Spott wegen Ballett-BemerkungOpern-Zoff um Hollywood-Star! Minister lädt Chalamet ein

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Weimer richtet sich direkt an Chalamet.
Montage: dpa/Annette Riedl; IMAGO/News Licensing/Andrew Sims

Hollywood-Star Chalamet ist kein Fan von Opern, Ballett- oder Theateraufführungen. Für Kulturstaatsminister Weimer ist das nicht hinnehmbar. Er will dem US-Amerikaner zeigen, wie schön so eine klassische Veranstaltung sein kann.

Nach dessen Bemerkung über angeblich mangelndes Interesse an Oper und Ballett lädt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer Hollywood-Star Timothée Chalamet zum Opernbesuch in Deutschland ein. „Wer Ballett oder Oper nicht hautnah und live erlebt hat, kann auch mal daneben liegen“, sagte Weimer der „Rheinischen Post“.

Der Kulturstaatsminister ergänzte: „Deutschland ist quasi Weltmarktführer bei Orchestern, Opernhäusern und großartigen Tanzensembles.“ Chalamet sei daher „herzlich eingeladen, bei seinem nächsten Besuch in Deutschland in eins unserer tollen Konzerthäuser oder Musiktheater zu gehen, mit Künstlerinnen und Künstlern zu sprechen und sie bei ihrer Hochleistungsarbeit zu beobachten“, betonte er. „Dann spürt Herr Chalamet sofort den Zauber der Oper und die Schönheit des Tanzes. Danach kann man nur sagen: It was really awesome.“

Chalamet, der für seine Rolle als ehrgeiziger Tischtennisspieler in dem Film „Marty Supreme“ ein Oscar-Anwärter ist, hatte gesagt, dass er nicht in Bereichen wie Ballett oder Oper arbeiten wolle. Das seien „Dinge, bei denen man sagt: Hey, erhaltet diese Sache am Leben, obwohl sich niemand mehr dafür interessiert“. Obwohl er unmittelbar hinzufügte, dass er Respekt vor den Künstlern dieser Sparten habe und scherzte, dass er gerade „14 Prozent an Zuschauerschaft verloren“ habe, reagierten namhafte Opernhäuser sofort darauf - mit Witz, aber auch Kritik.

Die Bayerische Staatsoper veröffentlichte auf Instagram ein Video, das Chalamets Zitat direkt Bildern von tobendem Applaus und stehenden Ovationen nach einer Ballettvorstellung gegenüberstellte. Die Botschaft war klar: Von Desinteresse kann in einem ausverkauften Haus keine Rede sein. Die Wiener Staatsoper wählte einen dialogorientierten Ansatz. Sie veröffentlichte Clips, in denen sie junge Zuschauer direkt im Opernhaus befragten, ob ihnen die Kunstform am Herzen liege. Dazu die direkte Nachricht an den Schauspieler: „Betrachten Sie dies als Ihre persönliche Einladung nach Wien. Unsere Bühne wartet auf Sie.“

International schlossen sich die Metropolitan Opera in New York und die Los Angeles Opera der Kritik an. Letztere stichelte humorvoll, man könne Chalamet zwar Freikarten anbieten, doch die Vorstellungen der aktuellen Produktion „Akhnaten“ seien leider bereits restlos ausverkauft.

Neben den Institutionen meldeten sich auch angesehene Künstler zu Wort. Die Grammy-Preisträgerin und Opernsängerin Isabel Leonard zeigte sich in einer Story auf Instagram schockiert darüber, dass ein so erfolgreicher Kollege eine derart „engstirnige Sicht auf künstlerische Disziplinen“ habe.

Auch der Tänzer und Choreograf Amar Smalls wies darauf hin, dass Oper und Ballett „hohe Kunst“ seien, für die Menschen sich nach wie vor schick machten - im Gegensatz zum Kinobesuch. „Niemand zieht sich schick an, um ‚Wonka‘ zu sehen“, so Smalls. Zudem wies er darauf hin, dass Filmschauspieler in der Zukunft durch Künstliche Intelligenz ersetzbar sein könnten, während auf der Bühne immer echte Menschen stehen werden.

Verwendete Quellen: mpa/spot