American Football«Ist unglaublich»: Seahawks bezwingen Patriots im Super Bowl

Seattles Quarterback Sam Darnold (l) und Coach Mike MacDonald feiern den Super-Bowl-Triumph.
Seattles Quarterback Sam Darnold (l) und Coach Mike MacDonald feiern den Super-Bowl-Triumph.
Sue Ogrocki/AP/dpa

Elf Jahre nach dem Drama gegen die Patriots feiern die Fans der Seattle Seahawks die Wiedergutmachung. Im 60. Super Bowl gewinnt der Favorit eine defensiv-geprägte Partie souverän.

Stolz hielt Quarterback Sam Darnold die silberne Trophäe für den Super-Bowl-Triumph in der Hand und richtete einen Appell an die Fans seiner Seattle Seahawks. «Hey, macht mal Lärm für unsere Verteidigung», rief der Spielmacher nach dem 29:13 über die New England Patriots im einseitigen Finale der National Football League. Vor allem dank seiner starken Defensive feierte der Favorit den zweiten Titeltriumph nach 2014.

Die Patriots - gemeinsam mit den Pittsburgh Steelers Super-Bowl-Rekordchampion - verpassten ihren angestrebten siebten Titel dagegen deutlich. Es wäre der erste Triumph seit dem Abschied von Superstar Tom Brady gewesen.

Die Reaktionen - das bedeutet der Triumph für die Seahawks

«Es ist unglaublich. Alles, was passiert ist in meiner Karriere», sagte Darnold ergriffen. Der Spielmacher galt in seiner NFL-Laufbahn schon als gescheitert - und feierte nun im 60. Super Bowl den großen Triumph. «Alle meine Teamkollegen haben an mich geglaubt, ich habe an mich geglaubt wegen meiner Familie und Freunde. So lange du an dich glaubst, ist alles möglich.»

Die Fans aus Seattle feierten in Santa Clara die lang ersehnte Wiedergutmachung für die dramatische Niederlage vor elf Jahren, als die Seahawks 24:28 gegen die Patriots verloren hatten. Damals hatten die Seahawks sich in bester Position kurz vor Schluss einen entscheidenden Ballverlust erlaubt und den möglichen Sieg aus der Hand gegeben. Mit fünf verwandelten Field Goals wurde Kicker Jason Myers nun zum Schlüsselfaktor für Seattle und stellte einen Rekord für den Super Bowl auf.

Nach der stimmungsvollen Halbzeit-Show von Bad Bunny sorgten die zahlreichen Anhänger aus Seattle für Party-Stimmung im Levi's Stadium etwa eine Stunde südlich von San Francisco. Auf der Tribüne verfolgten zahlreiche Superstars wie Leonardo DiCaprio, Roger Federer und Jay-Z die Partie.

Der Spielfilm - so lief die erste Halbzeit

Die Seahawks gingen direkt mit der ersten Angriffsserie in Führung, mussten sich dabei aber mit einem Field Goal von Myers zufriedengeben. Für die Patriots gab es im ersten Anlauf keine Punkte - das sollte in der von starken Abwehrreihen geprägten Begegnung den Ton setzen.

Das zweite Field Goal zur 6:0-Führung im zweiten Viertel war für Seattle daher eher ein Gewinn als eine vertane Chance, elf Sekunden vor der Pause erhöhten die Seahawks auf 9:0. Dies war kein gutes Omen für die Patriots: Noch nie hatte ein Team ohne eigene Punkte in der ersten Halbzeit den Super Bowl gewonnen - und es sollte dabei bleiben.

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Die Entscheidung - das passierte in der zweiten Halbzeit

Nach der Pause zwang die Seahawks-Abwehr die Patriots schnell wieder vom Feld. Die Offensive aus Seattle arbeitete sich dank Runningback Kenneth Walker III über das Feld und ging durch das vierte Field Goal von Myers 12:0 in Führung. «Man merkt, dass die Luft raus ist bei den Patriots», analysierte Sebastian Vollmer, früherer Super-Bowl-Champion mit New England, als RTL-Experte.

Die restliche Hoffnung platzte dann mit dem ersten Ballverlust kurz vor Ende des dritten Viertels. Direkt im Anschluss machten die Seahawks früh im Schlussabschnitt den ersten Touchdown zur 19:0-Führung. Ein Flitzer sorgte für etwas Unruhe und musste von Ordnern zu Boden gebracht werden.

Der erste Touchdown für die Patriots zwölfeinhalb Minuten vor Schluss gab der Partie etwas Leben zurück, doch auch das 7:19 brachte nicht mehr die Wende. Stattdessen erlaubte sich New Englands Quarterback Drake Maye einen kapitalen Fehler, als er den Ball zu Seattle-Verteidiger Julian Love warf. Myers traf auch noch sein fünftes Field Goal. Die Seahawks-Abwehr belohnte sich schließlich noch selbst mit einem Touchdown, als Uchenna Nwosu einen abgefangenen Ball direkt in die Endzone trug. Der zweite Touchdown der Patriots sorgte kaum noch für Jubel im Stadion.

Der Moment - diese Szene bleibt in Erinnerung

Lange Zeit fehlten der Partie die Höhepunkte. Zehn Sekunden vor Ende des dritten Viertels erzwang die Abwehr der Seahawks aber den ersten Ballverlust. Derick Hall und Byron Murphy II klauten den Ball aus den Händen von Patriots-Spielmacher Maye. Fünf Spielzüge danach feierten die Seahawks den ersten Touchdown des Super Bowls und hatten den Anhängern der Patriots die Hoffnung auf ein Comeback geraubt.

Der wertvollste Spieler - dieser Profi prägte den Super Bowl

Kenneth Walker III sorgte mit seinen Läufen für die lange Zeit wenigen Ahh- und Ohh-Momente der Partie. Der Runningback der Seattle Seahawks erarbeitete seinem Team die Vorteile, auf die Fans der Patriots vergeblich hofften. Bis zu 30 Yards holte er so auf einmal raus, immer wieder umkurvte er Gegenspieler und transportierte den Ball zusätzliche wenige Meter nach vorne - das machte in der Begegnung den Unterschied aus. Insgesamt lief Walker für 135 Yards und wurde auch ganz offiziell mit der Auszeichnung zum wertvollsten Spieler der Partie geehrt.

Die Show - so war der Auftritt von Bad Bunny

Bad Bunny hielt sein Versprechen und sorgte für gute Laune und Stimmung - mit liebevoll choreografierten Szenen, einem beeindruckenden Bühnenaufbau und einer starken Botschaft ganz zum Schluss. «Kraftvoller als Hass ist nur Liebe», stand sinngemäß auf der großen Videowand im Levi's Stadium, als der Sänger aus Puerto Rico und seine Tänzer mit Fahnen vieler Länder das Spielfeld verließen. Im Stadion tanzten viele Fans auf den Tribünen, die als Gäste auch Lady Gaga und Ricky Martin zu sehen bekommen hatten.