Gold für EiskunstläuferEislauf-Traumduo Hase/Volodin auf dem WM-Thron: „Das Größte“

Für Nikita Volodin und Minerva Hase ging mit WM-Gold ein Traum in Erfüllung.
Für Nikita Volodin und Minerva Hase ging mit WM-Gold ein Traum in Erfüllung.
Petr David Josek/AP/dpa

Jubel, Tränen und ein Selfie um 1.40 Uhr: Minerva Hase und Nikita Volodin erfüllen sich mit WM-Gold einen Traum. Sie hoffen auf einen Eiskunstlauf-Hype - und lassen ihre Zukunft offen.

Nikita Volodin erinnerte sich am Ziel seiner Träume an eine berührende Nachricht seiner Mama, Minerva Hase postete nach einem rauschenden Eiskunstlauf-Abend um 1.40 Uhr ein Selfie mit ihrer Goldmedaille. Endlich konnte die Anspannung beim deutschen Eislauf-Traumduo nach einer langen Saison mit Olympia in Italien und dem goldenen WM-Abschluss in der goldenen Stadt Prag weichen. Erstmals wurden Hase und Volodin Weltmeister im Paarlaufen.

„Es war mein Traum, Weltmeister zu werden“, sagte Volodin nach einer beeindruckenden Leistung in der tschechischen Hauptstadt. Hase, bei der nach der Medaillenentscheidung Tränen flossen, sprach von einem „unglaublichen Gefühl“. Doch eine Frage bleibt nach einer erfolgreichen Saison mit EM-Silber, Olympia-Bronze und WM-Gold: die nach der gemeinsamen Zukunft. Noch ist nichts offiziell, doch die Zeichen deuten eher auf eine Fortsetzung hin.

Volodin wollte schon als kleiner Junge Weltmeister werden

Über die Zukunft wollten sich Hase und Volodin aber auch am Tag nach dem WM-Titel noch keine Gedanken machen. Stattdessen genossen sie den Moment ihres Triumphs. „Den ganzen Tag habe ich darüber nachgedacht, wie großartig es wäre, heute Abend schlafen zu gehen und eine Goldmedaille mit nach Hause zu nehmen“, sagte Hase nach dem Gold-Coup. „Das ist das Größte, was sich jeder wünscht.“

Nach Bronze 2024 im kanadischen Montreal und Silber 2025 in Boston in den USA vervollständigte das Duo nun seine Medaillensammlung bei Weltmeisterschaften - und das, obwohl die beiden erst seit dreieinhalb Jahren ein Eiskunstlauf-Paar sind. „Es ist gerade so ein wunderschöner, runder Moment“, meinte Hase.

Für Volodin erfüllte sich ein Kindheitswunsch. „Meine Mutter hat mir vor dem Wettbewerb eine Nachricht geschickt über etwas, was ich in der ersten Klasse gesagt habe: Ich will Weltmeister werden. Damals hat man nicht gedacht, dass das möglich ist - und jetzt ist es passiert“, sagte der gebürtige Russe, der seit August des vergangenen Jahres die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und erst dadurch an den Olympischen Spielen teilnehmen konnte.

„Das Publikum war unglaublich“

Hase/Volodin sorgten schon früh in ihrem WM-Kürprogramm für eine begeisternde Atmosphäre in der Prager Arena. „Das Publikum war unglaublich. Nach unserer Sprungkombination konnten wir unsere Musik nicht mehr hören, weil es so laut war, und ich dachte kurz: Okay, ein bisschen ruhiger, wir haben noch neun Elemente vor uns. Aber sie haben uns heute so viel Kraft gegeben, und es fühlte sich so leicht an, das Programm durchzulaufen. Es hat einfach riesigen Spaß gemacht“, sagte Hase.

Auch ein Patzer beim geplanten dreifachen Salchow, bei dem sowohl Hase als auch Volodin Schwierigkeiten hatten, war kein Stimmungsdämpfer - weder für die Zuschauer noch für die beiden 26-Jährigen. „Es wäre perfekt gewesen, wenn der Salchow geklappt hätte“, sagte Volodin. Weil aber auch die Konkurrenz zuvor gepatzt hatte, konnte sich das deutsche Duo den Fehler erlauben und den Vorsprung aus dem Kurzprogramm sogar ausbauen - in Abwesenheit der japanischen Olympiasieger Riku Miura/Ryuichi Kihara, die auf den Saisonabschluss verzichteten.

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Hase/Volodin wollen Eiskunstlauf „wieder groß machen“

Mit dem WM-Titel beendeten Hase/Volodin eine acht Jahre lange Durststrecke. Das letzte deutsche Paarlauf- und zugleich auch Eiskunstlauf-Gold holten Aljona Savchenko und Bruno Massot 2018 in Mailand. „Sie sind große Vorbilder“, sagte Hase in der Hoffnung, dass die Goldmedaille einen größeren Eiskunstlauf-Hype hierzulande auslöst. „So viel Unterstützung wie hier in Prag haben wir noch nie gespürt. Wir sehen es auf Instagram und in den Medien, aber es bei einem Wettkampf tatsächlich zu erleben, ist etwas ganz anderes.“

Hase und Volodin hoffen, „diesen Hype in Deutschland aufrechterhalten und den Sport wieder groß machen“ zu können. „So dass vielleicht auch das Sponsoring für Athletinnen und Athleten wieder besser wird“, äußerte Hase.

Hase über Zukunft: „Wir lassen es offen“

Ob die gebürtige Berlinerin selbst von diesem Hype abgesehen von Einladungen zu Eisshows profitieren wird, ist unklar. Erst in den nächsten Wochen entscheidet sich die gemeinsame Zukunft. „Wir haben gerade erst die Weltmeisterschaften hinter uns gebracht, daher hatten wir noch keine Zeit, um über die Zukunft zu sprechen“, erklärte Hase. Sie hatte vor der WM angekündigt, die Entscheidung auch vom Trainingsumfeld in Berlin abhängig zu machen.

„Wir werden auch etwas Zeit abseits des Eises haben, um darüber nachzudenken, was wir brauchen und was wir wollen“, sagte sie und kündigte Gespräche mit allen Partnern an. „Dann werden wir schauen, wie es weitergeht oder ob es überhaupt weitergeht. Wir lassen es offen.“

Verband ist optimistisch

Innerhalb der Deutschen Eislauf-Union ist man nach wie vor zuversichtlich. „Es ist ein junges Eiskunstlauf-Paar, das in drei Jahren Unglaubliches erreicht hat. Sie sind jung genug, um auch noch in vier Jahren Weltklasse zu sein“, sagte Sportdirektor Jens ter Laak.

Zumindest direkt nach der Kür-Darbietung machte Volodin allen Fans große Hoffnung auf eine Fortsetzung. Vielleicht sei der WM-Titel ein guter Start einer gemeinsamen Reise, sagte er im Siegerinterview.