Handball-EMNach Niederlage: Handballer müssen um Hauptrunde zittern

Ungewohnt emotional an der Seitenlinie: Bundestrainer Alfred Gislason.
Ungewohnt emotional an der Seitenlinie: Bundestrainer Alfred Gislason.
Sina Schuldt/dpa

Deutschlands EM-Handballer sind weit weg von einer Medaillenform und leisten sich gegen Serbien reihenweise Fehler. Am Montag wartet ein noch besserer Gegner.

Deutschlands Handballer haben zum ersten Mal überhaupt ein Pflichtspiel gegen Serbien verloren und müssen um den Einzug in die EM-Hauptrunde zittern. Zwei Tage nach dem Auftaktsieg gegen Österreich musste sich die Auswahl von Bundestrainer Alfred Gislason im dänischen Herning mit 27:30 (17:13) geschlagen geben. Jeweils sechs Tore von Deutschlands besten Werfern Miro Schluroff und Renars Uscins reichten nicht, um die Niederlage abzuwenden.

«Wir haben eine gute erste Halbzeit gemacht - vor allem in der Abwehr. In der zweiten Halbzeit haben wir das dann nicht so gut hingekriegt», sagte Gislason in der ARD. Außerdem habe man vorn zu viele Fehler gemacht. «Deswegen haben wir das Spiel nicht gewinnen können.»

Zum Vorrundenabschluss trifft Deutschland am Montag (20.30 Uhr/ZDF/Dyn) erneut in Herning auf Spanien. Der zweimalige Europameister ist noch ohne Punktverlust und hatte sich zuvor mit 30:25 gegen Österreich durchgesetzt. In bester Erinnerung dürfte den DHB-Fans noch das dramatische Duell im Olympia-Halbfinale 2024 sein, das Deutschland 25:24 gewonnen hatte.

In der möglichen Hauptrunde dürften die Gegner noch einmal deutlich härter werden. Neben Olympiasieger Dänemark und Titelverteidiger Frankreich warten dort wohl auch der WM-Vierte Portugal und Norwegen.

Serbien nur drei EM-Siege seit Silber 2012

Die Favoritenrolle lag eindeutig auf deutscher Seite. Noch nie hatte eine DHB-Auswahl ein Pflichtspiel gegen Serbien verloren. Auch ihrem Ruf als unangenehmer Gegner war die Mannschaft von der Balkanhalbinsel seit Jahren nicht mehr gerecht geworden. Dass Serbien seit dem Vize-Europameistertitel 2012 lediglich drei EM-Siege holte, spricht Bände.

Wolff sieht starken Späth im Tor

Etwas überraschend saß Andreas Wolff nach seiner starken Leistung gegen Österreich auf der Bank. Für ihn rückte David Späth ins Tor, der seine Nominierung mit sehenswerten Paraden zurückzahlte. Der auffälligste Spieler im DHB-Team war aber Juri Knorr. Der Spielmacher leistete sich zwar frühe Fehlwürfe, war aber an vier der ersten sechs Tore unmittelbar beteiligt und überzeugte mit seiner Schnelligkeit und Dynamik bei Tempogegenstößen.

Deutschland spielte unheimlich mutig, agierte in den Abschlüssen aber oft überhastet. «Wir überholen uns manchmal ein bisschen selbst», befand Teammanager Benjamin Chatton. Nach einer Viertelstunde war beim 8:8 alles offen. Erst die Einwechslung von Schluroff hob den Angriff auf ein neues Level. Der Gummersbacher beeindruckte mit Hochgeschwindigkeitstoren aus dem Rückraum.

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Füchse-Keeper Milosavljev bereitet Deutschland Probleme

Wie in allen Spielen der letzten Wochen tat sich Deutschland unmittelbar nach der Pause schwer und der Vorsprung schrumpfte beim 19:18 auf ein Tor. Auch, weil Serbiens Torhüter Dejan Milosavljev von den Füchsen Berlin eine starke Partie zeigte. 19 Minuten vor Schluss glich der Außenseiter aus.

Nach einer Auszeit schickte Gislason Wolff ins Tor, den die deutschen Fans nach einem gehaltenen Siebenmeter mit lauten Sprechchören feierten. Zwölf Minuten vor Spielende geriet der Olympia-Zweite in Rückstand. Das Momentum hatte komplett gewechselt und die deutsche Abwehr fiel immer weiter auseinander.

Mit einer Auszeit zum ungünstigsten Zeitpunkt verhinderte Gislason drei Minuten vor Spielende einen Treffer. Der Ball war im Tor, aber der Bundestrainer hatte vorher auf den Buzzer gedrückt. «Natürlich geht das auf meine Kappe», sagte der Isländer. Es sollte sich rächen.