FußballZwischen Nahostkonflikt und Trump: Infantino will bleiben

Gianni Infantino (M) kann Dschibril Radschub, Präsident des Palästinensischen Verbandes, und den israelischen Vizechef Bassim Scheich Suliman (l) auf der Kongressbühne nicht versöhnen.
Gianni Infantino (M) kann Dschibril Radschub, Präsident des Palästinensischen Verbandes, und den israelischen Vizechef Bassim Scheich Suliman (l) auf der Kongressbühne nicht versöhnen.
Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa

Der FIFA-Kongress wird für Gianni Infantino zur politischen Gratwanderung. Eine Versöhnungsgeste zwischen Israel und Palästina bleibt aus. Doch aus dem Weißen Haus bekommt er gute Nachrichten.

Gianni Infantino rang sich ein gequältes Lächeln ab. Der Versuch des FIFA-Präsidenten, beim Kongress des Fußball-Weltverbands auf offener Bühne eine Versöhnungsgeste zwischen Vertretern Palästinas und Israels zu initiieren, scheiterte kläglich. Und doch durfte sich Infantino wenig später, nachdem er zum Ende der Versammlung seine erneute Kandidatur als FIFA-Chef verkündet hatte, in einer anderen heiklen sportpolitischen Frage als Sieger fühlen.

Aus dem Weißen Haus erteilte Donald Trump seinem „Freund“ in der Entscheidung über eine WM-Teilnahme des Iran freie Hand. „Ich finde, lassen wir sie spielen“, verkündete Trump vom Schreibtisch im Oval Office. Dass die iranischen Funktionäre beim FIFA-Kongress im kanadischen WM-Spielort fehlten und laut Medienberichten bei der Einreise an der Grenze abgewiesen worden waren, hatte die Debatte neu befeuert.

Trump: „Wenn Gianni das gesagt hat, ist das für mich in Ordnung“

Auch deshalb versuchte Infantino, direkt zu Beginn seiner Kongressrede mit deutlichen Worten alle Zweifel zu zerstreuen, dass das iranische Team trotz des Kriegs mit den USA in den Sommer dabei sein wird. „Natürlich“ werde der Iran dabei auch in den USA spielen. „Nun, wenn Gianni das gesagt hat, ist das für mich in Ordnung“, sagte Trump und schwärmte, Infantino sei fantastisch. „Ich habe gesagt, du kannst machen, was du willst. Du kannst sie dabeihaben, du musst sie nicht dabeihaben.“

Die beiden bemerkenswerten Episoden verdeutlichen die Gratwanderung für Infantino. Der 56-Jährige wähnt die FIFA „an den wichtigsten Tischen“ mit den Regierungen der Welt. So wird auch der Nahostkonflikt im Fußball ausgetragen.

Nach Reden von Dschibril Radschub, dem Präsidenten des Palästinensischen Fußball-Verbandes (PFA), und Bassim Scheich Suliman, dem Vize-Chef des Israelischen Fußball-Verbandes (IFA), bat Infantino die Funktionäre gemeinsam auf die Bühne. Doch unversöhnlich standen beide einige Meter voneinander entfernt, ein bildstarker Handschlag blieb aus. „Wir werden zusammenarbeiten, lasst uns zusammenarbeiten, um den Kindern Hoffnung zu geben“, rief Infantino ihnen zu, bevor sie das Podium getrennt verließen.

Verband Palästinas zieht vor den Internationalen Sportgerichtshof

Auch der Weltverbandschef konnte nicht verhindern, dass die PFA vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas zieht. Dort soll eine Entscheidung des FIFA-Councils überprüft werden, Israels Verband nicht wegen angeblich diskriminierender Handlungen gegen palästinensische Fußballer zu bestrafen.

„Infantino hat in den letzten Jahren zunehmend versucht, sich als internationaler Staatsmann darzustellen, doch der Austausch zwischen Radschub und Suliman verdeutlichte die Grenzen seiner diplomatischen Fähigkeiten“, kommentierte der britische „Guardian“.

Der jahrelange Konflikt wird Infantino damit auch in den kommenden Monaten beschäftigen. Womöglich auch, wenn er sich beim Kongress am 18. März 2027 im marokkanischen Rabat zum vierten Mal als FIFA-Präsident zur Wahl stellt. „Ich bin geehrt und zugleich demütig“, sagte Infantino, als er seinen erwarteten Schritt bekanntgab. Da seine ersten knapp dreieinhalb Jahre als Nachfolger von Joseph Blatter nicht angerechnet werden, kann er erneut für vier Jahre dann bis 2031 wiedergewählt werden. Dies wäre laut Statuten seine letzte Amtszeit.

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Das sagt der DFB-Chef zu Infantinos Kandidatur

Bei der vorigen Wiederwahl 2023 hatte der Deutsche Fußball-Bund die direkte Unterstützung per Akklamation noch versagt. Nun hat sich das Verhältnis zu Infantino entspannt und normalisiert. Eine sofortige Wahlzusage vermied DFB-Chef Bernd Neuendorf jedoch und verwies auf die zuständigen Gremien. „Daher werden wir uns innerhalb des DFB und gemeinsam mit der DFL mit der Kandidatur beschäftigen und nach dem Ende der Bewerbungsfrist eine Entscheidung treffen“, sagte das deutsche Mitglied des FIFA-Councils.

Bis zum 18. November können weitere Bewerber von den FIFA-Mitgliedsverbänden vorgeschlagen werden. Ein Gegenspieler für Infantino ist jedoch nicht in Sicht - dieser wäre Stand jetzt auch chancenlos. Die Verbände aus Südamerika, Afrika und Asien sagten dem Amtsinhaber sogar schon vor dessen offizieller Bewerbung ihre uneingeschränkte Unterstützung zu. Damit hätte Infantino bereits die erforderliche Mehrheit sicher.

Mehr Geld für die Verbände

Passenderweise konnte Infantino stolz finanzielle Rekordzahlen verkünden. Die Zuwendungen aus dem Entwicklungsprogramm Forward an die Mitgliedsverbände für den Zeitraum von 2027 bis 2030 steigen im Vergleich zum vorigen Zyklus um 20 Prozent - auf dann 2,7 Milliarden US-Dollar.