Kanada-Trip endet mit ÄrgerBlamage für FIFA-Boss! Polizei verweigert Infantino Luxus-Eskorte

MIAMI, FL - APRIL 25: President of Federation International de Football Association Gianni Infantino as guest speaker is seen during the Miami Dade Colleges Commencement ceremony 2026 on April 25, 2026 in Miami, Florida. (Photo by Alberto E. Tamargo/Sipa USA)
Gianni Infantino liebt den großen Auftritt - wie hier kürzlich am Miami Dade College.
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Beim FIFA-Kongress in Vancouver steht mal wieder Gianni Infantino im Mittelpunkt. Es gibt jede Menge offene Fragen. Die Welt des Fußballs steht kurz vor der WM in Flammen. Ob der FIFA-Boss einen Feuerlöscher mitbringen wird, ist unklar. Denn der innere Kreis ist ihm weiter wohlgesonnen.

Auf einen Kurztrip mit seinem Kumpel Donald Trump verzichtete Gianni Infantino diesmal. Nach seiner verspäteten Ankunft beim FIFA-Kongress in Paraguay im Vorjahr schüttelte der Präsident des Fußball-Weltverbands nun in Vancouver schon im Vorfeld fleißig Hände und nahm an wegweisenden Sitzungen teil. Da war es auch zu verschmerzen, dass ihm der Auftritt als großer Staatsmann verwehrt blieb. Die kanadische Polizei hatte laut Medien einen Antrag auf Sicherheitseskorte inklusive Straßensperrungen und gesonderter Autokolonne für den FIFA-Boss abgelehnt.

Dennoch steht Infantino beim 76. Kongress im Convention Centre am Donnerstag (18.30 Uhr/MEZ) natürlich im Mittelpunkt. Er wird sich für Rekordprämien feiern lassen, für die aus seiner Sicht „größte und inklusivste“ WM der Geschichte und dürfte sich für eine Wiederwahl in Stellung bringen. Demgegenüber stehen aber zahlreiche Themen mit Zündstoff wie der Krieg des WM-Gastgebers, eine Turnier-Teilnahme des Iran, die exorbitanten Kosten für Fans oder seine eigene Nähe zu Trump.

Auch wenn die eigentliche Agenda gewohnt unspektakulär scheint, war eine Vollversammlung des Weltverbands kaum einmal so stark von politischen Spannungen geprägt. Vor allem der Nahost-Krieg sowie die Fragezeichen hinter einer WM-Teilnahme des Iran bleiben allgegenwärtig. Er denke, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf, dass Infantino „darüber berichten und uns Auskunft erteilen wird“. Bislang betonte der FIFA-Boss stets, dass der Iran „auf jeden Fall“ teilnehmen werde.

Sein guter Freund Trump veränderte dagegen seine Position mehrmals, sicher scheint nichts. Zudem verstärkt die aggressive Politik des US-Präsidenten sowie die Eskalation bei Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE mit Todesopfern die allgemeinen Sicherheitsbedenken. Generell stößt die enorme Nähe von Infantino zu Trump einigen in der Fußballwelt sauer auf, insbesondere die Kritik an der Vergabe des Friedenspreises an den US-Präsidenten im Vorjahr kochte nun wieder hoch.

Dem mächtigen FIFA-Boss wird vorgeworfen, dass er damit gegen die Regeln der politischen Neutralität verstoßen habe. Der norwegische Verband stellte sich deshalb gar hinter eine Beschwerde der Menschenrechtsorganisation FairSquare bei der Ethikkommission. Sonst hat Infantino in Vancouver allerdings nicht viel Gegenwind zu befürchten. Vielmehr ist fast damit zu rechnen, dass der 56-Jährige die große Bühne nutzt, um eine erneute Kandidatur für 2027 anzukündigen.

Feiern lassen dürfte er sich für die Erhöhung der WM-Prämien. Viele Nationen fürchteten angesichts der hohen Kosten für Reisen, Organisation und Steuern insbesondere in den USA Verluste, hätten erst ab einer Qualifikation fürs Halbfinale schwarze Zahlen geschrieben. Die FIFA lenkte nach einer Beschwerde ein, gemäß Beschluss des Councils vom Dienstag werden nun insgesamt 871 Millionen US-Dollar statt 727 Millionen an die 48 Teilnehmer fließen.

Zudem wurde nach einer Forderung von Infantino vom International Football Association Board (IFAB) eine Regeländerung beschlossen. Demnach sehen Profis, die sich in einer Auseinandersetzung mit Gegenspielern den Mund zuhalten, schon bei der WM im Sommer eine Rote Karte. Dies sei eine Maßnahme, „die wir ergreifen müssen, wenn wir es mit unserem Kampf gegen Rassismus ernst meinen“, betonte Infantino.

Schließlich zeigt er sich im Kampf gegen Rassismus ebenso wie in vielen anderen Bereichen gerne als Vorreiter - auch wenn es zu einer Sicherheitseskorte auf Niveau des US-Präsidenten noch nicht ganz reicht.

Verwendete Quellen: sue/sid