Für 8 Milliarden Menschen

100 Milliarden Kleidungsstücke - aber kaum getragen

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11. Oktober 2019 - 22:15 Uhr

von Ann-Kathrin Seidel

Nur eben ein weißes T-Shirt kaufen. Kann man immer gebrauchen. Und die Hose. Anprobieren? Ach, Quatsch, ich kenn meine Größe. Und das Kleid im Sale, das nehm ich auch noch mit für die Party am Samstag. Erst zu Hause stelle ich fest: Das T-Shirt ist durchsichtig, die Hose zu eng und mit dem Kleid bin ich dann leider auch hängen geblieben, ein großes Loch klafft an meiner rechten Hüfte. Schade zwar, aber eben ein Fehlkauf. Nicht schlimm, dann kommt das eben weg. Nicht schlimm, hat ja nicht viel gekostet. Nicht schlimm, oder?

40% unserer Kleidung tragen wir nicht

Doch, irgendwie schon. Denn die Zahlen sind schon ziemlich erschreckend: 50 bis 100 Milliarden Kleidungsstücke werden pro Jahr hergestellt - dabei leben insgesamt nicht mal ganz 8 Milliarden Menschen auf der Welt. Und es wird nicht besser, wenn man sich Schätzungen anschaut, wie oft wir die Kleidung, die wir schon haben, überhaupt tragen: Laut Greenpeace liegen etwa 40 Prozent unserer Klamotten selten oder ungetragen im Schrank. Ein durchschnittliches Party-Top hält im Durchschnitt 1,7 Mal tragen - dann fristet sein trauriges Dasein im Schrank, zeigen Recherchen des Verbrauchermagazins Plusminus. Für die nächste Party kann man ja günstig ein Neues kaufen.

Fast Food für den Kleiderschrank

Fast Fashion heißt dieses Phänomen. Und es befriedigt ein grundlegendes psychologisches Bedürfnis: Forscher der Universität Bonn haben herausgefunden, dass Sonderangebote unser Belohnungszentrum im Gehirn ansprechen - unser Gehirn ist also ein Schnäppchen-Jäger. Belohnt werden wir mit Glückshormonen, wenn wir dann tatsächlich etwas - möglichst günstig - gekauft haben. Auch wenn die Freunde vielleicht nicht von langer Dauer ist.

50 bis 80 Prozent der Altkleider unbrauchbar

Das ist aber nur ein Teil des Problems. Würden unsere ungebrauchten Klamotten einfach nur im Schrank vor sich hin liegen, wäre das halb so schlimm. Aber irgendwann wird uns ja doch klar, dass wir dieses durchsichtige weiße T-Shirt niemals tragen und in die zu enge Hose niemals rein passen werden. Also ab damit in den Container - und dort sammeln sich haufenweise solcher Kleidungsstücke an, die größtenteils von so schlechter Qualität sind, dass sie auch in der Altkleidersammlung nicht mehr gebraucht werden können. 50 bis 82 Prozent sind unbrauchbar und müssen entsorgt werden. Und das heißt eben nicht, sie zu Putzlappen verarbeiten, sondern vebrennen.