen Dorf in Alaska von einem Eisbären tödlich zerfleischt. Sie ist hier mit dem Vater des Babys, Clyde Sr. (rechts), abgebildet
Summer Myomick (links) und ihr einjähriger Sohn (rechts) wurden in Alaska von einem Eisbären getötet. Sie ist hier mit dem Vater des Babys, Clyde Sr. (Mitte) abgebildet.
Facebook: Clyde Jr Ongtowasruk/jessie.roma

Tödliches Drama in Alaska! Eine Mutter (24) und ihr einjähriger Sohn wurden auf dem Schulweg von einem Eisbären zu Tode gebissen. Es war der erste tödliche Eisbärenangriff in Alaska seit 1990.

Hungriger Eisbär bricht beinahe in Schule voller Kinder ein

Es ist der Nachmittag des 17. Januar. Die 24-jährige Summer Myomick ist gerade dabei, mit ihrem Sohn eine Schule in Wales - einem kleinen Walfangort im ländlichen Alaska – zu verlassen, als das Unvorstellbare passiert: Am Eingang der Kingikmiut-Schule nähert sich plötzlich ein Eisbär, versucht offenbar, in das Gebäude einzudringen. Panisch eilen Schüler und Lehrer zurück in das Innere, während die Schulleiterin dem Eisbär regelrecht die Tür vor der Nase zuschlagen muss und die Gemeinde informiert. Das geht aus Zeugenangaben hervor, die der lokalen Zeitung „Anchorage Daily News“ vorliegen.

Mutter und Sohn befinden sich noch in Gefahrenzone

Der Gang zur -Kingikmiut-Schule, wo sich der Angriff am 17. Januar um 14:30 Uhr ereignete
Der Weg zur Kingikmiut-Schule, wo sich der Angriff am 17. Januar um 14.30 Uhr ereignete
AP

Der Bär hatte zuvor bereits mehrere Bewohner der Gemeinde gejagt, als er augenscheinlich auf Myomick und ihren einjährigen Sohn aufmerksam wird. Die beiden befinden sich zu dieser Zeit direkt neben dem Schuleingang. Für Summer Myomick und Clyde Ongtowasruk kommt jede Hilfe zu spät: Der Eisbär greift an und tötet sie. Erst kurz darauf gelingt es einem Gemeindemitglied, das Tier zu erschießen.

Mutter und Sohn lassen nicht nur Myomicks Lebensgefährten und Vater des Kindes in tiefer Trauer zurück, sondern auch die dreijährige Avita – das zweite Kind der Familie.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Angriff war nicht undenkbar, aber für Jahreszeit unerwartet

Wales ist ein abgelegenes 150-Seelen-Örtchen an der westlichsten Spitze Nordamerikas und noch etwa 80 Kilometer von Russland entfernt. Die dort lebende „Iñupiat“-Gemeinde organisiert zwischen Juli und November Patrouillen, um sich gegen Eisbären zu wappnen. In diesen Monaten friert die naheliegende Beringstraße zu, von der die Schule im Ort nur wenige hundert Meter entfernt ist. Dann ist es normal, dass sich Eisbären auf das Eis begeben, um Robben und Walrosse zu jagen. Doch der Angriff auf Myomick und ihren Sohn in dieser Januarwoche hat die Bewohner unvorbereitet überrascht.

Brutaler Einzelfall? Eisbärenangriffe sind selten

Eisbärangriffe sind sehr selten - werden aber im Zuge des Klimawandels wahrscheinlicher
Eisbärangriffe sind sehr selten - werden aber im Zuge des Klimawandels wahrscheinlicher

Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Eisbären und Menschen sind nach wie vor selten. Laut Aufzeichnungen der „Wildlife Society Bulletin" sind für den Zeitraum zwischen 1870 und 2014 lediglich 20 tödliche Angriffe dokumentiert.

In Alaska war dies der erste tödliche Vorfall seit 1990. Es wird vermutet, dass der Eisbär sehr verzweifelt gewesen sein muss, um sein Jagdgebiet zu verlassen und gleich mehrere Menschen zu jagen. In der Regel sollten die Tiere erfolgreich auf dem Eis nach natürlicher Beute suchen, wie Geoff York, Direktor für Naturschutz bei „Polar Bears International“, der Nachrichtenagentur AP mitteilte. Doch aufgrund des schmelzenden Meereises im Zuge des Klimawandels halten sich die Tiere zunehmend auf dem Festland auf, wodurch Begegnungen mit Menschen wahrscheinlicher würden. (lmc)