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9-Jähriger aus Freiburg an Pädophile verkauft: Mutter des Täters kannte seine Neigung

Ein neunjähriger Junge wurde Opfer von unvorstellbaren Qualen. Seine Mutter und ihr Lebensgefährte verkauften ihn an pädophile Männer. (Foto: Symbolbild)
Ein neunjähriger Junge wurde Opfer von unvorstellbaren Qualen. Seine Mutter und ihr Lebensgefährte verkauften ihn an pädophile Männer. (Foto: Symbolbild)

Junge wurde nicht aus der Familie geholt - trotz Hinweisen auf Kindesmissbrauch

Sie haben einen 9-jährigen Jungen nicht nur jahrelang selbst missbraucht - sie haben ihn auch über das Internet an andere Pädophile verkauft. Im Zentrum der Ermittlungen stehen Christian L. und die Mutter des Jungen Berrin T., genannt Ela, beide arbeitslos. Scheinbar wollten sie mit dem Jungen Geld verdienen. Die Kollegen von 'Spiegel TV' haben mit der Mutter von Christian L. gesprochen - und Schockierendes erfahren.

Erst im September 2017 griffen die Behörden ein

Mutter Angelika L. sagt, ihr Sohn Christian L. habe mit Anfang 30 eine Beziehung zu einer Minderjährigen gehabt: "Ja, eine aus dem Ort hier - die war 14. Und da hatte er auch so pädophile Dinge auf dem Computer." Angeblich hatte er das Mädchen älter geschätzt, als er sie kennenlernte.

Christian L. war wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen vorbestraft und hatte ein Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen. Trotzdem lebte er mit der zehn Jahre älteren Ela und deren kleinem Sohn zusammen.

Die Mutter des Jungen soll ihr Kind seit 2015 gegen mehrere Tausend Euro für Sex im Internet angeboten haben. Die 47-Jährige soll sich auch zusammen mit ihrem 37 Jahre alten Partner an dem Kind vergangen haben. Neben diesen zwei Verdächtigen sitzen sechs Männer in Untersuchungshaft, die aus Deutschland und anderen Ländern angereist sein sollen, um das Opfer zu missbrauchen und zu vergewaltigen. Hat man dem Kind etwas angemerkt? "Nein, überhaupt nicht. Nein, gar nix... Er hat ja auch zum Christian Papa gesagt und alles", erklärt Angelika L. im Interview mit 'Spiegel TV'.

Der Fall löst Debatten um mögliche Defizite und Verantwortlichkeiten aus. Bereits im März 2017 habe die Polizei den Behörden von einer möglichen Gefahr für das Kind berichtet, erklärte Matthias Fetterer, Pressesprecher des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald. Das Familiengericht habe den Schüler damals allerdings wieder nach Hause geschickt - warum, wisse er nicht. 

Jugendamt betreute den Jungen aus Freiburg seit Jahren
Jugendamt betreute den Jungen aus Freiburg seit Jahren Pädophilie-Skandal 01:34

Lebensgefährte der Mutter hätte sich dem Jungen gar nicht nähern dürfen

Das Oberlandesgericht Karlsruhe wies eine Kritik an den Urteilen zurück und verwies auf eine Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichtes. Demnach müssen vor einer Trennung des Kindes von seiner Familie zunächst andere Maßnahmen ergriffen werden. Das Familiengericht verhängte Auflagen an die Mutter. Danach sollte die 47-Jährige dafür sorgen, dass ihr Lebensgefährte die Wohnung nicht mehr betritt und es keine gemeinsamen Freizeitaktivitäten mehr zwischen ihrem Kind und dem 39 Jahre alten Mann gibt - auch nicht in ihrer Anwesenheit oder sonstiger Personen. Dagegen legte die Mutter Beschwerde ein.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe bestätigte jedoch die Entscheidung des Familiengerichts. Das Familiengericht traute der Mutter laut dem Landratsamt zu, das Wohl ihres Kindes nicht aus dem Blick zu verlieren und dieses vor Gefahren zu schützen. Sie sei zuvor nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und habe nicht im Verdacht gestanden, sagte eine Sprecherin. "Dem Jugendamt war insofern weder vom Familiengericht noch vom Oberlandesgericht eine Kontrolle auferlegt".

Im September 2017 wurde der Junge dann endgültig aus seiner Familie geholt, nachdem die Polizei auf den möglichen sexuellen Missbrauch des Kindes verwiesen habe. Das Paar wurde daraufhin festgenommen. Die Ermittler stellten Videos sicher, die den Missbrauch zeigen. Angelika sagt, ihr sei nie etwas aufgefallen. Christian L.s Mutter und seine Schwester haben wohl nie genauer nachgefragt. Aber es gab Hinweise.

Warum denen nicht früher nachgegangen wurde - auch das müssen die Ermittlungen jetzt zeigen. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen von einer hohen zweistelligen Zahl von Missbräuchen aus - an einem einzigen Kind.

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